Tonträger

Tracklist

1. Bigger City
2. Animal Jungle 
3. Franky 
4. Take Me 
5. Money Can't Pray
6. Rudie Rob
7. Judge Vulture 
8. Gentlemen Rankers
9. These Shoes
10. T.T. Phone Home
11. Nobody Knows 
12. We Won't Forget 
13. El Toreador 

SMOOTH LEE

Take Me

VÖ: 27.04.2007
Label: Übersee Records
Web: http://www.smoothlee.be/

Durchaus schlüpfriges Potential besitzt das neue Album der belgischen Ska-Punker von Smooth Lee. „Take Me“, nimm mich – eine klare Aufforderung zum Zugreifen oder, gesetzt dem Fall, man lässt seinen triebgesteuerten Gedanken freien Lauf, zum Ausflug in die Horizontale. Wie es dort zur Sache gehen soll, präzisiert die beigefügte Albuminfo mit den Worten „Für alle, die es ein wenig härter mögen…“. Na, das kann ja was werden.

Heutzutage Skapunk zu praktizieren ist gefährlich, könnte man es rückblickend doch als das „Lost Penis“-Syndrom der Musikwelt bezeichnen. Man ackert viel und spürt nichts beziehungsweise man tut sich eine Menge dieser Musik an, aber ein akustischer Orgasmus lässt vergebens auf sich warten. Lediglich absolute Spitzenqualität setzt sich durch, der durchschnittliche Rest hat eher früher als später über die Klinge zu springen. Dank „Take Me“ führt der Weg von Smooth Lee an dieser vorbei, denn die acht Belgier schaffen es, ein durchaus interessantes Album abzuliefern.

Ein neues Genre wird mit den zwölf Songs plus Hidden Track nicht ins Leben gerufen. Ska trifft auf Punkrock, Offbeat macht mit Uptempo Bekanntschaft, und gute Laune gesellt sich zu einer wohl dosierten Prise Aggressivität. Klassisch eben. Dabei kann man als Band vieles verkehrt machen, beispielsweise bereits tausendfach gehörte, genretypische Melodien halbherzig zusammenschustern und stets dem Ska-in-der-Strophe-Punk-im-Refrain-Prinzip nacheifern. In der Tat ertappt man Smooth Lee in Songs wie „Bigger City“, „Nobody Knows“ und „We Won’t Forget“ bei der Umsetzung eben dieses Strickmusters. Doch bevor nun die Daumen radikal nach unten gehen, sei erwähnt, dass die Belgier die ganze Sache wesentlich ruppiger angehen als viele aufgebrezelte Kollegen. Besonders markant ist der raue Gesang, der die Mighty Mighty Bosstones ins Gedächtnis ruft. Dazu konnte sich der Punkrock – zeitweise von wohldosierten Bläsereinsätzen unterstützt – einen amtlichen Anteil der knapp 40 vorliegenden Minuten ergattern. Da ist es nur nachvollziehbar, dass das Tempo mittendrin auch einmal ein wenig angezogen wird („Animal Jungle“, „Gentleman Rankers“), um dem Publikum die Tanzwut aus den Rippen zu leiern. Damit nicht zwischendurch Seitenstiche aufkommen, schalten Smooth Lee bei den instrumentalen „Take Me“ und „T.T. Phone Home“ einige Gänge zurück und bewegen ich auf relaxten Mad Caddies-Pfaden.

Anstößig formuliert ist dieses Album kein multipler Orgasmus, denn dazu fehlen die Hits, die jeden privaten Gute-Laune-Sampler bereichern und auch in zehn Jahren noch auf Konzerten der Band gefordert werden. Trotzdem macht man nichts falsch, wenn man dem Albumtitel Folge leistet. Verhütung in Form von Ohrenstöpseln können in diesem Fall im Nachtschrank bleiben.

13.05.2007 Jack