Konzertbericht

PROMOTION DOWN UNDER

DJ SHADOW
24.02.2004, Sydney, Space

Zur Promotion der aktuellen LP Never, Never Land nahm James Lavelle, Kopf des Mo’wax-Labels und Mastermind des UNKLE-Projekts, bereits zum zweiten Mal innerhalb kurzer Zeit die Reisestrapazen zum fünften Kontinent auf sich. Sein letztes Gastspiel „down under“ Ende 2002 beim Livid Festival scheint einen bleibenden Eindruck hinterlassen zu haben. So betitelte er den Nachfolger vom 1998er Debütalbum Psyence Fiction nach dem Niemandsland im Australischen Outback. Treffend hierzu Johannes H. Voigt in Australien (Beck, 2000), Kapitel „Schutzbedürftige Natur“:

„Das Bild des heldenhaften Pioniers und „Buschmannes“ bedurfte einer abschreckenden Darstellung der natürlichen Umwelt, eines unheimlichen und grotesken „Never-never“, dem man nur mit größtem, oft ebenso unbarmherzigem Einsatz begegnen müsse.“

An diesem Samstagabend galt es gewiss nicht, das öde Innere des trockensten Kontinents zu bezwingen. Zielvorgabe war vielmehr, mit „unbarmherzigem Einsatz” knapp 400 Gästen im wohltemperierten, luxuriösen SPACE im Zentrum Sydneys einzuheizen. Dazu Richard File im Interview mit dem Stadtmagazin ThreeDWorld (issue 693): „We ultimately just want it to be bangin’ and a good party vibe.“

Nach der Veröffentlichung von Psyence Fiction, warauf er bereits mit Vocals vertreten ist, nahm Richard File den Platz des Kaliforniers Josh Davis aka DJ Shadow ein, der seine Solokarriere forcierte, um mit Private Press, den Nachfolger zu Endtroducing (1996) zu präsentieren. File (Brighton) und Lavelle (London) kennen und schätzen sich bereits seit 1994 und schaffen bewiesenermaßen bis heute den Spagat zwischen Freundschaft und Business. Dies wurde jedem Anwesenden trotz oder gerade wegen der saftigen Eintrittspreise klar. A$40 (VVK) und A$50 (AK) wurden durch exzellente Local-DJs (siehe Set Times), unglaublichen Sound und eine durch Light Surgeon perfekt inszenierte Visual Show gerechtfertigt. Im Vorfeld des eigentlichen Mainacts überzeugten insbesondere die Electronics von Ajax und Elroy, die im Stile von Mulinex alles von Kraftwerk über Junior Senior, International Pony’s Leaving Home bis hin zu Get Yourself High von den Chemical Brothers durch den Mixer jagten. Um Punkt 02:00Uhr war dann auch dem letzten eingeheizt und die wahre Show konnte (endlich) beginnen. In einem wahren Soundgewitter, in dem man besser nicht vor den Drei-Meter-Boxen links und rechts der Bühne stand, wurden Remixes von Metallica’s Frantic und Queens of the Stone Age’s No One Knows zum besten gegeben. Nach diesem reinigendem Gewitter waren Pseudodancer verschwunden und es folgte zur Belohnung die aktuelle Single Eye For an Eye. Dieser Song sollte neben Gdmfsob von der DJ-Shadow-Single Mashin’ On the Highway/Walkie Talkie der einzige bleiben, der in seiner Orginalversion zu hören sein sollte. Lavelle und File, die parallel an den MKIIs und Effekten agierten, präsentierten vielmehr exklusive Versionen und Remixes von eigenen Tracks sowie weiteren Künstlern aller Genres. So bestand unter anderem die Zugabe aus einer „clubtastic“ (R. File) Version von Coldpay’s Clocks und U2’s Where the Streets Have No Name.

Zu diesem Zeitpunkt lagen jedoch bereits zwei Stunden geballter Dancemusic hinter einem, die so weit von Chillout und D-Trance entfernt war wie Sydney vom Vogelpark Walsrode. Wer zuvor schon Dauergast auf der Tanzfläche der Warmup-DJs unterwegs war, dem taten nach diesem Tanzmarathon zweifellos nur noch die Füße weh. Respekt hierbei nochmals an alle weiblichen Gäste mit ihren hochhackigen Stöckelschühchen – à la bonne heure! Die meisten Leute waren nach dem gefeierten Abgang des UNKLE-Duos nur noch froh, in einen der Fahrstühle steigen zu können, um sich per Nachtbus zum wohlverdienten Kingsize chauffieren zu lassen.

BERICHT: Stecki

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