Interview

WARTEN AUF GODOT

EPHEN RIAN
15.04.2005, Hamburg

Warten auf Godot war gestern, heute warten wir auf Ephen Rian. Die österreichischen Newcomer haben mit ihrer EP ?Heroes Don?t Ask Why? eine amtliche Duftmarke gesetzt, der Nachfolger ?The Special Referendum? legte noch eine Schippe obendrauf, so dass sich Ephen Rian zwischenzeitlich den Status eines Insidertipps erarbeitet haben. Plötzlich scheint es so einfach zu sein, aus einem Wust an Screamo-Formationen heraus zu stechen. Gitarrist Stefan ließ sich von uns einige Hintergründe entlocken?

Mit wem habe ich das vergnügen? Und was ist dein Job in der Band?
Stefan: Hey, Stefan hier. Ich schwinge die Gitarre und sorge für den Schreianteil in der Band. Außerdem bin ich Bandpapi und sorge mich immerzu um meine Prinzessinnen (ha ha!).

Wie kommt man eigentlich auf den Bandnamen ?Ephen Rian??
Stefan: Na ja, also ein Freund von uns hat früher mal Comics gezeichnet. In einer seiner Serien gab es einen Comichelden namens Ephen Rian, der wohl das charakteristischste kleine Männchen war, das wir bis dato kennen gelernt hatten. Es ist dann einige Zeit vergangen und als wir gerade anfingen, zusammen Musik zu machen und nach einem Bandnamen suchten, ist uns spontan Ephen Rian eingefallen, weil wir es alle ziemlich witzig fanden, dass ein kleiner Comicstrip solch eine Bandbreite an Charakterzügen hat. Der langen Rede kurzer Sinn: Ephen Rian ist eine Comicfigur!

Welche Bands hatten maßgeblichen Einfluss auf eure Musik?
Stefan: Ich denke, wenn ich damals NOFX nicht gehört hätte, würde ich mittlerweile auch noch keine Gitarre in der Hand halten. Aber da wird?s sicher vielen so gegangen sein. Unser Bassist hört jede Menge Metal, also von Slayer angefangen über Black Dahlia Murder oder Cradle of Filth. Manuel (Drums) und ich sind da eher die Punk/Hardcore Jungs, also NOFX, Rise Against, Strike Anywhere, Against me, Converge usw. Ist halt von den bevorzugten Musikrichtungen innerhalb der Band irgendwie quer durch den Gemüsegarten (lacht). Was wir alle gut finden sind Thrice, Boysetsfire oder Darkest Hour. Ich find jedoch auch St. Germain oder Kruder und Dorfmeister sehr, sehr fein, und der Peter steht auch auf Dredg. Definitiv einen Einfluss hatten beziehnugsweise haben aber auch Bands wie Red Lights Falsh, Antimaniax, Rentokill oder Estate mit denen wir einfach auch viele Shows zusammen spielen und auch privat Zeit verbringen ? da redet man schon ein-, zweimal über Musik. Und die Jungs sind halt auch unglaublich gut, was Songstrukturen und Kreativität anbelangt?also, eigentlich beeinflusst uns eine Menge. Ein Freund von uns hat das mal am Besten gesagt: ?In der Musik ist es wie im Leben: Man sollte sich alle Richtungen offen halten und keine Scheuklappen aufsetzten, weil man sonst etwas wirklich Gutes übersehen könnte? ? und so ist es.

Mir ist aufgefallen, dass ihr im Vergleich zu anderen artverwandten Bands wie Thrice erfreulicher Weise in euren Songs sehr viel Druck macht. Liegen euch musikalische Experimente fern?
Stefan: Nein, das glaube, mir eigentlich nicht, da Musik ja dafür da ist, dass man seine Kreativität auslebt. Wir spielen halt einfach gerne das, was wir auch selbst gerne hören würden. Das ist oft einfach Vollgas. Thrice gehören ohne Zweifel zu einer unserer Lieblingsbands, und wie es halt oft ist, kauft man sich dann die Platten in der Hoffnung, dass sie einem wieder vom Hocker reißen. So war es bei mir zumindest auch bei Weezer: Ich hab jedes verdammte Album ? obwohl ich eigentlich nur zwei von ihnen richtig gut finde. Ich denke, solange uns das Spaß macht, was wir machen, ist es der richtige Weg.

Aus welchem Grund gibt es zum Debüt nur eine EP mit acht Songs?
Stefan (lacht): Vor der Frage habe ich mich am meisten gefürchtet. Ich glaube, der einleuchtendste Grund dafür ist, dass wir in dieser Zeit nicht mehr Nummern hatten. Uns gibt?s jetzt seit etwas über zwei Jahren, und die ganz alten Nummern wollte niemand von uns mehr mit raufnehmen. Diese acht Nummern repräsentieren uns so, wie wir bis zum jetzigen Zeitpunkt sind. Ehrlicher Weise muss ich nebenbei auch zugeben, dass wir oft einfach sehr lange brauchen um einen Songs so zu schreiben, dass dieser für uns wirklich gut ist beziehungsweise unseren eigenen Ansprüchen gerecht wird. Man will halt einfach keine Nummer auf die CD raufgeben, wenn man selbst nicht hundertprozentig damit zufrieden ist. Ich will gar nicht dran denken, wie viele halbfertige Nummern bei uns im Proberaum rumkugeln?

Einer der vertretenen Songs ist ?Escape Of No Avail?. Ich hatte es bereits im Review geschrieben, und ich kann mich da nur wiederholen: Der Refrain klingt verdammt nach Boy Georges ?Karma Chameleon?. Was das beim Schreiben des dieses Songs bekannt?
Stefan (lacht): Sag das ja niemandem! Nein im Ernst jetzt: Es sollte so eine Art versteckte Hommage an Boy George sein. Klaus, unser Sänger, singt bei einer halbfertigen Nummer halt oft einfach Nonsens ins Mikro, um eine passende Gesangslinie zu finden ? also keinen fertigen Text, dafür einfach mal ausprobieren. Genauso war es dann auch bei dieser Nummer. Nachdem wir diesen Teil des Songs gespielt hatten, haben plötzlich alle aufgehört zu spielen und gesungen: ?karma karma karma karma karma Chameleoooooooooooonnnnnnnnnnn?? War halt schon witzig. Und so ist es dann geblieben. Ich pinkel mich jedes Mal fast an, wenn wir den Song live spielen und ich an Klausis Gesichtsausdruck denken muss, als wir alle Boy Georges Hit im Proberaum gesungen haben!

Die Songs wurden in den kalifornischen ?Capitol Studios? gemastert. Gibt man bei Google den Suchbegriff ?Mastered in Capitol Studios? ein, dann fallen illustre Namen wie Barry Manilow, Joan Osborne, Phil Collins, und dann taucht auch schon ihr auf. Wie kommt man als Newcomer aus Österreich darauf, das Erstlingswerk in einem dermaßen renommierten Studio bearbeiten zu lassen? Wird sicher auch nicht gerade günstig gewesen sein, oder?
Stefan: Also unsere Idee war das gar nicht. Das Label, also Wynona Records, hat uns diese Option angeboten, und wenn ich mir denke, dass dort eben schon solche Größen wie The Used oder My Chemical Romance gemastered wurden, dann ist das schon eine Option, die man natürlich gerne wahrnimmt. Ist schon irgendwie komisch zu wissen, welche Platten dort schon gemacht wurden!

?The Special Referendum? erscheint auf Wynona Records. Wie kam diese nachbarschaftliche Kooperation zustande?
Stefan: Die Kooperation ist über 11pm zustande gekommen. Wynona Records fand das alte Demo schon gut und war somit von Anfang an sehr daran interessiert, die neue CD rauszubringen. Es ist echt toll, dass uns die Möglichkeit geboten wurde, unser Debüt weltweit zu veröffentlichen, und die Zusammenarbeit klappt auch wunderbar.

Beachtlich ist, dass die EP auf einen Schlag weltweit veröffentlicht wird, also auch in den Vereinigten Staaten und in Japan. Habt ihr aus der Ferne bereits Resonanzen erhalten?
Stefan: Also, die meiste Resonanz auf unsere EP bekommen wir über myspace. Na ja, also es gibt schon einige Leute, die das Teil dort drüben kaufen, und das macht halt dann richtig Spaß über die EP zu reden beziehungsweise wie die Leute ?da drüben? uns oder auch unsere Texte wahrnehmen. Es ist ja doch eine komplett andere ?Hörerlandschaft?. Aber ich denke, sie kommt schon ganz gut an. Es ist teilweise doch sehr interessant zu beobachten, denn gerade in den USA heißt es immer, dass unser Sound relativ unverbraucht und neu ist, was ich ja eigentlich gar nicht nachvollziehen kann, aber es macht auf alle Fälle Spaß, das Ganze zu verfolgen, und es ist ja schon ein unglaublicher Gedanke wenn ich mir vorstelle, dass sich in Japan oder den USA jemand unsere CD kauft.

Mittlerweile seid ihr zu einem echten Insidertipp geworden, und es kann gut sein, dass euch ?The Special Referendum? noch einen gewaltigen Schub nach oben bescheren wird. Habt ihr euch schon eine Art Karriere-Strategie zurechtgelegt. Immerhin kann es gut sein, dass früher oder später die ersten Majors bei euch anklopfen oder bekannte Rockbands euch Auftritte in großen Hallen anbieten.
Stefan (lacht): Eine Karriere-Strategie gibt?s bei uns noch nicht?wir versuchen halt, gerade unser Studium und die Band unter einen Hut zu bringen. Bei zwei Leuten ist das nicht so das Problem, aber der Peter (Bass) und ich sind an der Fachhochschule in Salzburg, an der Anwesenheitspflicht herrscht. Der Markus macht unter anderem gerade seinen Zivildienst und kennt im Prinzip nichts anderes als Stunden reinzuarbeiten und Shows spielen? Aber man macht alles, was nötig ist, um auf Tour zu gehen und das ist ? wenn du so willst ? auch unser Karriereplan. Shows spielen soweit es geht, weil das auch einfach das ist, was uns am meisten Spaß macht. Was jetzt noch kommt, weiß keiner. Was wir aber definitiv wissen ist, dass es ein unglaubliches Gefühl ist, wenn man auf der Bühne steht und seine Songs präsentieren kann. Ein geiles Gefühl, das ich nie wieder missen will!!!

Ich hatte bereits in einem Interview mit euren Landsleuten von Rentokill nach Gründen gesucht, warum die Österreicher plötzlich so viele ausgezeichnete Bands aus der Hüfte schießen, beispielsweise Red Lights Flash, besagte Rentokill, Estate, ihr selbstverständlich?Wie kommt es, dass zehn Jahre, nachdem unter anderem Green Day und The Offspring den Punkrock wieder belebt hatten, österreichische Bands zur Attacke blasen?
Stefan: Also, diese Bands gibt?s ja nicht erst seit gestern. RLF, Antimaniax oder Rentokill spielen schon knappe zehn Jahre zusammen, und Estate machen auch schon seit 1995 Musik. Zur Attacke wollte man glaube ich auch schon früher blasen, aber es ist oder war halt schwer, als österreichische Band einen internationalen Sprung zu machen. In Österreich gibt?s nicht solche Promotionagenturen wie in Deutschland. Da fehlen dann oft die Kontakte zu Magazinen oder Agenturen, um auf sich aufmerksam zu machen. Der Grund, warum man jetzt soviel von österreichischen Bands hört ist, weil die DIY-Szene in den letzten Jahren geschuftet hat, als ob es kein Morgen gäbe. Das schließt alle Bands, die du aufgezählt hast, mit ein. Gerade Rentokill, Red Lights Flash, Estate oder auch uns ist es wichtig, nicht nur aufzuzeigen, dass die eigene Band gut ist, sondern auch, dass es in Österreich jede Menge guter Bands gibt, denen einfach nicht die Plattform geboten wird um einen Schritt nach vorne zu machen. Umso wichtiger ist es, dass internationale Zines/Magazine jetzt auf diese Szene aufmerksam werden. Das Wichtigste jedoch ist, dass sich Bands zusammenschließen und gemeinsam an einem Strang ziehen ? gerade das ist in Österreich nicht so ganz einfach. In unserem Ländle gibt es den ?Österreicher Neid?. Ein mehr als schwieriges Thema, welches schon vielen Bands den Todesstoß versetzt hat. Ich glaube, das Wichtigste ist, dass du ehrlich mit dir selbst und deiner Musik bist und einfach versuchst Bands, die es sich genauso oder mehr verdient hätten, ein bisschen Erfolg zu haben einfach mitziehst. Wie gesagt: Es kann nur funktionieren, wenn alle an einem Strang ziehen, und da sollte man auf niemanden neidisch sein, sondern ?das Ding? unterstützen. Ich bin mir auf alle Fälle sicher, dass man noch von vielen ?Ösi-Bands? hören wird.

Auch auf eurem Debütalbum findet man das ?Neustadtpunk Network?-Logo. Wie hoch ist deren Arbeit zu bewerten?
Stefan: Ich glaube, wenn wir damals Neustadtpunk nicht gehabt hätten, wäre nicht viel gegangen. In unserer Region wollte irgendwie niemand was von unserer Musik wissen, und da war das Naheliegenste, einfach weiter raus zu gehen. In diesem Fall war das dann Wien. Johnny Amok, der Neustadtpunk-Betreiber, fand unsere Mucke ganz gut und hat uns dann unter seine Fittiche genommen. Die Jungs dort sind unglaublich. Sie checken Shows, verschicken Promos und knüpfen Kontakte, alles auf DIY-Basis. Neustadtpunk ist eine der wichtigsten Institutionen in Österreich. Jeder, also sowohl Betreiber als auch Bands, arbeiten dort gemeinsam und versuchen, soviel wie möglich an Kontakten zu checken, damit das Netzwerk auch funktionieren kann.

Gibt es eine Band, die ihr momentan absolut beneidet, mit denen ihr quasi auf der Stelle die Rollen tauschen würdet?
Stefan: Puh, oh Mann, keine Ahnung?Es gibt natürlich Bands, die man gern hat, aber ob ich auch mit denen tauschen wollen würde?Ich weiß nicht. Red Lights Flash waren vor kurzem in Spanien. Da wäre ich jetzt auch gern, weil es bei uns in Österreich gerade irgendwas um die null Grad hat. (lacht). Also, ich denke, wir verstehen uns alle sehr gut in der Band, Na ja, wir kennen uns halt auch schon seit unserer Kindheit. Ich bin mit der jetzigen Situation momentan sehr zufrieden.

Mr. Brett von Bad Religion sagte einmal, dass es für eine Band keine schönere Zeit gäbe, als die, in der man mit dem ersten Album im Gepäck durch kleine Clubs tingeln kann und sich ganz gemütlich unter das Volk mischen kann. Genießt ihr eure Zeit im Moment oder wünscht ihr euch angesichts der bevorstehenden Europatour ein bisschen mehr Berühmtheit?
Stefan: Wir genießen definitiv die Zeit, die wir gerade verbringen. Man trifft jeden Abend neue Leute und sieht neue Städte. Zur selben Zeit kann man auch seine Musik spielen und darüber mit Leuten reden. Im Prinzip geht?s nur darum, eine gute Zeit zu verbringen, und die haben wir grad mit Sicherheit. Berühmt sein hin oder her?es gibt nichts Schöneres als wenn du jemanden, der noch nie was von dir gehört hat und somit auch keine Erwartungen an die Band stellt, überzeugen kannst und ihn/sie mit deiner Musik fesseln kannst. Ist schon ein schönes Gefühl.

Zum Schluss sei euch noch Platz für Werbung in eigener Sache gewährt, warten noch einige deutsche Städte auf euren Auftritt und zahlreiche deutsche Fans auf euer Debüt-Album.
Stefan: Okay, also wir sind im April mit den großartigen Waterdown und NME Mine auf Deutschland- und Schweiz-Tour, und da würden wir uns natürlich riesig freuen, wenn wir ein paar Leute auf den Konzerten wieder sehen würden. Checkt einfach www.ephenrian.com oder www.myspace.com/ephenrian aus. Außerdem gibt?s bald drei neue Songs von uns, da wir die letzten Tage wieder im Studio waren und diese Nummern für die Spirit-Tour aufgenommen haben. Das Teil sollte dann auch im Mai rauskommen, und was ich versprechen kann ist, dass es dann auch Ende dieses Jahres beziehungsweise Anfang nächsten Jahres noch die LP geben wird. Soviel einmal zu uns. Außerdem wurden unsere Freunde von Estate gerade von dem Berliner Label ?Record of the Year? gesignt, und für die Jungs steht auch jetzt dann bald eine schöne Deutschlandtour ins Haus, Zusätzlich dazu sollte das Album, das wirklich ein Hammer wird ? ich durfte schon ein bisschen reinhören ? im Spätsommer oder Frühherbst rauskommen. Da darf man schon gespannt sein.Was mir noch ein besonders Anliegen wäre:
Checkt unbedingt diese Bands aus:www.estatemusic.net, www.redlightsflash.com, www.rentokill.com, www.antimaniax.com, www.theplaguemass.com, www.survivingthesunset.com, www.sevenyearsbadluck.com, www.janfeatudssr.com. Außerdem noch die Leute die sich in Österreich den Arsch aufreißen, damit endlich etwas passiert: www.neustadtpunk.net, www.riseorrustrecords.com, www.capeet.com, www.teenage-riot.com.


INTERVIEW: Jack

Impressum © 2006 hoersturz.net