Tonträger

Tracklist

1. Sam's Town
2. Enterlude
3. When You Were Young
4. Bling (Confessions of a King)
5. For Reasons Unknown
6. Read My Mind
7. Uncle Johnny
8. Bones
9. My List
10. This River Is Wild
11. Why Do I Keep Counting
12. Exitlude

The Killers

Sam´s Town

VÖ: 29.09.2006
Label:
Island Records
Web:
www.thekillers.de

Sie wäre so gern aus Großbritannien und die Briten wünschten sie wäre ihren Fleisch und Blut. Häufig, nein immer, werden sie aufgrund ihres musikalischen Outputs auf die Insel verbannt. Kaum einer kann oder will sich vorstellen, dass diese so wohlklingende Gruppe aus dem Land ohne jegliche Kultur stammt. Dazu auch noch aus der künstlichsten Stadt aller Städte: Las Vegas.

Nach „Sam´s Town“ werden einige Engländer froh sein, dass Brandon Flowers nicht erneuter Weise die so fragile Indie-Kommune in Grund und Boden geschrieben hat. „Hot Fuss“ bleibt ein Einzelfall.

„Sam´s Town“ kann nur auf den ersten Metern das vorgelegte Tempo mitgehen. Danach geht den Songs langsam, aber stetig die Puste aus. War diese Tatsache der Plattenfirma bereits vorher klar? Für kaum ein anderes Album wurde derart viel Promotion gemacht. Superlative reihten sich aneinander, so dass die Spannung hätte kaum größer sein können. Und nun so etwas. Die erste Singleauskopplung „When we were young“ sorgte schon für ersten Unmutsäußerungen in der Szene. „Meinen die das ernst.“, „Das kann doch nicht die Single sein. Das muss B-Seitenmaterial sein“ oder „Ich bin entsetzt“.

Nachdem „Sam´s Town“ das erste Mal komplett durch den Player geschickt wurde, ging die Suche los. In der Hülle muss doch irgendwo noch eine CD sein. Das kann nicht das neue The Killers-Album gewesen sein. Mit der bockigen Haltung eines Grundschülers wurden die 12 Songs erst einmal ignoriert, um dann nach kurzer Zeit den Silberling erneut durch den Player zu jagen.

Bei „When we were young“ taucht es wieder auf. Diese innere Unruhe. Es nützt nichts. Kurz vom Sessel aufgesprungen und mit dem Finger gen Decke die Wohnung vermessen. Schön, das Gefühl ist zurück. Auch „Bling (Confessions of a King)” sorgt noch für gute Stimmung, bevor der nachfolgende Rest diese doch so schönen Erinnerungen pulverisiert.

Um es kurz zu sagen: „Die Party fällt aus!“. Die extra angezogenen Tanzschühchen dürfen getrost wieder in den Schrank gelegt werden. Heute gibt es bis auf ein bis zwei Songs keine Gelegenheit so richtig zu tanzen. The Killers scheitern einfach an ihren eigenen Ansprüchen. Sie wollten zu viel und dann noch alles auf einmal. Daher präsentiert sich „Sam´s Town“ unglaublich unstrukturiert und gewollt. Von ihrem selbstgeschaffenen Denkmal „Hot Fuss“ haben sich The Killers Lichtjahre entfernt.

Schade, aber wie immer darf man hoffen, dass Brandon Flowers aus dieser Misere gelernt hat. Manchmal schadet übermäßige Weiterentwicklung.

16.10.2006 Simon