Tonträger

Tracklist

01. Intro
02. Correndo Solo
03. Dalla Grotta
04. Punta Raisi
05. Al Carneval
06. La parabola dei Battagghi
07. Ultima età
08. Non è tempo di campare
09. Onda Pazza
10. La Cretina Commedia
11. Perduto Maggio
12. La mia terra
13. Casa Memoria

TALCO

La Cretina Commedia

VÖ: 20.08.2010
Label: Destiny Records
Web: http://www.myspace.com/talcopatchanka

Überraschung! Talco beglücken uns mit einem neuen Album! Nachdem „Mazel Tov" die Herzen im Sturm erobern konnte, dürfen wir uns voller freudiger Erwartung die Hände reiben und zugleich hoffen, „La Cretina Commedia" mit einer identischen Euphorie abfeiern zu können. Für das neue Werk haben sich die sechs Norditaliener einiges vorgenommen, so stehen die insgesamt zehn Songs plus Einleitung plus zwei kurze Zwischenspiele ganz im Zeichen von Guiseppe Impastato, einem ehemaligen italienischen Politiker, der nach einem Streit mit seinem Vater Luigi des Elternhauses verwiesen wurde und fortan der Mafia, die auch in seiner Familie Einzug hielt, den Kampf ansagte. Dieser endete im Jahr 1978, als der damals erst 30-jährige Impastato einem Bombenattentat zum Opfer fiel.

Seine Geschichte rollen Talco nun mit einem kompletten Konzeptalbum auf, berücksichtigen dabei aber stets ihre musikalische Stärke, die in der Kombination von schnellen Punkrocksongs mit eingängigen Bläsereinsätzen und einem Hauch osteuropäischer Folklore liegt. Damit konnten die Italiener bislang absolut begeistern, weswegen es fahrlässig wäre, ein anderes Rezept – abgesehen vom thematischen Rahmen – auszuprobieren. „La Cretina Commedia" beginnt großartig: Mit „Dalla Grotta" und „Punta Raisi" reißen einen gleich zwei brillante Ohrwürmer hintereinander sofort vom Hocker mit ihrem schnörkellosen Gitarrenspiel, dem einfachen, temporeichen Rhythmus und zwei Bläsern, die die Melodienführung übernehmen. Dass ich persönlich kein Wort von Frontmann Demas ausschließlich italienischem Gesang verstehe – im Booklet befinden sich dankenswerter Weise die passenden englischen Übersetzungen –, fällt nicht ins Gewicht.

Zu bemängeln ist aber, dass dieses Album nicht das außergewöhnliche Maß an Energie des Vorgängers aufrechterhalten kann. Normaler Weise stehe ich stilistischen Experimenten mit einer gewissen Skepsis gegenüber, doch im Fall von „La Cretina Commedia" hätten sie wahrlich gut getan. Je länger das Album läuft, desto berechenbarer erscheinen die Songs, auch wenn Talco mit „Perduto Maggio" seltene melancholische Klänge einbauen. „Mazel Tov" hat der Band aus Maghera nicht nur eine beachtliche Aufmerksamkeit beschert, sondern die Erwartungshaltung der Fans – zu einem solchen haben die Italiener mich mit ihrem 2008er Werk nämlich gemacht – in Bezug auf den folgenden Tonträger zugleich auf enorme Weise gesteigert. Trotz einiger genialer Stücke scheitert „La Cretina Commedia" leider an dieser riesigen Hürde. Dennoch ist es eine Anschaffung wert, da Talco nach wie vor über eine einzigartige Dynamik verfügen, die man sich nicht entgehen lassen sollte.

 

03.09.2010 Jack