Tonträger

Tracklist

RISE AGAINST

Generation Lost (DVD)

VÖ: 15.12.2006
Label:
Geffen Records
Web:
http://www.riseagainst.com

Aufgabe an die Band: Veröffentlicht etwas, das die Kassen zusätzlich möglichst laut klingeln lässt! Seit geraumer Zeit hat sich die alt eingesessene Best Of-Kompilation bewährt gemacht. Keine schlechte Alternative ist ebenfalls das Live-Album. Doch in den letzten Jahren hat sich die eigene DVD zur Königsdisziplin gemausert. Mit einem Erwerb können die Fans unmittelbar an Leben ihrer Idole teilnehmen, sie in den eigenen vier Wänden erleben – oder einfach nur gewaltig auf die Nase fallen. Denn oftmals gleicht eine DVD lediglich einem Best Of-Album im Bildformat, auf dem sich zwar sämtliche Videoclips der gesamten Karriere befinden, mehr durfte jedoch nicht in die Tüte kommen.

Glücklicher Weise würde eine solche Masche bei Rise Against gar nicht in die Tat umsetzbar sein. Schließlich stehen insgesamt nur fünf Videos („Heaven Knows“, „Give It All“, „Swing Life Away“, Ready To Fall“ und „Prayer Of The Refugee“) zur Verfügung. Mit Sicherheit gibt es Bands, die die Dreistigkeit besaßen, mit einem derart kleinen Fundus an Clips eine komplette DVD unter das Volk mischen wollten, und sicher gibt es auch Leute, die auf diese Form der Bauernfängerei hereingefallen sind. Bei Rise Against sieht die Sache trotz Major-Deal allerdings anders aus. Selbstverständlich gibt es auf „Generation Lost“ alle bisher produzierten Beiträge für das Musikfernsehen, zudem wird bei den Dreharbeiten zu „Swing Life Away“ und „Ready To Fall“ hinter die Kulissen geschaut. Zentraler Programmpunkt dieser DVD ist aber der Kurzfilm „How We Survive“, der das Leben des Quartetts abseits der Bühne dokumentiert. Und, wie schaffen es die Herren McIlrath, Chasse, Barnes und Principe zu überleben? Ganz einfach: dank Freundschaft, Fans und Familie. All’ diese Bereiche kommen im Rahmen der 45 Minuten ausgiebig zum Tragen. Sowohl die Bandmitglieder als auch deren Lebensgefährtinnen sind mit diversen Statements vertreten. Außerdem werden Rise Against vor laufender Kamera von prominenten Mitstreitern mit allerlei Lob überhäuft. Unter ihnen befinden sich Warped-Tour-Chef Kevin Lyman, Chris #2 (Anti-Flag) und Fat Mike (NOFX). Letzterer überschlägt sich fast beim Pinseln der Bäuche, bis Kollege Eric Melvin ihn darauf hinweist, dass die Rede von Rise Against und nicht von Against Me! sei, die der gute Fat Mike überschwänglich anpreise. Aber keine Angst, die findet der Fat Wreck-Boss auch gut…

Dass dem Vierer aus Chicago neben der Familie die Fans sehr am Herzen liegen, belegt die Tatsache, dass ihnen ebenfalls einige Momente in „How We Survive“ gebühren. Menschen von der Straße erzählen ihre Geschichte und berichten von ihrer Verbindung zu Rise Against – unter ihnen sogar ein konservativer Republikaner jenseits der 40 Jahre. Gegensätze ziehen sich halt an.

Besonders sehens- und hörenswert ist das Kapitel „Burn Hollywood Burn“, bestehend aus vier Beiträgen von fünf aufeinander folgenden Shows im legendären „Troubadour“ in Los Angeles. Hier gibt es mit „Injection“, „Like An Angel“, „Black Masks & Gasoline“ und „Paper Wings“ in ausgezeichneter Qualität eine Menge Spaß, der leider viel zu kurz ausgefallen ist. Fünf Konzerte am Stück und am selben Ort wurden festgehalten, und alles, was unter dem Strich dabei herausgekommen ist, sind magere vier Songs? Äußerst schade.

Wer sich „Generation Lost“ zulegt, ist keineswegs verloren, wartet aber vergebens auf ein abendfüllendes Highlight aus dem Bereich der Musik-DVDs. Diese Veröffentlichung ist ohne Zweifel besser als viele seiner Artgenossen, birgt in sich aber dennoch zuviel Appetizer-Charakter.

24.12.2006 Jack