Tonträger

Tracklist

1. 60 %
2. USA-Holes
3. Seeing double at the triple rock
4. We march to the beat of indifferent drum
5. The marxist brothers
6. The man I killed
7. Benny got blowed up
8. Leaving jesusland
9. Getting high on the down low
10. Cool and unusual punishment
11. Wolves in wolves clothing
12. Cantado en espanol
13. 100 times fuckeder
14. Instant crassic
15. You will lose faith
16. One celled creature
17. Doornails
18. 60 % (Reprise)

NOFX

Wolves In Wolves´Clothing

VÖ: 13.04.2006
Label:
Fatwreck
Web:
http://www.nofx.com

NOFX sind seltsam. Diese Schlussfolgerung drängte sich mir direkt nach dem ersten Durchlauf des neuen Longplayers ?Wolves In Wolves? Clothing? auf. Selbstverständlich wird jedes Album der Punkrock-Veteranen herbeigesehnt wie der nächste Sommer, stets in der Hoffnung, dass es einen neuen Haufen potentieller Lieblingssongs gibt, der ebenso fein die Trommelfelle pinselt wie die allseits beliebten Klassiker.

Doch NOFX ? das sollte sich mittlerweile herumgesprochen haben ? wären nicht NOFX, würden sie eine Erfolgsspur bis zur kompletten Abnutzung ausfahren. ?Wolves In Wolves? Clothing? stellt überhaupt keine Ausnahme dar: Von den Songs bis zum Artwork spürt man diese typische Konsequenz, die Fat Mike und Gefolge seit vielen Jahren an den Tag legen. Boykottierten sie vor einiger Zeit noch die Ska-Elemente, verzichten sie nun auf jeglichen Prunk und Protz. Design und Booklet sind regelrecht spartanisch aufgemacht ? die Klo-Männchen sind tatsächlich das einzige grafische Element, das zu Papier gebracht wurde ? was zählt ist, was aus den Boxen kommt. Ingesamt 18 Songs auf der Tracklist lassen das Herz auf der Stelle höher schlagen, zumal die Teaser-EP ?Never Trust A Hippy? tüchtig Lust auf die anstehende Langspielplatte machte. Jetzt läuft die Scheibe im Abspielgerät und bestätigt uns, dass NOFX ihren eigenen Kopf hat. Sämtliche Songs wirken, als seien sie aus dem Bauch heraus entstanden. Anstatt großartig zu evaluieren, was bei den Fans wohl am besten ankommen würde und wo man noch die eine oder andere technische Spielerei unterbringen könnte, wird zu den Instrumenten gegriffen und eingespielt.

Schon im Opener ?60%? wird dieses Gefühl bestätigt: Man sei nicht unterwegs, um uns zu unterhalten, sondern um Freunde zu treffen, und 60 Prozent Leistung würden schließlich ausreichen, um die süchtigen Fans zu begeistern. Auf jeden Fall ehrlich? Unverbogen ist auch die gebotene Musik. ?Wolves In Wolves? Clothing? offenbart eine enorme Abwechslung wie sie beispielsweise auf ?White Trash, Two Heebs And A Bean? der Fall war. Die Dub-Poprock-Nummer ?The Marxist Brothers?, das Latin-angehauchte ?Cantado en Espanol? und das düstere ?One Celled Creature? führen die Hörerschaft ein weites Stück weg von dem schnellen Punkrock der ?Punk In Drublic?-Zeiten. Dieses Hit-Potential und den Dampf der alten Zeiten habe ich bereits auf ?War On Errorism? vermisst, und daran hat sich auch drei Jahre später nichts geändert. Mit ?We March To The Beat Of A Different Drum?, ?You Will Lose Faith? und dem Titeltrack sind lediglich drei richtige Raketen vorhanden, was nicht bedeuten soll, dass der Rest für die Tonne ist. Im Gegenteil, ?Seeing Double At The Triple Rock? und ?Benny Got Blowed Up? gehen auch bei gemäßigtem Tempo elegant ins Ohr. Zudem bringen NOFX mit ?Doornails? eine angemessene Hommage an einige der Kollegen wie Derrick Plourde (ehemals Lag Wagon), Jim Cherry (seinerzeit bei Strung Out, Pulley und Zero Down aktiv) und Jason Sears und Bomber Manzullo, die als RKL das kalifornische Quartett maßgeblich beeinflusst haben. Dennoch wirkt dieses Album irgendwie zu salopp, zusammengeschustert, gelegentlich unmotiviert. Und warum der Song ?Instant Crassic? nach einigen Sekunden einfach ausfadet, ist mit immer noch schleierhaft. Natürlich haben NOFX ihr Handwerk nicht verlernt, dennoch machen sich dezente Abnutzungserscheinungen bemerkbar. Ich hätte nie gedacht, solche Worte einmal über eine Band, die meinen Musikgeschmack kräftig geschmiedet hat, schreiben würde. Seltsam, seltsam?

25.02.2006 Jack