Tonträger

Tracklist

1. The only night
2. Sky to fall
3. Butterfly
4. Old enough
5. Turn off
6. Don't let go
7. Black diamonds
8. Hold me now
9. Hear a song
10. It's not over
11. You bring light
12. Lost on the river

IAN LOVE

Ian Love

VÖ: 26.01.2007
Label: Arctic Rodeo Recordings
Web: http://www.ianlove.com/

Hinter einer harten Schale verbirgt sich ein weicher Kern, oder: Wie aus einem Hardcore-Urgestein ein Schmuse-Popper wird… Ein vortreffliches Dokument über diesen Sinneswandel liefert das Soloalbum von Ian Love. Gut, von einem Urgestein zu sprechen, wäre in seinem Falle ein wenig übertrieben, schließlich hat der gute Mann erst 30 Lenze auf dem Buckel, dennoch durfte Love unter anderem in Bands wie Burn, Die 116 und nicht zuletzt in Walter Schreifels’ Rival Schools Druck erzeugen und sich nebenbei tüchtig mit allerlei illegalen Substanzen zudröhnen.

Mit dem erfolgreichen Entzug konnte der Musiker ein neues Kapitel seines Lebens aufschlagen, mit diesem selbstbetitelten Werk schreibt er jetzt eine neue Episode seines musikalischen Schaffens. Und in der Tat ist ziemlich wenig beim Alten geblieben, denn statt eines kraftvollen Rhythmus und verzerrter Gitarren stehen nun akustische Klänge der äußerst bodenständigen Machart zur Debatte. Soll heißen, dass Ian Love ein nahezu klassisches Singer/Songwriter-Album auf die Beine gestellt hat, auf dem sich fast ausschließlich die Arbeit des Rival Schools-Gitarristen befindet. Mit Ausnahme einiger Beiträge von Freunden hat Love alles vom Gesang über die Gitarre bis hin zur Mundharmonika in Eigenregie eingespielt.

Herausgekommen sind zwölf Songs, die Freunden der Singer/Songwriter-Schiene sehr gut bekommen werden. Unbeschwerte Akustik-Klänge mit gelegentlich experimentellen Ansätzen verteilen sich auf 43 Minuten, in denen – und ich befleißige mich ganz bewusst dieses klischeehaften Begriffes – der Schmusefaktor ausgesprochen hoch gehalten wird. Die Gitarre wird vorsichtig gestreichelt, und zu dem warmen Gesang gesellt sich eine dezente Zusatz-Instrumentierung, bestehend aus Percussion, Piano, Mellotron und Mundharmonika. Während Songs wie „Old Enough“ und „Turn Off“ hörbare elektronische Elemente aufweisen, wirken chillige Nummern wie „Sky To fall“ und „Hold Me Now“ nicht nur extrem relaxed, sondern auf eine gewisse Weise auch zerbrechlich.

Das Ergebnis der Reise auf Solo-Pfaden ähnelt dem der letzten beiden Alben von Millencolin-Frontmann Nikola Sarcevic nicht wenig. Einfach einmal den Schalter auf ‚unplugged’ gestellt und aus Bauch und natürlich Herz heraus musiziert – melancholisch, herzergreifend, schlichtweg entspannt.

02.03.2007 Jack