Tonträger

Tracklist

1. Magnets  
2. Zdarlight  
3. I Want I Want
4. Idealistic
5. Digitalism In Cairo  
6. Departure From Cairo
7. Pogo
8. Reinhören
9. Anything New
10. The Pulse
11. Home Zone  
12. Apollo-Gize
13. Jupiter Approach
14. Jupiter Room
15. Echoes

DIGITALISM

Idealism

VÖ: 08.06.2007
Label:
Virgin
Web: http://www.thedigitalism.com/

Interview mit Jens Moelle am 30. Mai 2007 (Schanze, Hamburg)

15 x 1 = 16 – Endlich ein Album von Digitalism

Jens Moelle von Digitalism schildert im Interview mit Hörsturz wie es endlich zu ersten Album kam und warum er Hotelzimmer jederzeit seiner Hamburger Wohnung vorzieht

Der eine jobbte im Plattenladen (Underground Solution in HH, d.Red.), der andere im Plattenvertrieb (Ismail). Nebenbei legten die beiden auf, spielten jedoch nie in einer Band im klassischen Sinne. Gelangweilt von dem, was sich Woche für Woche bei ihnen stapelte, fingen sie schließlich an, das was sie "kickte" selber zu machen. So entstanden erste Edits und kurz darauf komplett eigene Stücke, die schließlich in den Händen des französischen Labels Kitsuné landeten. Eine eigene Identität der Formation Jens "Jence" Moelle und Ismail "Isi" Tuefekci hatte sich im Laufe zahlreicher Remixes (u.a. für Depeche Mode, Futureheads, Klaxons), 12"-Singles und der Masse an Live-Auftritten herausgebildet. Diese beruhe zum großen Teil auf dem permanenten Drang sich Menschen mitzuteilen: "Wir müssen Stimmungen einfach ausdrücken und ein Stück weit loswerden", so Jens Moelle, Sänger von Digitalism aus Hamburg.

Die Idee zu einem Album existierte seit geraumer Zeit. Nur fehlte bis letzten Oktober stets die nötige Konzentration und Hartnäckigkeit. Dann war es endlich soweit und die beiden begaben sich ins Studio, besser gesagt in ihren Bunker, um den Punkt "einmal im Leben ein hoffentlich bleibendes Album zu kreieren" von ihrer persönlichen To-do-Liste streichen zu können. Der Hauptteil der Zeit und die meiste Anstrengung wurden dabei nicht auf den musikalischen Bereich verwendet. Vielmehr gestalteten sich für die beiden die Entscheidungen am schwierigsten, welche Stücke auf dem Album enthalten sein sollen und welche nicht, um einer schlichten Compilation vorzubeugen. Das Ergebnis unter dem Titel "Idealism" folgt der simplen Rechnung "15 x 1 = 16".

"Idealism" zeichnet sich durch seinen roten Faden und eigenen Gesamtcharakter aus und ist weit mehr als eine bloße Aneinanderreihung von alten und neuen Singles. Auf Nachfrage gibt Jens trotzdem zu, dass "Pogo" und "Moonlight" die wichtigsten Songs auf dem Album für ihn seien. Nicht weil es sich bei "Pogo" um die erste Single handle, sondern weil es beide sehr persönliche Lieder seien. "No tomorrow, keep it now" – "Freude und Höhepunkte im Leben sollten um jeden Preis ausgekostet werden", so der hagere Digitalist.

Höhepunkte auf der aktuellen Tour gibt es auch in diesem Jahr wieder reichlich. Besondere Vorfreude herrscht vor allem bei den Sets mit den Chemical Brothers in Lissabon und mit Daft Punk in Istanbul. Eine große Rolle in ihrer diesjährigen Tourplanung spielt einmal mehr auch das Melt!-Festival im Braunkohlegebiet bei Dessau. Lieblingsclub von Digitalism ist und bleibt das legendäre Fabric in London. Zum Weggehen in Hamburg empfiehlt er nicht nur Touris neben einem ausgiebigen Hafen-Sightseeing das Übel und Gefährlich im Bunker an der Feldstraße.

Jetzt aber zu der Sache mit dem Hotelzimmer. Ob sie das ständige Unterwegssein und der prall gefüllte Terminkalender nicht bereits nerven, entgegnet Jens ganz Kosmopolit: "Wir sind ein globalisierter Act, finden weltweit statt, und müssen daher alles auch irgendwie abdecken." Hinzu kommt folgendes, unschlagbares Argument: "Mein zu Hause, meine kleine Wohnung in Hamburg, ist wie ein Hotelzimmer, das aber leider nicht von alleine aufgeräumt wird." Zudem hätten sie gelernt sich dort wohl zu fühlen, wo sie sich gerade aufhielten. Auch wenn es daheim in Hamburg natürlich zweifelsohne immer wieder schön sei.

Dass in Zukunft noch einige Reisen und Hotelübernachtungen auf die beiden Hanseaten zukommen werden, garantiert die Qualität von "Idealism". Die Scheibe ist – wie angekündigt – sehr stimmig und kickt nicht nur die beiden selbst, sondern jeden Hörer von qualitativer, moderner Electro-Abgehmusik. Richtig einordnen kann man die Musik von Digitalism dabei nur schwer. Eine Mischung aus einer britischen Garageband mit Vitalic oder einem Mr. Oizo ohne synthetische Drogen. Vor allem also viel eingängiger als die Ed Banger- oder meisten Kitsuné-Künstler. Deutsche Simplizität vs. französische Verspieltheit (letztere mitunter allzu anstrengend). Genug der Stilisierungen. Was zählt ist auffem Tonträger, und hier sind unter vielen folgende Perlen ans Herz zu legen: "Zdarlight", "Pogo", "Anything New" und definitiv auch die beiden letzten Tracks "Jupiter Room" und "Echoes".  Ohrwurmcharakter en masse. Music 'Made in Germany' mit dem Prädikat "sehr empfehlenswert".

Getreu dem Motto "think global - buy local".        

27.06.2007 Stecki