Tonträger

Tracklist

1.Gemstones
2.Down On The Street
3.He's The Brat
4.Over The Sunrise
5.Crackhouse Blues
6.Before My Bedtime
7.Carolina
8.Emily
9.Who?s Your Boyfriend
10.Country Road
11.Choke On A Cock
12.Bible Club
13.Chubby Princess
14.Losing On A Tuesday
15.Teddy Boys

Adam Green

Gemstones

VÖ: 10.01.2005
Label: Rough Trade
Web:
www.adamgreen.net

Ach, was waren unsere Herzen wie Butter in der Sommersonne, als wir das erste mal "Friends Of Mine" von Adam Green hörten. Denn man war überrascht, kannte man den jungen New Yorker doch nur als Rumpelmusiker der Folk Krach Truppe "Moldy Peaches". Dabei hatte man nicht gedacht, dass er jemals in der Lage sein würde, so wundervolle Melodien vom Himmel purzeln zu lassen und eine so schöne Instrumentierung zu nutzen. Das Herz war ergriffen und das irgendwie von jedermann. Und wenn es nicht wegen der Musik, war es wegen der absurden Texte. Da ging es um das bunte Treiben auf Hasenfarmen, suizidgefährdete Vögel, Sex mit Frauen ohne Beine und Popsternchen, die Höhlenmenschen nach Mexiko bringen sollen. Heiß ersehnt war folgerichtig der neueste Streich von diesem Schelm.

Nun steht er in den Läden und wartet nur auf uns. "Gemstones" heißt er und auch dieses dritte Soloalbum schafft es, Herzen wieder zutiefst zu entzücken. Die Texte sind am Barometer wieder irgendwo zwischen geistreich, amüsant und absurd angesiedelt.
Und trotzdem ist hier doch einiges anders, denn es hängen diesmal keine Pizzicato-Streicher in der Luft, und auch sonst ist auf "Gemstones" mehr Bandmusik als zarte Spuren von Orchester. Das liegt daran, dass Adam Green dieses Album größtenteils während der Tour aufgenommen, beim Soundcheck geprobt und auch manchmal dem versammelten Publikum dargeboten hat. Auf jeden Fall eine kleine Umstellung, so von einem Wohlklang zum anderen, aber es bleibt trotzdem mehr Pop als Anti-Folk.

Die Melodien sind dafür aber mehr mit Tempowechseln ausgestattet als zuvor. Allein schon das furiose Titelstück fängt mit einer einfachen Akustik-Gitarre an, um wenig später drauflos zu galoppieren. Man kann sich richtig vorstellen, wie der Kauz auf einem Gaul reitet und dieses Lied trällert. Eigentlich keine unmögliche Vorstellung, denn bei allen Songs merkt man, dass er sich über die Reaktionen auf diese Songs freut wie ein kleiner Junge, dabei aber vermutlich nur was spitzbübisch Charmantes im Hinterkopf hatte. Ja, er schafft es, Absurdes in sonderbare Rhythmen zu verpacken, da kann es manchmal schon sehr nahe an Rumba, Dixie, Polka, Mary Hopkins Piano gehen. Trotzdem ist es in jeder Sekunde Pop in seinen schönsten Facetten, obwohl Adam Green ein Singer Songwriter ist und bleibt. Oder besser gesagt, der größte Chansonnier und Charmeur dieser Zeit, weil keiner den Mut hat, so über George W. Bush zu singen; "I Would Dance On NBC/ And Say George Bush Shook Hands With me / Then I´d Go And Choke On A *****" (aus "Choke On A Coke").

Gut, dass die Single "Emily" sehr an Torfrocks Heuler "Beinhart" erinnert, ist schon ein bißchen komisch, aber es klingt doch um Längen schöner als von den Jungs aus Torfmoorholm.Was auch auffällt ist, dass Adams Bariton über die Jahre immer ausgereifter tönt, das verwischt die Text noch mehr als zuvor. Treu ist er sich in der Albumlänge geblieben, denn 15 Songs in weniger als 32 Minuten ist schon eine Leistung. Doch das eigentlich Bewundernswerte ist, dass jeder Song so gelungen ist und ein jedes Herz wieder mal erweicht. Ach ja, ein Buch gibt es von Adam Green jetzt auch noch, es heißt "Magazine" und erscheint beim Suhrkamp Verlag für schlappe 7 Euro!

23.01.2005 Hauke