Konzertbericht

ES GEHT AUCH OHNE MYSPACE

THE EDITORS
12.06.2007, Berlin, Postbahnhof

Eigentlich ganz schön zu wissen, dass es Bands heutzutage auch ohne myspace-Hype und NME-Alarm schaffen könne, mit ihrer Musik Erfolge zu feiern. Als die Editors mit „The Back Room“ 2005 ihr Debüt-Album veröffentlichten, wurde es zwar wohlwollend, aber dennoch nicht hysterisch aufgenommen. Vielleicht war es der düster-melancholische New Wave-Sound, vielleicht waren es die ernsten Texte – die Editors boten jedenfalls nicht diese Projektionsfläche, wie es zu diesem Zeitpunkt Bands wie die Arctic Monkeys oder Maximo Park taten. Und so wie „The Back Room“ beim Hören stetig wuchs, verhielt es sich mit der Fanbasis der Editors: mit zunehmender Zeit etablierte sich eine treue Anhängerschaft, die auch an diesem Abend in Berlin den Postbahnhof komplett füllte.

Wie zu erwarten, hatte die Band knapp zwei Wochen vor Veröffentlichung von „An End Has Start“ jede Menge neuer Songs dabei. Gleich der Opener „Bones“ setzte ein energetisches Ausrufezeichen und kam doch wie ein alter Bekannter daher. Denn auch das neue Material vereint die besten Seiten der Editors: die New Wave-Gitarren, die im Postbahnhof kristallklar gespielt wurden, die hypnotische Stimme von Sänger Tom Smith und die Variabilität zwischen Ballade und energiegeladener Indie-Tanznummer. Davon mangelt es auch auf „An End Has A Start“ nicht, wie beispielsweise der gleichnamige Albumtrack deutlich vor Ohren führt. Auch „Smokers Outside The Hospital Doors“, das zusammen mit „Munich“ den Gig als Zugabe abrundet, ist sicher eine der stärksten Singles, die zur Zeit zu haben ist.

Wären die Reaktionen des Publikums aufs neue Material ein Gradmesser für die Erfolgsaussichten, so kann man dem Album eine Menge zutrauen. Zurecht, denn die Editors haben recht eindringlich gezeigt, dass der Mythos hinsichtlich des schwierigen zweiten Albums scheinbar nicht für alle Bands zu gelten hat.

BERICHT: Henning

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