Interview

AUCH OHNE TOM GEHT´S WEITER

+44
31.01.2007, Hamburg, Docks

Nach ihrem Showcase im vergangenen Jahr kommen +44 wieder nach Deutschland. Diesmal haben sie ihr erstes Album im Gepäck und einen Ersatzdrummer, der den guten Travis ersetzt, da dieser sich einer Operation in den Staaten unterziehen muss. Die Vergleiche mit Blink 182 und die Probleme mit dem ehemaligen Kollegen Tom DeLong boten genug Gesprächsstoff für ein kleines Interview mit Sänger Mark Hoppus und Gitarrist Craig Fairbaugh. Mit an Bord war Uwe von der deutschen +44-Fanpage.

Unglücklicherweise machte der bereits verletzte Arm von Travis erneut Probleme, so dass er auf dieser Tour kurzerhand ersetzt werden musste. Habt Ihr schon Informationen, wann er wieder voll einsatzbereit sein wird?
Mark: Leider nein, er ist zurzeit in Los Angeles und lässt sich dort genau untersuchen, um zu sehen wie es weitergeht. Bis jetzt gibt es noch keine genaue Diagnose.

Einige Quellen sagen, dass euer Bandname die internationale Vorwahl von England darstellt, entstanden durch eine Reise in dieses Land. Wäre es möglich gewesen, dass Ihr euch +49 genannt hättet, wenn Ihr zum Zeitpunkt der Namensfindungen in Deutschland gewesen wäret?
Mark: Das ist möglich, aber es war jetzt nicht speziell auf England oder London bezogen. Es ging eher um den internationalen Klang des Bandnamen und du kannst damit ausdrücken wie die Band klingen soll und das anhand des Namens.

Als Ihr +44 gegründet habt, war noch Carol Heller dabei. Nach ihrem Ausstieg wurde sie durch Shane und Craig ersetzt. Was waren die Gründe für ihren Ausstieg? Und haben die beiden neuen Bandmitglieder die Art der Musik maßgeblich beeinflusst?
Mark: Yeah! Klar, haben sie unseren Style beeinflusst. Carol wollte mit ihrem Ehemann eine Familie gründen und als Travis und ich uns eine Studio gekauft hatten, brachten wir alles, was notwendig war dort hin. Das Album bekam einen rockigeren Sound und ich begann einen größeren Part des Gesangs zu übernehmen.
Wir stehen immer noch in Kontakt mir ihr. Sie ist einfach eine großartige Freundin und ich liebe die Tatsache, dass ihre Stimme auf dem Album vertreten ist.

Wir es in der Zukunft eventuell eine Show geben, in der Carol den Song „Make You Smile“ performen wird?
Mark: Ein schöner Gedanke. Es würde sicherlich ein großer Spaß werden. Ich bin mir nicht sicher, ob das jemals passieren wird, aber es wäre aber großartig.

Wie arbeitet eine Band wie +44, die bereits vor ihrem Debütalbum sehr berühmt war, zusammen. Sind es vier Freunde, die sich regelmäßig zu ein paar Sessions zusammenfinden oder seid ihr eher Individualisten, die jeder für sich ein paar Ideen entwickeln und erst zum Schluss alle Stücke kurz vor der Aufnahme im Studio zu einem Song bzw. Album zusammenfügen?
Mark: Wir sind definitiv vier Freunde, die zusammen Musik machen, weil wir schon vorher Freund waren und uns bereits länger kennen. Außerdem muss man mit den Leuten, mit denen man zusammen Musik macht, befreundet sein. Ebenfalls glaube ich, dass die Fans es merken, ob die Band aus Freunden besteht und eine kreative Einheit bildet, die zusammen Songs schreibt. Andererseits glaube ich auch, dass die Leute ebenfalls den Unterschied zu einer reinen Arbeiterband mit Stechuhr sofort bemerken würden. Sie können es anhand der Musik einfach fühlen, ob es Freunde oder Arbeitskollegen sind.
Craig: Wir sind alle Individualisten, die absolut unterschiedliche Musik hören und daher auch unterschiedlich beeinflusst werden, was definitiv ein Grund für unsere gute Zusammenarbeit ist.

+44 besteht zu zwei Drittel aus der alten Blink 182-Formation. Warum sollte die Musik dann nicht genau wie Blink 182 klingen? Gab es schon immer die Vorstellung etwas musikalisch etwas komplett anderes zu machen?
Mark: Ich glaube es steckt etwas von beidem in +44. Es ist einfach eine Weiterentwicklung von dem, was Travis und ich bei Blink 182 gemacht haben und wir lieben es, da wir stolz auf unsere Vergangenheit mit Blink 182 sind. Wir haben diese Band einfach geliebt. Wir wollten niemals, dass die Band sich auflöst, aber wir waren in einer sehr hässlichen Situation und wir machten beide weiter. Die Songs auf dem Album klingen nicht wie Blink 182, da die Zusammenarbeit mit Craig und Shane viele neue Ideen in die Band bringt. Trotzdem liebe ich beide Bands.

Blink 182 waren ohne Zweifel ein große Band. Wie geht jetzt +44 mit diesem Ruhm um? Würdet Ihr sagen, dass es ein Menge Vorteile hat oder finden sich auch ein paar Nachteile dieses Ruhmes?
Mark: Es ist ein gigantischer Nachteil aus der Formation von Blink 182 zu stammen, weil +44 eine brandneue Band ist. Die ganze Aufmerksamkeit richtet sich auf uns und auf das Album, was wir abliefern. Man wird halt ständig mit der Vergangenheit konfrontiert.

Ich habe gelesen, dass Ihr einen Descendents-Song gecovert habt, der auf einer Compilation erschienen ist. Könnt Ihr uns ein paar Einzelheiten verraten?
Craig: Ja, das für den größten Radiosender „KROQ“ in Los Angeles. Jedes Jahr veranstalten die etwas das sie „Almost acoustic Christmas“ nennen, was eigentlich ein großes Konzert ist. Um dieses Konzert zu promoten, brachten sie eine CD auf den Markt, auf der Bands Weihnachtslieder covern. Viele Bands suchten sich wirklich alte Songs wie „Jingle Bells“ aus. Wir dagegen wollten etwas anderes machen. Daher suchten wir uns einen Song der Descendents heraus, da jeder von uns mit deren Songs aufgewachsen ist. Es ist einfach eine der besten Bands und es machte einen Riesenspaß den Song zu covern.

Mark, Du arbeitest an deinem Podcast, Craig ist Mitglied von The Merciy Killers und gleichzeitig im Burrito Project engagiert. Ist Shane immer noch ein Mitglied von The Nervous Return?
Mark: Nein, die Band hat sich aufgelöst.

Welchen Song werde Ihr als nächste Single auf den Markt bringen?
Mark: In den USA wird es wohl „Baby, Come On“ sein. In Deutschland dagegen könnte es wohl „155“ werden, aber das weiß ich derzeit noch nicht genau. Ich habe noch nichts Offizielles gehört, ob es in Deutschland eine andere Single geben wird.

Ist es nicht eure Entscheidung, welcher Song als nächstes ausgekoppelt wird?
Mark: Klar, es ist unsere Entscheidung. Wir entscheiden es immer mit dem Label und wir haben gesagt, dass wir uns gut vorstellen können, dass es „155“ oder „Baby Come On“ wird.

Was kann man von der Show mit anderer Besetzung heute Abend erwarten?
Mark: Es ist eine Liveshow. Ich habe keine Ahnung, was Ihr erwarten könnt. Live spielen bedeutet immer arbeiten ohne Netz und doppelten Boden. Wir gehen immer raus und versuchen viel Spaß zu haben, aber jede Show ist einfach anders.

Wie kam der Kontakt zu Gil Sharone zustande?
Mark: Travis kannte Gil bereits. Ich traf ihn einige Male bei den +44-Shows, aber Travis kennt ihn schon lange und sehr gut aus der Drummer-Szene. Er ist ein angesehener Drummer, der mit Fishbone und English Beat spielt und seine eigene Band hat. Ein sensationeller Drummer.

Plant Ihr jetzt schon die nächste Tour durch Europa? Gibt es bereits Pläne für ein zweites Album?
Mark: Wir planen gerade unsere Festivals für den Sommer, wo sicherlich auch ein paar Festivals in Europa spielen werden. Es gibt eine paar Anfragen, aber dazu dürfen wir noch nichts sagen.
Wenn dann alle Konzerte gespielt sind, dann werden wir wieder ins Studio gehen, um die Platte aufzunehmen.

Wird es jemals die Möglichkeit geben, +44 und Angels & Airwaves zusammen auf einer Tour zu sehen?
Mark: Ich würde zu so etwas nicht Nein sagen. Wir werden sehen. Im Sommer spielen wir einige Festivals, so dass wir uns sicherlich über den Weg laufen werden. Dass wir aber jemals eine Tour zusammenspielen, halte ich für unwahrscheinlich. Allerdings hätte ich damit keinerlei Probleme.

Es wäre für euch kein Grund ein Festival abzusagen, weil Angels & Airwaves ebenfalls dort vertreten sind?
Mark: Nein, niemals.

Es wäre also kein Problem für euch?
Mark: Nein, wir haben absolute keine Probleme mit anderen Bands. Ich fühle mich nicht in einem Wettbewerb mit anderen Band und habe mich noch niemals schlecht gefühlt mit irgendeiner Band auf dieser Welt zusammen zu spielen. Wir sind einfach unsere eigene Band und ich habe mit der Musik angefangen, gerade weil ich keine Lust auf diesen ständigen Wettbewerb und Vergleich mit anderen wollte. Ich mache keinen Sport und mir fehlt auch dieser Wettbewerbsgedanke.
Gerade weil mir dieser ständige Kampf mit den anderen nicht lag, habe ich eine Band gegründet. Auch Skateboarding liebe ich, weil es darum geht Spaß zu haben anstatt sich ständig mit anderen Leuten vergleichen zu müssen.
Sich selbst zu verwirklichen interessiert mich mehr als andere Dinge.

Mark, sammelst Du immer noch Key Cards von allen Hotels, in den Du warst?
Mark: Ja, das mache ich immer noch. Zu Hause habe ich eine Box, die nur mit diesen Key Cards gefüllt is.
Craig: Du sammelst Key Cards?
Mark: Ja, seit knapp 5 Jahren sammle ich jede Karte auf unserer Tour. Mittlerweile besitze ich unglaublich viele Zimmerschlüssel und Key Cards.

In Köln wurdet ihr von Mitgliedern einer anderen +44-Fanpage interviewt. Damals gaben sie euch eine CD mit +44 Coversongs von Odi. Habt Ihr sie euch schon einmal angehört?
Mark: Nein, die habe ich mir noch nicht angehört.

Danke für das Interview und viel Spaß bei der Show heute Abend.
Mark: Wir danken euch für das Interview und hoffen, dass Ihr heute Abend beim Konzert dabei seid.
Craig: Danke.

INTERVIEW: Tim, Uwe

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