Interview

ERFAHRUNGEN MIT DEN FOO FIGHTERS SAMMELN

NINE BLACK ALPS
14.09.2005, Hamburg, Grosse Freiheit

Der Pool Großbritanniens muss ein unerschöpflicher sein. Gerade erst zieht der Hype der Kaiser Chiefs durch das deutsche Land und wen bringen die Jungs mit auf Tour? Die Black Nine Alps, die schon letztes Jahr einen würdigen Support abgegeben haben. Erst 2003 gegründet und Ende des Jahres spielen sie in den USA eine Tour mit den Foo Fighters, Weezer und den Kaiser Chiefs. Sänger Sam Forrest und Gitarrist David Jones versuchten das Phänomen des großen Bandpools der Insel zu erklären.

Wie viele Geheimtipps aus England seid Ihr bis jetzt noch nicht in Deutschland angekommen. Wir würdet Ihr euren Sound und eure Band einordnen?
Sam: Kraftvolle Gitarrenmusik mit noch kräftiger Verzerrung. Unseren Sound würde ich zwischen den Queens Of The Stone Age und den Beatles einordnen. Allerdings gibt es keinen richtigen Vergleich, den man hier anstellen könnte.

In vielen Interviews wie im NME werdet Ihr permanent mit Nirvana verglichen. Eure musikalischen Wurzeln sollen in Seattle liegen und Sam soll laut vielen Reportern viel Ähnlichkeit zu Kurt Cobain aufweisen. Wie geht Ihr mit diesen Vergleichen um?

Sam: Ach, das ist mir vollkommen egal. Nur weil einige Reporter kleine Fetzen vergangener Musik entdecken, kann man uns wirklich nicht mit Nirvana vergleichen.
Wir spielen so laut wie wir können und versuchen noch ein bisschen Melodie unterzubringen. Das ist eigentlich alles.

Die Band wurde im Jahr 2003 gegründet und nun seid Ihr auf Tour mit den Kaiser Chiefs und anderen großen Acts der aktuellen Musikszene. Andere Bands benötigen weitaus mehr Zeit, um auch nur in die Nähe so einer Tour oder gar einem Majordeal zu kommen. Was habt Ihr anders gemacht?

David: Wir spielten im letzten Jahr schon ein paar Gigs mit den Kaiser Chiefs. Sie bekamen vor uns einen Plattendeal und haben sich dieses Jahr an die Gigs aus dem Vorjahr erinnert und haben uns als Support angefordert, da sie es mögen, wenn Headliner und Supportact verschiedene Musik spielen.
Seit 2003 bis Anfang 2005 haben wir mehr als 200 Liveshows gespielt und so auf uns aufmerksam gemacht. Klar, wir hatten auch ein bisschen Glück.
Mit dieser Tour haben wir jetzt die Möglichkeit auch anderes Publikum zu erreichen, das normalerweise eher seichten Indierock bevorzugt.

In eurer Biografie wird darauf hingewiesen, dass ihr geschmackvolle hasst und Musik bevorzugt, die ein wenig tot klingt. Habt Ihr schlechte Erfahrung mit geschmackvoller Musik gemacht?
Sam: Ja, das ist richtig. Wir können diesen sauberen Sound auf den Tod nicht ausstehen. Bands wie Coldplay sollen mit ihrer Art von Musik lieber das Feld räumen. Sie kopieren sich von Album zu Album. Bei ihnen müssen Songs eine bestimmte Struktur aufweisen, was bei uns absolut nicht der Fall ist.
David: Es gibt wirklich Bands, die mit einer Checkliste ans Werk gehen, um abzuhaken wie der Song zu klingen hat und wie die Band auszusehen hat. Für diese Band ist Style alles. Vor Fotoshootings wird geklärt, welche Rolle sie für das aktuelle Album einnehmen wollen. Dann geht´s mit Eyelinern frisch ans Werk, um den neuen Look in die Tat umzusetzen. Den meisten Bands bleiben nur ein paar Jahre, um einen bleibenden Eindruck zu hinterlassen. Deswegen folgen viele einfach immer den neuesten Trends, um so immer aktuell zu bleiben.
Mit unser Musik folgen wir keinem Trend und versuchen auch gar nicht einen zur kreieren. Kaum eine Band klingt zurzeit wie wir. Es gibt Bands wie Queens Of The Stone Age oder PJ Harvey, die nie einem Trend gefolgt sind und immer noch bekannt sind.

Für euer Debütalbum habt Ihr euch Rob Schnapf als Produzent ausgewählt, der schon Elliott Smith produziert hat. Gab es vorher schon Verbindungen zu ihm.
David: Die von ihm produzierten Alben weisen diesen dreckigen aber wiederum auch liebevollen Sound auf. Wir lieben die Alben von Elliott Smith und deren Sound.
Wir brauchten jemand, der genau die Mitte trifft. Dreckig, aber nicht zu dreckig. Allerdings auch nicht so clean wie alle anderen Bands. Rob ist in der Lage diese Wünsche zu berücksichtigen wie er es schon bei Guided By Voices gezeigt hat. Er hat eine beeindruckende Geschichte und viel Erfahrung, die uns zu Gute kam.

Hat er euch auch ein bisschen beim Songwriting unter die Arme gegriffen oder stammt alles aus eurer Feder?
Sam: Nein. Dieses Songs stammen alle von uns. Die Entstehung ist recht einfach. Fast alles Songs werden mit der Akustikgitarre kreiert. Anschließend spielt jeder beim Proben ein paar Sachen wie er glaubt, dass es toll wäre. Instinkt und Spontaneität ist alles. Wir denken nicht wirklich nach, wenn wir so etwas machen.
Hauptsache laut und verzerrt, um so die Entstehung eines Popsongs zu verhindern.

Warum gibt es in England seit Jahren so viele neue Bands, die großartige Musik spielen während z.B. in Deutschland totale Funkstille herrscht? Habt Ihr einen großen Pool, woraus sich die Majorlabels jede Woche neu bedienen können? Was hat Großbritannien, was den anderen Ländern fehlt?
Sam: Wirklich verstehen kann ich das auch nicht. Ich war über Weihnachten in Berlin und mir ist aufgefallen, dass die hiesige Szene viel Wert auf das Drumherum legt. In England haben wir eine weitaus größere Szene für solche Musik, denen es einfach nur um die rohe Musik geht. Die Bands werden sicherlich schneller geboren, da sich die Zeitschriften fast nur mit den Indiebands beschäftigen. Dafür sterben sie auch viel eher.
David: Auch in den UK dominieren Bands wie 50Cent die Charts. Das ist unsere Generation, die so etwas hören möchte.
Viele Hörer sind es einfach Leid eine Oasis-Kopie nach der anderen zu hören. Allerdings versuchen immer noch viele Bands genau wie Oasis, Blur oder Pulp zu klingen. Zurzeit versuchen wiederum viel Franz Ferdinand und die Strokes 1:1 zu kopieren, weil es wesentlich einfacher ist, Bands wie diese zu kopieren als selbst etwas zu schaffen.
Wir kennen natürlich eine Menge großartiger Bands, aber wir müssen sie keinesfalls kopieren, um vorwärts zu kommen.

Im August dieses Jahres habt Ihr eure Japantour beendet. Warum gerade Japan und wie unterscheiden sich die Konzerte von ?normalen? europäischen Gigs?
Sam: Die Fans sind eher ein bisschen nüchterner als in Europa. Sie sind ein wenig introvertierter speziell bei den Gigs um 19 Uhr. Allerdings wollen sie auch alles mitbekommen und sind sehr interessiert an allem, was man macht. In unserer Heimat interessieren die Fans so etwas überhaupt nicht.

Wie kam die Tour in Japan zustande? Ihr habt bis zu diesem Zeitpunkt kaum die Insel verlassen und spielt schon eine Tour in Asien.
David: Wir haben im letzten Jahr ein Festival in Japan gespielt und wollten unbedingt für ein paar Gigs zurückkommen, da Bands unserer Art so gut wie nie in Asien spielen. Es war großartig ein paar Headliner-Shows zu spielen.

Mit den Kaiser Chiefs habt Ihr bereits im letzten Jahr ein paar Gigs gespielt. Seid Ihr mittlerweile Freunde, die man gern mit auf Tour nimmt?
Sam: Bevor sie richtig berühmt wurden, haben wir sie in Leeds supportet. Nachdem wir auch gesignt wurden, haben sie sich daran erinnert und wollten uns noch einmal mitnehmen.
David: In den letzten Monaten hatten sie schon häufig Bands im Vorprogramm, die nicht wirklich die gleiche Musik gespielt haben wie sie selbst. Sie mögen es mit Bands wie The Cribs oder Hard-Fi auf Tour zu gehen. Für die jetzige Tour haben sie uns ausgesucht, weil sie uns unsere Musik sehr schätzen.
Wir selbst finden es großartige in solch großen Locations spielen zu dürfen und dazu Leute mit unserer Musik zu beglücken, die sie sonst nie gehört hätten.

Bringt das nicht häufig Probleme mit sich, wenn der Support einen anderen Style verkörpert?
Sam: Klar, wie häufig hören wir den Satz: ?Schneidet endlich eure Haare ab?. Allerdings interessiert mich das nicht. Wir ziehen unser Ding durch.
David: So haben wir wirklich die Chance Menschen zu erreiche, die unsere Musik sonst nie gehört hätten. Auch in den USA werden wir in den nächsten Wochen eine Tour mit den Chiefs, Weezer und den Foo Fighters machen und so Menschen erreichen, die uns sonst nie angehört hätten. Klar, in den USA wird es schwer für uns. Aber zum Glück bereisen wir nur die West- und Ostküste, wo die Menschen offener für neue Bands sind.

Heute Abend schlüpft Ihr in die Rolle des Supportact. Ist das für euch härter als selbst der Headliner des Abends zu sein?
Sam: Wir mögen es natürlich lieber, wenn wir der Headliner sind, da die Besucher unsere Songs bereits kennen und alles auf uns abgestimmt ist. Aber Support der Kaiser Chiefs oder der Foo Fighters zu sein, ist für uns eine Riesensache. Ohne diese Bands hätten wir nie die Möglichkeit so früh in so großen Hallen spielen zu können.
David: Als Headliner besteht immer ein bisschen die Gefahr, dass man faul wird. Man muss nicht so stark wie der Support kämpfen, um akzeptiert zu werden.
Als Vorgruppe von Oasis weißt du meist nach 2 Songs, dass du besser nach Hause gehen solltest. Egal wie gut du bist, hier wirst du keinen Blumentopf gewinnen.
Unsere besten Gigs hatten wir als Headliner. Du kannst deine ganze Energie in die Musik stecken und musst weniger, um die Gunst des Publikums kämpfen.

Wer wäre eure persönliche Wahl, wenn Ihr als Headliner den Supportact bestimmen dürftet?
Sam: Ha, da nehmen wir Coldplay und lassen sie auflaufen.
David: Nein, nicht wirklich. Bands wie The Cribs könnte ich mir sehr gut vorstellen, die uns zurzeit sehr gut gefallen.
Allerdings ist es so eine Sache mit dem Support. Mir würde es schwer fallen zu einer Band zu gehen und zu sagen: ?Hey, wir sind die besseren und Ihr dürft uns begleiten?.
Sam: Wir würden auf jeden Fall eine Band nehmen, die sehr unterschiedlich zu uns ist.

Habt Ihr einen Song, den ihr live am liebsten performt?
Sam: Eindeutig ?Ironside?, weil es ein einfacher ?dummer? Song ist. Es macht einen Riesenspaß den Song zu performen, da ich so richtig ?headbangen? und schreien kann.

Gibt es für euch ein spezielles Bandritual bevor Ihr auf die Bühne geht?
Sam: Witze machen und sich einfach nur ablenken. Kurz vor dem Gig ist es immer ein bisschen als wenn wir unsere Jungfräulichkeit verlieren würden. Das ist einfach geil.
David: Ein paar mehr Bier trinken, um weniger nervös zu sein. Natürlich hat jeder so seine eigene Art mit der Nervosität umzugehen. Meistens sitzt jeder für sich noch 10 Minuten allein, um sich zu konzentrieren.

Wie sieht euer Plan für den Herbst aus?
David: Nachdem wir die Tour mit den Foo Fighters und Weezer in den USA abgeschlossen haben, werden wir im Herbst mit einer eigenen Tour nach Europa (auch Deutschland) zurückkehren. Leider nicht die großen Hallen wir heute Abend, aber eine kleine feine Clubtour, auf der wir dann noch mal richtig Gas geben können und hoffen, dass die Leute uns schon ein wenig kennen.

Ich bedanke mich für das Interview und weithin viel Spaß mit den Kaiser Chiefs auf Tour.


INTERVIEW:
Tim

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