Tonträger

Tracklist

1.Next exit
2.Evil
3.Narc
4.Take you on a cruise
5.Slow hands
6.Not even jail
7.Public pervert
8.C'mere
9.Length of love
10.A time to be so small

INTERPOL

Antics

VÖ: 24.09.2004
Label:
Labels
Web:
www.interpolnyc.com

Eigentlich wäre der Albumname vom Interpol Debüt ?Turn On The Bright Lights? besser geeignet für Album Nummer Zwei. Denn beim ersten Durchlauf klingen die zehn Perlen auf ?Antics? im Grundtenor einen kleinen Schimmer heller, auch wenn die Fenster mit tageslichtundurchlässigen Vorhängen verdeckt wurden. Die Bela Lugosi Pose haben sie sich erhalten, auch ihre meist schwarzen Anzüge sind gebügelt und sitzen standesgemäß. Die Liebe ist auch noch immer dieselbe, nämlich für düstere Songs, die halt wenig bis gar keinen Platz für Licht lassen, eher für Melodien, die den abgeschotteten Raum kompakt aber gleichzeitig auch sperrig überfluten.

Alles beim Alten mag man urteilen, zumal die Referenzliste, die noch immer aus Bands wie Joy Division, The Smiths und nicht zu vergessen The Chameleons besteht, sich nicht geändert hat. Trotzdem hat sich einiges geändert, und das nicht nur, da mittlerweile viele Bands auf der Retro New Wave Welle schwimmen, sondern auch in der Musik von Interpol. Denn beim zweiten Hören der zehn Titel werden sie immer dunkel, lassen kein Licht durch und berühren genauso wie anno 2002 ihr Debüt. Auch wenn hier selten so geschlossen Rockmelodien aus dem Jackett geschüttelt werden wie damals mit ?PDA? und ?Roland?. Gut, ?Evil? haben sie schon auf dem Hurricane 2003 gespielt, und ?Slow Hands? gehen ungehemmt nach vorne, dank dem pumpenden Bassspiel von Carlos D. und dem markanten, kräftigen Timbre von Paul Banks. Die es auch schafft, bei dem klerikal klingender Opener ?Next Exit? sich durch die Hammond Orgel und das schleichende Gitarrenspiel von Daniel Banks zu wandeln. Ein majestätischer Einstieg, und schon ist man zutiefst ergriffen, man fängt an, jeden Klang und jede Zeile in sich hinein zu saugen oder besser gesagt zu inhalieren. Auch auf die Gefahr hin, selbstgefällig in Schwermut zu baden, denn alle Songs leiden mit Eleganz und Anspruch. Dazu Texte, die wieder eine kryptische Handschrift tragen, das alles zusammen klingt mächtig beeindruckend.

?Turn On The Bright Lights? ist einer meiner privaten 25 All Time Favourites, und ich habe es damals gar nicht so schnell begriffen, wie groß es war. Das gleiche wird mir eventuell auch bei ?Antics? wiederfahren. Deshalb gebe ich vorsichtshalber mal 10 Punkte, der Fehler (dass ich nur neun Punkte vergebe) soll nicht noch mal vorkommen.

29.09.2004 Hauke