Tonträger

Tracklist

1.Ghostlost
2.Human Beings
3.Shivering Sun
4.Planet New Earth
5.All Time
6.Goodbye Star
7.Disappear
8.Cherrywood Eyes
9.Blue
10.Milky Magic Tears
11.Octopus
12.Holy Lights

INTERPOL

Turn On The Bright Lights

VÖ: 16.08.2002
Label:
Labels
Web:
www.interpolnyc.com

Dass man was vermisst hat, bemerkt man erst wieder, wenn man daran erinnert wird. So geschehen bei der ersten Begegnung mit der New Yorker Band Interpol. Es war vor einem Jahr, als ich die hierzulande nicht erhältliche "PDA" EP hören durfte. Diese vier Songs hatten so viele düstere Momente in sich, wie man sie nur von Bands wie Joy Division oder den frühen Cure-Werken kannte.

Nach weiteren EPs, jeder Menge Konzertauftritten und dem übliche Hype der britischen Musikgazetten liefern die vier Musiker nun endlich den ersten Longplayer ab. Die Zuneigung zu britischen Bands wie Joy Division, Cure, Wire und eine Prise Smiths hört man immer noch klar und deutlich. Trotz ihrer tiefen Verbeugung diesen Bands gegenüber muss man klar feststellen, dass Interpol ihren eigenen Weg einschlagen. Denn alle ihre Songs leben von der aus dem Bandsound entstehenden Intensität. Sänger Paul Banks oft beängstigende, nackte und beklemmende Stimme, die wie eine Mischung aus David Byrne und Ian Curtis wirkt. Daniel Kesslers Gitarren, die tief eintauchen in eine See aus Wavemusik, der Bass von Carlos D. treibt jeden Song noch weiter in diese geheimnisvolle Umgebung. Und Drummer Samuel Fogarino schafft es, den Hörer immer zeitig wieder aus dieser Umgebung zu holen, um sich nicht völlig dieser Leidenschaft zu ergeben. Die Songs sind einerseits völlig unnahbar, mysteriös, rätselhaft und andererseits so prägend durchsetzt mit Klarheit, dass einem schon bange werden kann.

Manchmal wirken die Werke schlafwandlerisch wie bei "Hands away", einerseits stark atmosphärisch "Obstacle 2", und Songs wie "PDA" oder "Roland" haben so viel Dynamik in sich. "Turn on the bright Lights" ist sicherlich ein dunkles Album, in dem man kaum ein helles Licht sieht. Selten waren Songs so düster und gleichzeitig so schön wie auf diesem Debüt. Am Musikhimmel leuchtet jetzt ein neuer Stern, der sich Interpol nennt.

 

15.06.2002 Hauke