Tonträger

Tracklist

Disc 1
1. Shout at the devil
2. Too fast for love
3. Ten seconds to love
4. Red hot
5. On with show
6. Too young to fall in love
7. Looks that kill
8. Louder than hell
9. Live wire
10. Girls, girls, girls
11. Wild side

Disc 2
1. Don't go away mad
2. Primal scream
3. Glitter
4. Without you
5. Home sweet home
6. Dr. Feelgood
7. Same ol'situation
8. Sick love song
9. If I die tomorrow
10. Kickstart my heart
11. Helter skelter
12. Anarchy in the UK

Mötley Crüe

Carneval Of Sins

VÖ: 05.05.2006
Label:
Steamhammer
Web:
www.motley.com

Mötley Crüe haben wirklich Nerven: Seit diversen Jahren werden Lebenszeichen ausschließlich in Form von Live-Alben und Compilations von sich gegeben. Nachdem die Fangemeinde der Glamrocker mit gleich drei Best-Of-Zusammenstellungen und einem Box-Set in den vergangenen drei Jahren überschwemmt wurde, kommt nun mit ?Carnival Of Sins? das wahrscheinlich lang ersehnte Live-Album. Es sind immerhin auch schon sieben lange Jahre seit dem letzten Live-Werk ?Live: Entertainment Or Death? in die Lande gegangen, da wird es natürlich mal wieder Zeit, die alte Pampe für ein weiteres Mal aufzuwärmen.

Also stellt der schlaue Geschäftsmann eine pompöse Tour auf die Beine, die selbstverständlich binnen kürzester Zeit ausverkauft ist, und schneidet die Ergüsse ganz ungeniert mit. Auf Zelluloid gebannt macht diese Vorgehensweise vielleicht noch einen gewissen Sinn, aber ein reiner Doppel-Tonträger findet absolut keine Legitimation. Sind die Crüe-Mitglieder tatsächlich so klamm, dass sie die Geldbeutel ihrer Fans auf diese wiederholt ideenlose bis unverschämte Art und Weise mit Erleichterung konfrontieren? Dass bei ?Carnival Of Sins? der rasante Rubel rollen soll, ist klar wie Hühnerbrühe.

Das Doppelalbum an sich enthält wenige Überraschungen. Eine lautstarke Kulisse lässt zahlreiche Klassiker wie den Opener ?Shout At The Devil?, ?Same Ol? Situation? oder ?Kickstart My Heart? hochleben. Dazu werden in schöner Regelmäßigkeit Knallkörper abgefeuert, die für den reinen Hörer zum akustischen Störfeuer verkommen. Und auch wenn mit dem Sex Pistols-Cover ?Anarchy In The UK? schlussendlich ein Fünkchen Stimmung aufkommt, dokumentiert die Auswahl 23 vertretenen Songs, was von den Mötley Crüe der näheren Vergangenheit zu halten ist. Bis auf ?Sick Love Song? sind neue Nummern beziehungsweise frische Ideen absolute Mangelware.
Vermissen lässt ?Carnival Of Sins? außerdem ein Gefühl von Spielfreude. Chefrocker Tommy Lee thront mit seinem glasklar produzierten Schlagzeug über allem anderen, der stimmliche Frontmann Vince Neil macht seinem Ruf als schwacher Live-Sänger alle Ehre.

Es spricht wahrlich nichts dagegen, zeitweise einmal den Rockstar heraushängen zu lassen. Wenn man dies jedoch seit geraumer Zeit mit einem absoluten Minimum an Einsatz praktiziert, grenzt das nicht nur an Arroganz, man steckt bis zum Hals drin.

16.05.2006 Jack