Tonträger

Tracklist

1. Help Me
2. God's Gonna Cut You Down
3. Like the 309
4. If You Could Read My Mind
5. Further on Up the Road
6. On the Evening Train
7. I Came to Believe
8. Love's Been Good to Me
9. Legend in My Time
10. Rose of My Heart
11. Four Strong Winds
12. I'm Free from the Chain Gang Now

Johnny Cash

American V - A Hundred Highways

VÖ: 30.06.2006
Label: Mercury Records
Web:
www.johnny-cash.de

Der Kreis schließt sich. 1955 schrieb Cash seinen ersten Song namens ?Hey Porter?, der von Zügen handelte. Auch seine letzte Eigenkomposition ?Like The 309? handelt von einem Zug der besonderen Art. Train 309 zog immer am Folsom Prison vorüber und nimmt ihn diesmal mit auf seine größte Reise. "It should be a while before I see Doctor Death? singt diese so vielen Menschen bekannte raue Stimme und man möchte ihm so gerne glauben, aber am 12.September 2003 stand er Doctor Death Auge in Auge gegenüber. ?.. then load my box on the 309?.
Er wusste, dass seine Zeit gekommen war. Nach dem Tod seiner geliebten Frau June am 15.Mai 2003 war die Musik das Einzige, was ihm noch Freude bereitete. Seine ganze Kraft widmete er nun seinem letzten Album der American-Serie.

Kurz nach dem Aufstehen rief er die von Rick Rubin engagierten Toningenieur an, um ihnen seinen Gesundheitszustand durch zu geben mit der gleichzeitigen Mitteilung, ob Gesangsaufnahmen möglich sind.

Nach der Aufnahme der letzten Songs, flog Cash normalerweise immer zu seinem langjährigem Freund Rick Rubin, um die Songs noch einmal mit ihm durch zu gehen.

?American V ? A Hundred Highways? musst diesmal ohne den letzten Schliff des alten Mannes auskommen.

Mike Campbell und Benmont Tench von den Heartbreakers, der Studio-Slideguitarspieler Smokey Hormel (alle drei waren bereits auf früheren Alben von Cash zu hören) sowie die Gitarristen Matt Sweeney und Johnny Polansky mussten ihre Instrumente ohne Anweisungen ihres Sängers zwei Jahre später einspielen. Vorsichtig und zurückhaltend wurden die Instrumente um diese so unglaubliche Stimme drapiert. Als scheint als sei es eine Verneigung und ein Abschiedsgeschenk zugleich zu sein.

Da Rick Rubin für Cash ein enger Vertrauter war, ist anzunehmen, dass er die Vorstellungen und Wünsche seines wohl berühmtesten Musikers kannte und berücksichtigt hat.

Die Texte sind persönlicher und nachdenklicher den je. Vielleicht lag es an der speziellen Situation, in der sich Cash befand. Die Endlichkeit des Lebens, der Glaube, der Tod seiner Frau und eine Karriere, die sich dem Ende entgegen neigt. All das waren wohl Gründe für seine so bewegenden Songs. ?Train 309? beschreibt seinen Wunsch den Tod noch herauszuzögern, aber anderseits wusste er genau, dass seine wie er es nannte ?Box? auf den Zug aufgeladen wird. Offen besingt er den Tod, aber auch die nicht endende Liebe zu seiner verstorbenen Frau. ?Rose Of My Heart? widmete er der Liebe seines Lebens.

In jeder Sekunde spürt man förmlich die Anstrengungen, die Cash unternehmen musste, um die Songs einzusingen. Selbst schwere Gitarrenriffs könnten dieser Stimme nichts von der gewaltigen Präsenz rauben. Von der ersten Sekunde an wird der Hörer in den Bann dieses Albums gezogen. Nichts kann so außergewöhnlich sein, dass man auch nur eine Sekunden die Aufmerksamkeit für diese Songs verliert. Sogar einen so überhörten Song wie Gordon Lightfoots "If you could read my mind" fesselt den Hörer.

Sein bereits besiegeltes Schicksal lässt ihn mit dieser schon fast unheimlich anmutenden Ruhe über sein Leben und den Tod zu singen.

Teil Nummer fünf stellt einen würdigen Abschluss für diesen großartigen Mann der Musikgeschichte dar, ohne dass Zweifel oder gar Gedanken über posthume Marketingstrategien aufkommen. Es ist ohne Zweifel eines der emotionalsten Alben der Musikgeschichte.

 

11.07.2006 Tim