Tonträger

Tracklist

1. Diamond Eyes
2. Royal
3. CMND/CTRL
4. You've Seen The Butcher
5. Beauty School
6. Prince
7. Rocket Skates
8. Sextape
9. Risk
10. 976-EVIL
11. This Place Is Death

DEFTONES

Diamond Eyes

VÖ: 30.04.2010
Label: Warner Music
Web: http://www.deftones.com

"It deeply saddens me to inform you all that our brother Chi Cheng was involved in a terrible car accident last night. He is currently in a Northern California Hospital in serious, but stable condition. I am on my way up North right now to be by his side along with the rest of our band mates and family. Chi is one of the strongest people I know, and I'm praying that his strength will get him through this. Please say a prayer for him as well." Diese vom Deftones - Sänger Chino Moreno im November 2008 verkündete Nachricht, sollte Folgen für das bereits eingespielte Album mit dem Arbeitstitel „Eros“ haben. Bist heute ist unklar, ob der Deftones-Bassist, Chi Cheng, je wieder einen Ton spielen geschweige denn eine Bühne betreten wird. Anstatt das nahezu fertigproduzierte Album „Eros“ auf den Markt zu werfen und der Meute zu geben wonach sie lechzte, entschied sich die Band zu einem Neustart. Nein, es war weniger die Band als vielmehr der angeheurte Produzent, Nick Raskulinecz, der auf dem Album einfach nicht das hörte, was er hören wollte. Somit wanderte „Eros“ in die Tonne und die Lücke von Chi Cheng wurde vorerst, durchaus adäquat, mit Sergio Vega von Quicksand gefüllt, um 2010 ein völlig ungeplantes Album namens „Diamond Eyes“ zu veröffentlichen. Steht diese Band doch sonst für unglaubliche zähe Aufnahmeprozesse mit einem kaum handhabbaren Sänger, zeigte sie diesmal eine ganz andere Seite. Mit den Gedanken bei Chi, aber trotzdem fokussiert auf die Musik, stampfte die Band „Diamond Eyes“ in nur wenigen Monaten aus dem Boden. "We're moving on with what we're doing, but we can never stop thinking about him.” So fasste Gitarrist Stephen Carpenter die Situation durch aus treffend zusammen.

Über den Inhalt von „Diamond Eyes“ kann man sich sicherlich Stunden und Tage schriftlich wie auch verbal auslassen oder einfach Chino Glauben schenken: "There's a lot of sex and violence in it, happiness, sadness. I figured people are going to expect a sad record, a dark record, a pity record, given the circumstances we've been through. If anything, that's what I wanted to stray from. I didn't want to come off sounding like a victim."

Der erste Hördurchlauf wird in Gedanken von einem weißen Pony begleitet. Kaum jemand hätte es noch für möglich gehalten, dass es zurückkommt, obwohl es doch so untrennbar mit dieser Band verbunden ist. Einerseits löst es beim Hörer Beklemmungen aus, andererseits steht es aber auch für grenzenlose Freiheit. Wie die früheren Alben der Deftones lebt "Diamond eyes" in erster Linie von seiner Atmosphäre. Irgendwo zwischen den satten Gitarrenwänden, dem Schlagzeuggewitter und Chino Morenos weinerlich aggressivem Gesang lugt eine merkwürdig behagliche, spannungsgeladene Grundstimmung durch die Wolken. Es scheint als wäre alles wie früher. Ein weißes Tier ziert das Cover, Chino wiegt nur noch die Hälfte und schreit sich endlich wieder druckvoll die Lunge aus dem Hals als würde er die vergangenen Alben verfluchen, die teilweise so lasch und uninspiriert die Masse der Deftones – Fans von Mal zu Mal zu schrumpfen ließ. Unglaubwürdig? Dann kurz bis zu „Cmnd/Ctrl“ durchskippen und lauschen, nein, besser staunen. Ein Blick ins neue Video zu „Rocket Skates“ bestätigt die Rückkehr zu den Wurzeln. Eine alte Lagerhalle muss wie im Klassiker „Be Quiet And Drive (Far Away)“ ausreichen, um das Songmaterial wie früher in bewegten Bildern darzubieten.

Die Deftones präsentieren sich mit einer Geschlossenheit, die selbst zu Zeiten des weißen Ponys nicht derartig ausgeprägt war.Nicht immer muss ein Fortschritt erkennbar sein. Auch Rückschritte können eine Band vorwärts bringen.

10.05.2010 Tim