Tonträger

Tracklist

1. Un mundo
2. Confundí
3. Polietileno
4. Hoy
5. Torrito
6. Arremangado
7. Judas priest
8. Veo música
9. Alguien dtrás
10. La luna
11. No es casual
12. Sin querer
13. Nada es igual
14. Polietileno (Remix)

ANDANDO DESCALZO

Mill Destinos

VÖ: 28.09.2007
Label: Übersee Records
Web: www.andandodescalzo.com.ar

Da sich meine Spanischkenntnisse irgendwo zwischen Tapete und Wand aufhalten, stellen die Begrifflichkeiten auf diesem Album für mich ein großes Rätsel dar. Andando Descalzo – der Bandname besitzt für mich keine Aussagekraft in Bezug auf eine mögliche Stilrichtung. Also begeben wir uns auf optische Spurensuche. Betrachtet man das Cover als Visitenkarte eines Albums, dann sollte dieses eher jetzt als gleich zur Seite gelegt werden, denn das absolut amateurhafte Artwork wirkt wie im Kunstunterricht geschaffen mit seinen gemalten Schnörkeln, die ein Paar Schuhe umrahmen, und dem Bandnamen im Tatter-Design. Kombiniere: Es handelt sich um eine Veröffentlichung einer grauenvollen Skapunk-Band auf Lost & Found Records aus den 90er Jahren. Finger weg, wenn die Laune intakt bleiben soll!

Aber nein, wir wollen ja nicht oberflächlich sein und von den äußeren auf die inneren Werte schließen. In der Tat ist es nämlich eine weise Entscheidung, der Musik der sechs Argentinier Gehör zu schenken, denn sie strahlt eine Menge südamerikanisches Flair aus. Andando Descalzo liegt es einfach im Blut, auf sehr entspannte – und dennoch nicht langweilige – Weise Ska, Latin und Reggae zu vermengen. Auch wenn die Songtexte wie gehabt ein Buch mit sieben Siegeln bleiben, passen sämtliche Komponenten vom relaxten Gesang bis zur Pianobegleitung wie ein perfekt eingelaufener Schuh. A propos Fußbekleidung: Ins deutsche übersetzt bedeutet der Bandname soviel wie „barfuß laufen“. Soll ja orthopädisch gesehen sehr gesund sein, klingt aber zugleich vollkommen dünnsinnig.

Die 14 Songs eignen sich bestens, um ein paar Drinks in gemütlichem Ambiente zu schlürfen. Für die Longue mag das Liedgut vielleicht gelegentlich ein wenig zu energisch sein, aber in einem Beachclub verfeinert „Mil Destinos“ durchaus die Rahmenbedingungen. Anhand dieser Feststellung lässt sich erahnen, dass Andando Descalzo nette Musik machen, aber eben nur nette Musik, hörbar, angenehm, jedoch nicht hitverdächtig. Ausprobiert werden darf dieses Album allemal – wenn man sich nicht von dem besagt katastrophalen Erscheinungsbild abschrecken lässt. Hier haben die Gauchos noch wahnsinnig viel „necesidad“, musikalisch ist aber alles „en forma“.

06.12.2007 Jack