Tonträger

Tracklist

1. Intro/Chamber The Cartridge
2. Injection
3. Ready To Fall
4. Bricks
5. Under The Knif
6. Prayer of the Refugee
7. Drones
8. The Approaching Curve
9. Worth Dying For
10. Behind Closed Doors
11. Roadside
12. The Good Left Undone
13. Survive
14. Boy's No Good

RISE AGAINST

The Sufferer & the Witness

VÖ: 28.07.2006
Label:
Geffen Records
Web:
http://www.riseagainst.com

Du liebes Bisschen, was war das für ein seltsames Gefühl, als ich zum ersten Mal das neue Werk unserer aller Lieblinge von Rise Against durchhörte und feststellen musste, dass sich das Quartett noch eine ganzes Stück weiter von ihren Anfängen wegbewegt hat. Der Vorgänger ?Siren Song Of A Counter Culture? deutete schon kräftig an, wohin die musikalische Reise geht: den Tempomat ein Stück heruntergedreht, dafür viel Augenmerk auf Vielseitigkeit.

Diesem Reiseführer folgen Rise Against auch auf ?The Sufferer & The Witness? konsequent weiter. Während der 14 Songs zeigt sich das Songwriting abwechslungsreicher denn je, die Zeiten des halsbrecherischen, melodischen Hardcores des ?Revolutions Per Minute?-Albums kommen nur noch selten zur Geltung. Das klingt für Fans der alten Songs ziemlich schade und mag teilweise auch dazu animieren, Tim McIlrath und Konsorten vorzuwerfen, der Major-Deal habe sie in irgendeiner Weise weich gekocht. Tatsächlich ist dieses Album das radiotauglichste der kompletten Diskografie. Doch Rise Against wären nicht Rise Against, wenn sie ab sofort weichgespülten Mainstream-Punkrock abliefern würden.

?The Sufferer & The Witness? verfügt über jede Menge Herzblut und großartige Melodien. Insbesondere die Refrains gehören zum Besten, was das Genre bis dato auf den Markt gebracht hat. Den vollen Hochgenuss erlebt man schon im Laufe der ersten beiden Nummern. ?Chamber The Cartridge? legt ein zünftiges Tempo vor und besticht mit einem großen Refrain. Ein wenig gemäßigter, dafür von der ersten bis zur letzten Sekunde am Ohrwurm-Limit, kommt ?Injection? daher ? für mich der absolute Überhit dieser Platte. Und auch ?Ready To Fall? überzeugt durch eine feine Kombination aus Melancholie und losgelöster Wut. Dass man mit einfachen Mitteln überdurchschnittliche Songs aus der Hüfte schießen kann, beweisen Rise Against mit ?Bricks? und ?Worth Dying For?.

Einen leichten Hänger muss man diesem Album zur Mitte hin attestieren. ?The Approaching Curve?, ein spoken word-angelehntes Stück, kann mit den zahlreichen Steilvorlagen nicht umgehen, und auch das ganz ruhige ?Roadside? erweckt den Wunsch nach einer vollen Breitseite. Diese gibt es am Ende in doppelter Ausführung. ?Survive? knallt nach kurzem Intro wie früher, im Anschluss gibt der Bonus-Track ?Boy?s No Good? eine amtliche Überschall-Dosis auf die Ohren.

Für ?The Sufferer & The Witness? gilt, was für alle Alben der Jungs aus Chicago gilt: Ein saustarkes Album, für das man gerne eine andere Scheibe in weniger gut erreichbare Gefilde des Plattenregals verbannt.

24.08.2006 Jack