Konzertbericht

BRITISH MUSIC WEEK PART 3

BRETT ANDERSON
27.04.2007, Berlin, Postbahnhof

Grässlich. Einfach grässlich: lachsfarbene Blazer, toupierte Haare, schlecht sitzende Sakkos in Aubergine- oder Senftönen, Slipper mit Bommeln, süßes Parfum. Selten war ein Publikum so hässlich. Es strömt in ganzen Busladungen zum Veranstaltungsort, dem extra errichteten Riesenzelt in 500 m Entfernung vom Postbahnhof. Es ist der zweite Abend, an dem Frank Farians „Boney M.“-Musical in der Hauptstadt gastiert. Und man selber freut sich, dass man es an diesem Abend mit einem deutlich attraktiveren Publikum zu tun bekommt. Zumal der Interpret nach wie vor ein außergewöhnlich stilsicherer Künstler ist: Brett Anderson.

Im nur ordentlich besuchten Postbahnhof dominiert in der Tat die klassische Stil-Farbe schwarz, dazwischen versammeln sich einige dandyhafte Anderson-Lookalikes und viele Suede-T-Shirts. Und schon gelangt man zur Frage, die sich an diesen Abend unweigerlich stellt: Wird er alte Suede-Songs zum besten geben?

Aber just in diesem Moment betritt er auch schon die Bühne und löst damit wahre Begeisterungsstürme im Publikum aus. Noch immer ist Anderson der gut gekleidete, smarte und androgyne Schlacks, der ganz wie zu Suede-Zeiten mit seiner Ausstrahlung und Bühnenpräsenz das Publikum in seinen Bann zieht. Und er lässt es anfangs ruhig angehen, präsentiert viel von seinem aktuellen Songwriter-Soloalbum, das von einem melancholisch-bedächtig Sound beherrscht wird. Aber nach ca. einer halben Stunde beantwortet er schließlich mit „By The Sea“ die üner allem schwebende Frage nach alten Songs – und hebt die Begeisterung in der Halle auf ein neues Level. Anderson selbst muss angesichts dieser Sympathiebekundung kopfschüttelnd schmunzeln. Das Beste aber: er lässt sich davon anstecken und macht den Rest des Gigs zu einem euphorischen Miteinander.

Die Zugabe wird zum Zugeständnis – an die Wünsche der Fans: „The Big Time“ und „The Wild Ones“ noch allein und reduziert mit der Akustikgitarre, dann „I Can’t Get Enough“ und „Trash“ aber noch einmal mit richtig viel Schwung. Den perfekten Abschluss eines großartigen Konzerts singt Anderson zusammen mit dem Publikum: Here they come, the beautiful ones! Jawohl. Alle anderen sitzen 500 m weiter in einem großen Zelt.

BERICHT: Henning

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