Tonträger

Tracklist

1. Intro
2. Die without...
3. No more silence
4. Nightmare Inc.
5. From my cold dead hands
6. The swan
7. A good day to die
8. Memory hall
9. To the bones 
10. You rip our guts out
11. On Freedom Square

A TRAITOR LIKE JUDAS

Nightmare Inc

VÖ: 16.05.2006
Label: Good Life Records
Web: http://www.atraitorlikejudas.de.tt/

Quasi direkt aus der Mottenkiste heraus kommt “Nightmare Inc.“, inszeniert von einer jungen Braunschweiger Formation namens A Traitor Like Judas. Sowohl Albumtitel als auch Bandname sprechen bereits Bände, was das Stilistische betrifft, denn die Begriffe „Albtraum“, „Verräter“ und „Judas“ sprechen nicht unbedingt für Friede, Freude und Eierkuchen, sondern eher für eine gehörige Portion Wut im Bauch. Und genau diese bringen die Niedersachsen im Laufe der elf Songs in aller Deutlichkeit zum Ausdruck.

Metalcore steht hier einmal mehr zur Debatte, und einigen mögen jetzt bereits die Hilfeschreie auf der Zunge liegen. Schon wieder ein Versuch, dieses schon längst bis zur Knochentrockenheit ausgelutschte Gerne noch weiter zu melken? Aber Moment – und somit wird der Bezug zum einleitenden Satz hergestellt – dieses Album stammt aus dem Jahre 2005, als die Welt zumindest für den Metalcore noch in Ordnung war. Also Panik beiseite.

A Traitor Like Judas beweisen in 38 Minuten, dass man bereits vor zwei Jahren die Spielregeln des Genres kannte. Das Grobziel lautet, ein möglichst schweres Geschütz aufzufahren. Geht man ein wenig tiefer ins Detail, so benötigt man dafür selbstverständlich eine satte Produktion, die die tonnenschweren Riffs und die Doublebass-Attacken passend in Szene setzen. Natürlich wäre es vermessen zu denken, dass ausgiebiges Gebolze zum erwünschten Erfolg führen würde. Aus diesem Grund lassen sich A Traitor Like Judas dann und wann auf melodiöse Ansätze ein („No More Silence“) – gemäß der Ansicht, dass zu einer vernünftigen Handwerksarbeit nicht nur der Vorschlaghammer von Nutzen ist. Dieser verrichtet dennoch auf „Nightmare Inc.“ den Großteil der Arbeit in Form von kräftigen Riff-Bolzen („A Good Way To Die“, „Nightmare Inc.“), rasanten Hardcore-Passagen („On Freedom Square“) oder düsterer Todesmetall-Ausflüge („Die Without…“).

So weit so gut, denn Freunde brutaler Klänge werden an diesem Longplayer sicher ihr Vergnügen haben. Doch relativ frühzeitig stellt sich die Frage, wer in Gottes Namen bloß das versteht, was Frontmann Björn Decker seinen Stimmbändern entrinnen lässt. Er keift, er grindet – und hinterlässt jede Menge Fragezeichen. Haben die Jungs tatsächlich Songtexte oder werden lediglich mit urgewaltiger Innbrunst irgendwelche Verkettungen von Vokalen und Konsonanten herausgebrüllt? Verständlich, dass so etwas auf Dauer ebenso innbrünstig an den Nerven zehrt. Hier besteht dringend Verbesserungsbedarf, ansonsten gestaltet sich dieser Albtraum durchaus erlebenswert.

06.04.2007 Jack