Tonträger

Tracklist

1. Wig wamania
2. Rock my ride
3. Slave to your love
4. Gonna get you someday
5. Bygone zone
6. Dare devil heat
7. Kill my rock'n'roll
8. The riddle
9. At the end of the day
10. A R'n'R girl like you
11. Can't get her (out of my bed)
12. Breaking all the rules

 

Wig Wam

Wig Wamania

VÖ: 30.06.2006
Label:
Napalm Records
Web:
www.wigwam.com

Asche auf mein Haupt, dass ich mich erst jetzt der Geschicke dieser Band annehme, immerhin befindet sich dieses Stück Musik bereits rund ein halbes Jahr auf dem Markt. Unverständlich, denn die Norweger stellen eine Menge an, um Aufmerksamkeit zu erregen. Zwar gibt es unzählige dämliche Bandnamen, aber sich nach der der Behausung der amerikanischen Ureinwohner – und damit meine ich nicht das „Tipi“ – zu benennen, grenzt schon an ein Wagnis. Dieses wird noch akuter, wenn man einen Blick auf das Cover wirft, denn darauf stehen vier ganz ominöse Vögel in seltsamen Aufzügen mit Fellmütze, Zebraleggins, Lippenstift und Zepter. Da ist man doch schwer gespannt, welche musikalischen Ergüsse dabei herauskommen.

Wer auf die Sparte Hardrock beziehungsweise Glamrock setzt, liegt genau richtig. In Grunde ist diese Schlussfolgerung bei dem Look auch nur nachvollziehbar. Dementsprechend haben wir es wohl mit Leuten zu tun, die den bekloppten Granaten von The Darkness gehörig Konkurrenz machen möchten. Genau in diesem Stile geht es auf „Wig Wamania“ auch zur Sache: Sämtliche Klischees des klassischen Hardrocks vom schlichten Songwriting über den schrillen Gesang bis zum verspielten Solo kommen hier zum Tragen. Nach einem kurzen Intro gibt „Rock My Ride“ die Marschroute im wahrsten Sinne des Wortes vor. Bei Wig Wam treffen sich Bon Jovi, Alice Cooper und Europe zum Klönschnack – es darf im Stile der 80er Jahre gepflegt gerockt werden, ohne auch nur einen Schritt vom Kurs abzukommen. Und genau in dieser Tatsache liegt das große Minus dieser Scheibe. Während des Dutzend Songs wartet man vergebens auf irgendeinen Ansatz von Kreativität, im Gegenteil, spätestens bei „A R’n’R Girl Like You“ kommen einem die Gitarrenriffs so dermaßen bekannt vor, dass schon fast der Plagiatsvorwurf seine Gültigkeit erlangt.

In der Tat erscheint „Wig Wamania“ streng konzeptionell. Zwischen bodenständigen Rocksongs wie „Can’t Get Her (Out Of My Bed)“ oder „Kill My Rock’n’roll“ tummeln sich kuschelrockige Balladen („Slave To Your Love“, „Bygone Zone“, „At The End Of The Day“), so wie wir es nicht erst seit gestern kennen. Bei aller Ideenlosigkeit bleibt festzuhalten, dass Wig Wam dennoch eingängige Stücke produzieren, eben eingängig und massenkompatibel. Wem kann es da noch norwegisch beziehungsweise spanisch vorkommen, dass das Glam, Teeny, Flash und Sporty (lustig, nicht wahr) im Jahr 2005 in der Endrunde des Eurovision Song Contests für ihre Heimat ins Rennen gingen und schließlich – schöne Grüße an Gracia Baur am Ende der Rangliste – auf dem neunten Platz landeten. Ergo: Kann man, muss man aber nicht.

15.01.2007 Jack