Interview

I´M WITH PEANUT

KAISER CHIEFS
14.09.2005, Hamburg, Grosse Freiheit

In Großbritannien sind sie eine der wenigen Bands, die ihren großen Erfolg auch nach Deutschland tragen konnten. Während viele andere große britische Bands wie The Cribs oder Hard-Fi immer noch ein bisschen ein Schattendasein fristen, nehmen die Kaiser Chiefs Anlauf auf die deutschen Charts, um diese aus von ihrer Niveaulosigkeit zu befreien. Der Wechsel vom Grünspan in die Große Freiheit wegen erhöhter Nachfrage zeigt, dass sie längst kein Geheimtipp mehr sind. Gitarrist Whitey und Bassist Simon nahmen sich im Rahmen ihres Promotionmarathons ein wenig Zeit, um ein wichtige Dinge zu klären.

Ihr seid nicht zum ersten Mal in Hamburg. Im Mai habt Ihr im Logo vor knapp 200 Leuten gespielt und heute Abend, nur 4 Monate später, spielt in einer Location, die fast 6mal größer ist.
Was denkt Ihr über die Tatsache, dass Ihr jetzt fast 6mal mehr Fans habt als nur ein paar Monate zuvor?

Simon: Der Gig damals war großartig. Es war unser erster Gig überhaupt in Deutschland.
Whitey: Stimmt. Es war schon eine verdammte gute Stimmung dafür, dass uns das Publikum eigentlich kaum kannte.
Heute spielen wir erneut in Hamburg. Der Unterschied ist bloß, dass die Location ein ?bisschen? größer als im Mai ist.
Klar, es ist schon ein tolles Gefühl, wenn man ein paar Monate später am gleichen Ort 6mal mehr Fans glücklich machen kann als zuvor. Gleiches passiert auch in unserer Heimat, den USA und anderen europäischen Staaten.

Welche Gigs sind euch lieber? Größere oder kleinere Clubs?
Simon: Alle Gigs sind gut. Wie sagen die Frauen immer: ?Es kommt nicht auf die Größe an?. Hauptsache die Atmosphäre stimmt und Leute und wir haben unseren Spaß. Man muss ein Gefühl dafür haben, wann man wieder eine Location größer nimmt bei gleich bleibender Stimmung und Auslastung.

Wie geht Ihr mit dem plötzlichen Erfolg um, den Ihr gerade habt? Redet Ihr darüber, was gerade passiert oder genießt Ihr den Erfolg einfach nur und denkt nicht weiter darüber nach?
Whitey: Natürlich reden und machen wir Witze über den Erfolg und seine Auswirkungen. Allerdings meist nur, wenn wir ein bisschen Ruhe haben oder für uns selbst sein können.

Es gab ein paar Probleme bezüglich des Veröffentlichungsdatums eures aktuellen Albums ?Employment? in Deutschland. Das offizielle Datum für die Veröffentlichung war der 22.August, aber das Album gab es schon seit Juni in vielen Läden zu kaufen. Was war da los?
Simon: In England wurde das Album bereits im März veröffentlicht. Als wir dann im Mai in Deutschland auf Tour waren, kamen die Leute zu uns waren stinksauer, dass das Album nur in England erhältlich ist. Unsere Plattenfirma in Deutschland wollte das Album aber erst viel später veröffentlichen, um vorher noch mehr Promotion zu machen und den Markt zu beobachten. Somit waren sie gezwungen ein paar Alben zu importieren, um den die ersten Fans zu beruhigen.
Whitey: Das ist schon wichtig die Fans zu zu ... Was wollte ich sagen?
Simon: Dass es wichtig ist, überall auf dem Markt vertreten zu sein.
Whitey: Genau.

Es gibt ein paar Gerüchte, die besagen, dass Ricky nach dem nächsten Album der Kaiser Chiefs vielleicht die Band verlässt. Nun kennen wir den britischen Humor nur allzu gut.
Wie ernst können wir also diese Aussage nehmen?

Whitey: Diese Aussage höre ich zum ersten Mal. Gibt´s die wirklich?
Nein, diese Aussage ist als Witz zu werten.
Simon: Auch, dass er später Fitnessvideos drehen wird.

Und werdet Ihr die Kaiser Chiefs auflösen, um dann erneut eine neue Band zu gründen wie Ihr es mit der vorherigen Band Parva gemacht habt?
Whitey: Nein, im Moment sind alle glücklich so wie es ist. Wir werden sicherlich noch ein paar Alben mit dieser Band aufnehmen. Sicherlich kann es sein, dass wir in der Zukunft besser mit einem neuen Bandnamen fahren werden, aber wer weiß das schon so genau. Wir werden immer Musik machen, egal unter welchem Namen.

Eure Musik ist sehr von den britpop Bands der neunziger wie Oasis und Blur beeinflusst. Habt Ihr bis jetzt schon irgendwelche Rückmeldungen oder Reaktionen auf eure Musik von ihnen bekommen?
Ich habe gelesen, dass Damon Albarn war sehr bewegt als er euch live gesehen hat.

Simon: Er war nicht bewegt, er hat geschrieen (lacht). Es uns schon eine Ehre für uns, wenn wir von den Jungs gelobt werden, aber im Grunde sind wir doch recht verschieden.
Whitey: Ich finde eher, dass wir nicht sehr viele Gemeinsamkeiten mit Blur und Oasis haben. Zum Beispiel besitze ich nur zwei Oasis und ein Bluralbum und denke, dass es ausreicht.

Eines euer T-Shirts am Merchandisestand trägt die Aufschrift ?I´m With Peanut?. Das gilt natürlich eurem Keyboarder. Aber warum?
Simon: Oh, gute Frage. Kennst Du den Spruch ?I´m With Stupid?? Wir haben einfach nur das Stupid gegen Peanut ausgetauscht. Es ist einfach nur ein großer Gag, den Peanut bis heute nicht verstanden hat (lacht).
Whitey: Er hat häufiger Probleme unsere Witze zu verstehen.

Ricky hat mal in einem Interview gesagt, dass Peanut der coolste Typ überhaupt ist. Was ist so besonders an ihm auch im Hinblick darauf, dass er immer einen Hut trägt?
Beide: He´s a special guy.

Simon: Er ist einfach cool, ohne dass es man es jetzt näher beschreiben könnte. Er macht immer viele Sachen anders als wir es machen würden. Warum trägt er einen Hut? Peanut, warum trägst Du immer einen Hut?? (brüllt zu Peanut herüber, der ebenfalls ein Interview gibt).
Peanut: Weil ich cool bin.
Simon: Noch Fragen?

Als Ihr das letzte Mal hier in Hamburg gespielt habt, musste Ricky plötzlich die Bühne verlassen. Nach der Show wurde gemunkelt, dass er sich übergeben musste.
Simon: Echt? Hmm, das kommt bei Ricky häufiger vor. Vor und nach den Shows fühlt er sich immer krank und scheiße, weil er so irre nervös ist.
Whitey: Die Aufregung und das Publikum machen ihm ein wenig Angst.
Nach zwei Flaschen Weißwein fühlt er sich meist besser und das Unwohlsein ist verflogen.

Ich habe gelesen, dass euer Drummer verantwortlich für das Songwriting ist. Das ist ziemlich ungewöhnlich, oder? Wir funktioniert das und was macht der Rest von euch in der Zeit?
Simon: Nicht nur er allein. Er spielt häufig etwas Neues am Schlagzeug, wo wir dann häufig einsetzen, um so beim Proben neue Songs entstehen.
Nick arbeitet auch häufig mit Ricky zusammen und so entstehen unsere Songs.
Klar, er ist der Ideengeber und der Mann, der das Ganze umsetzt.

Schreibt er auch die Texte, die ja meist sehr positiv sind und vom täglichen Leben handeln?
Wer von euch hatte die brillante Idee den Song ?Nanananana? zu schreiben?

Simon: Das unser spezieller Bluessong.
Ich denke nicht, dass wir nur positive Texte haben. Allerdings handeln die meisten Songs wirklich von täglichen Dingen.
Whitey: Ich liebe diesen Song. Er ist wohl der einfachste, den wir je geschrieben haben. Der Song besteht nur aus ein paar Worten, ist aber trotzdem sehr catchy.
Simon: Nicht mehr als drei Akkorde, damit sich Whitey das ganze merken kann.
Whitey: Nicht jeder auf der Welt spricht englisch, aber ?nananana? kann jeder sagen. Es ist sehr universell und das Publikum, egal wo, kann diesen Song mitsingen.
Simon: Als wir in Japan gespielt haben, wurde auch gleich dieser Song ausgekoppelt und die Japaner kannten somit den Song auf unseren Konzerten am besten.

Euer Album wurde vom Langzeitproduzenten von Blur produziert. Warum habt Ihr gerade ihn ausgewählt?
Whitey: Er produziert einfach Alben, die sich gut verkaufen. Er verfügt über hervorragende Reputationen und ist billig.
Simon: Wir haben uns mit ihm für eine Probeaufnahme eines Songs getroffen und anschließend waren beeindruckt. Er macht einen guten Job.
Whitey: Seine Professionalität ist nicht zu verachten und somit hat er die Hälfte des Albums produziert. Steve Harris hat die andere Hälfte produziert. Seine Aufgabenbereiche waren mehr die ruhigeren Songs. Außerdem ist er ebenfalls sehr billig.
Simon: Mit ihm hatten wir zuvor ein paar B-Seiten aufgenommen, was er sehr gut gemacht hat und außerdem ist er ein verdammt netter Mensch.

Auf dem Cover der neuen Ausage des NME-Magazin habe ich gesehen, dass Ihr mit den Foo Fighers, Weezer und Ricky Wilson im Oktober auf Tour in den USA geht.
Wie ist dieser Kontakt zustande gekommen und wer hatte die Idee für die Tour?

Whitey: Dave Grohl hatte die Idee. Er mag das Album und die Kaiser Chiefs.
Simon: Wir haben vorher mit ihnen schon mal gespielt, und er hat sich das Album besorgt. Dann hat er eine Anfrage an unsere Plattenfirma gerichtet und anfragt, ob wir nicht Lust hätten die Foo Fighters in den USA zu supporten.

Seid Ihr in den USA ebenso erfolgreich wie in Europa?
Whitey: Erfolgreich in den USA bedeutet, du musst mehr als zehn Millionen Alben verkaufen. Auf dem Rockmarkt halten wir uns ganz gut. Das Ganze gilt allerdings nur für den Osten und Westen. Im Zentrum der USA ist es hart. Dort schafft es kaum ein ausländischer Act zu Aufmerksamkeit der Amerikaner zu bekommen.
Somit spielen wir auf dieser Tour fast nur auf der Ost- oder Westseite der USA.

In der Einleitung eures Booklets schreibt Ihr: ?Employment is suitable for 6 milion listeners?.
Im Hinblick darauf, dass Ihr jetzt die Platinauszeichnung für euer Album in Großbritannien bekommen habt, klingt dieses Statement gar nicht mehr so unrealistisch. Wusstet Ihr von vornherein, dass es nicht nur ein Witz sein könnte?

Simon: Nein, es war damals nur ein Witz. Keiner konnte ahnen, dass wir mit unserem Debütalbum so viel Erfolg haben werden.
Whitey: Es war auch nicht unsere Idee. Das Artwork für das Album haben wir einen Freund überlassen, der alles in Eigenregie gemacht hat. Auch dieser Satz stammt aus seiner Feder. Wir finden es lustig, was er macht.

Was hat sich für euch am meisten geändert seit der Veröffentlichung von ?Employment? und dem damit verbundenen Erfolg?
Whitey: Wir haben kaum ein Privatleben, weil wir so gut wie nie zu Hause sind. Zurzeit sind wir immer auf Tour und haben jetzt viel mehr Geld als früher.
Weniger echte Freunde. Zu Weihnachten werden wir eine größere Pause einlegen, um ein bisschen zu Hause feiern zu können.

Welche Eigenheiten könnt ihr bezüglich eurer Bandkollegen am wenigsten leiden?
Whitey: Nicht das ich wüsste. Wir haben keine Probleme untereinander, obwohl wir häufig im Tourbus schlafen müssen.
Simon: Wir kennen uns jetzt teilweise seit mehr als zehn Jahren. Somit kennen wir alle unseren schlechten Eigenschaften und können damit gut umgehen.

Ich bedanke mich.

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