Tonträger

Tracklist

1. Revolution
2. So wie du
3. Neustart
4. Vorbei
5. Niemand hört dich
6. Warum?
7. Wie es ist
8. Alles endet hier
9. Echo
10. Himmel hilf
11. Geht ab
12. Ein neuer Tag

NEVADA TAN

Niemand Hört Dich

VÖ: 20.04.2007
Label: Vertigo
Web: http://www.nevada-tan.de/

Liebe Leser, heute gibt es einen Bericht über den Bahnhof der abgefahrenen Züge. Als Gäste haben sich Nevada Tan, eine Band aus Hamburg angekündigt, um uns ein bisschen von verpassten Trends, blinden Plattenfirmen und sonstigen Ungerechtigkeiten zu erzählen.

Kinder, lass doch mal hören, was euch so besonders in der deutschen Musiklandschaft macht. „Wir setzen uns keine Grenzen und verbiegen uns nicht. Wozu auch? Alles, was wir tun, entspricht 100%ig uns – dass die Leute es geil finden, ist ein Beweis dafür, dass es sich gelohnt hat, an unsere Ideen zu glauben und keine Kompromisse einzugehen.“ Respekt. Noch nie gehörte Worte aus dem Mund eines Halbstarken. Sicherlich verfügen Plattenfirmen wie Universal Music über eine Anleitung „Coole Antworten für die Presse“, damit Bands, zu denen auch Tokio Hotel oder Debbie Rockt! zählen, jederzeit ein paar authentische Aussagen parat haben, um sich für ihre minderwertige Musik zu rechtfertigen.

Wer lässt sich im Alter von 18 Jahren schon von einer der mächtigsten Plattenfirmen oder rhetorisch geschulten A&Rs in die Knie zwingen? Natürlich keiner der kessen Jungs von neben an. Denn sie sehen nicht nur gut aus, sondern sind auch noch unglaublich taff.

Die nachlassende Euphorie in Sachen Tokio Hotel, in Form von halb gefüllten Hallen und abnehmender Medienpräsenz, ist nur ein Zeichen für das nahende Ende deutschsprachiger Bands in diesem gewaltigen Umfang. Selten bzw. eigentlich so gut wie nie haben die Plattenfirmen rechtzeitig auf die Bremse getreten bevor ein Trend völlig ausgezehrt war. Daher werden, trotz Überschreitung des Zenits, weiterhin deutschsprachige Bands gesignt, was eindeutig zu Lasten der Qualität geht. Nevada Tan können hier als gutes Beispiel herhalten. „Revolution“ zeigt, dass die Band nicht im Geringsten weiß, wo es musikalisch langgehen soll. Anfänglich klingt es nach Such A Surge, dann ein Gebimmel im Stil von Tears For Fears „Shout“, das dann mit grauenvollen Effekten unterlegt, die selbst Sido zu billig wären. Die Gitarristen haben sich ein paar Tabs von Linkin Park aus dem Netz gezogen, die dann unglaublich geschmackvoll mit Pianoklängen á la Within Temptation vermengt wurden. Wer sich erst den tiefsinnigen Texten hingibt, wird im Nachhinein kaum glauben können, dass alle Bandmitglieder bereits volljährig sind.

„Ich wusste von Anfang an, dass wir zusammen etwas schaffen können, was es bisher so in dieser Form noch nicht gegeben hat.“ Da muss man den Jungs leider zustimmen. So schlecht hat bisher kaum eine Band diverse Musikstile zusammengeworfen, um das Ganze im Anschluss mit Bravo-Texten zu verzieren. Auch hat bisher noch keine Band so viele Trends auf einmal verschlafen.

In diesem Sinne: „Niemand hört euch“.

25.04.2007 Tim