Tonträger

Tracklist

1. The devil's takin' names
2. Cut it up
3. Great lakes/Great escapes
4. Recovering the opposable thumb
5. Beyond the embarrassing style
6. Are you there margaret? It's me, God
7. Jumping the shark
8. Lose your illusion 1
9. Requiem revisited
10. Key to the city
11. Old dogs never die
12. Like a record player

The Lawrence Arms

Oh! Calcutta!

VÖ: 06.03.2006
Label:
Fat Wreck
Web:
www.thelawrencearms.net

Die Fat Wreck-Flut spült im Spätwinter eine Menge Alben an die Punkrock-Küste, unter anderem auch einen neuen Longplayer der Lawrence Arms. Direkt aus dem Herzen Chicagos schwappt ein Dutzend neuer Songs in die Gehörgänge, die die Empfänger in der Tat aufhorchen lassen. Denn ?Oh! Calcutta!? ist zweifelsohne der kraftvollste Akt, den das Trio bisher auf die Beine gestellt hat.

Das bezieht sich natürlich nicht nur auf die Produktion, die in den Händen von Matt Allison lag, sondern in erster Linie auf das Songwriting. The Lawrence Arms pendeln auf diesem Album nicht von Stimmung zu Stimmung ? je nachdem, ob Bassist Brendan oder Gitarrist Chris die Leadvocals übernimmt. Sowohl Bredans markant kreischender als auch Chris? dunkler, relaxter Gesang ergänzen sich in jedem Song zu einem hochmelodischen Gebräu (dieser Vergleich steht den drei Bier-Sympathisanten richtig gut), so dass es in Vergleich zu den Vorgängerscheiben äußerst schwer auszumachen ist, welcher Song nun zu welchem Sänger gehört. Und das ist auch der riesengroße Pluspunkt von ?Oh! Calcutta!?. Während beispielsweise ?Apathy And Exhaustion? und ?The Greatest Story Ever Told? konzeptionellen Stimmungsschwankungen unterlagen, ist das neue Werk eine schlichtweg runde Sache, die von Anfang bis Ende viel Spaß bereitet.

Selten wird wie in ?Jumping The Shark? der Druck ein wenig herausgenommen. Hauptsächlich ist die Handbremse schön gelöst, was eine amtliche Portion Energie freisetzt. Kein Intro, dafür wird mit ?The Devil?s Takin? Names? sogleich losgefeuert und die Marschroute für die kommende halbe Stunde festgelegt. Fortan haben wir es mit straighten Gitarren, einem souveränen Schlagzeugspiel und dem bereits erwähnten mehrstimmigen Gesang zu tun. ?Requiem Revisited? und ?Great Lakes/Great Escapes? sind nur zwei Aushängeschilder der Lawrence Arms in Jahre 2006, dazu kommt mit ?Cut It Up? eine musikalische Visitenkarte, die stets ganz oben auf dem Stapel liegen wird.
Dem Schriftbild im Booklet entsprechend können The Lawrence Arms aber auch vertrackte bis durchgeknallte Töne anschlagen (?Recovering The Opposable Thumb?, ?Old Dog Never Die?), doch bevor der Hörgenuss anstrengend wird, schwenkt das Trio um lockert das Stück Musik mit einer eingängigen, hymnischen Passage auf.

Wenn der Gerstensaft der Grund für diese Leistung ist, dann werde ich mich gleich mal mit der örtlichen Brauerei in Verbindung setzen, um ein paar Gallonen auf den Weg nach Chicago zu bringen.

02.03.2006 Jack