Tonträger

Tracklist

1. If It Wasn't For Hate We'd Be Dead By Now 
2. Dstryr And Dstryr
3. It's Not The End Of The World But I Can See It From Here 
4. Where We Belong
5. Next Stop Atro City 
6. For He's A Jolly Good Felon 
7. A Better Nothing 
8. Streets Of Nowhere 
9. Dirty Little Heart 
10. Darkest Blue 
11. The Light That Burns Twice As Bright

LOSTPROPHETS

The Betrayed

VÖ: 29.01.2010
Label: Sony Music
Web: http://www.lostprophets.com/

“Es ist das beste Album, das wir bis jetzt gemacht haben – mit Abstand”. Gut, was soll Sänger Ian Watkins auch sonst sagen? „Die letzten Alben waren besser, aber wir schulden der Plattenfirma noch ein Album bevor wir wechseln dürfen“. Er hätte vielleicht noch ergänzen können, dass es mit einer dreiviertel Million das teuerste Album der Bandgeschichte war. Auch dauerte es so lange wie keines seiner Vorgänger. Zwei Jahre schraubten Lostprophets an „The Betrayed“ herum bis es ihren Ansprüchen gerecht wurde. Ein Witz in den Augen von Axl Rose. Dieser lange Zeitraum ist aber nicht ihrer unglaublichen Kreativität geschuldet. Nein, viel mehr haben sie derart viele Produzenten in den Wahnsinn getrieben, bis zum Schluss der eigene Bassist herhalten musste, um den gewünschten Sound zu zaubern. Ob Ilan Rubin, seines Zeichens Schlagzeuger, zwischenzeitlich die Lust verloren hatte oder er sauer war, dass er das Album nicht produzieren durfte, ist nicht bekannt. Auf jeden Fall bedient er jetzt die Schießbude bei den Nine Inch Nails. Es gibt durchaus schlechtere Transfers in der Musikbranche.

Was bieten uns nun die Kajal-Bande mit den knallengen Hosen und den einheitlich schwarzgefärbten Haaren aus dem schönen Wales? Ein ähnlichen musikalischen Absturz wie ihn uns AFI seit Jahren präsentieren? Mehr Evian für den Luxuskörper und noch mehr Weichspüler für jedes neue produzierte Album? Nein, auch wenn das Video zu „Where We Belong“ den Eindruck einer Rückkehr der New Kids On The Block vermittelt, steht „The Betrayed“ für Qualität und nicht für die optischen Beglückung der Bravo-Generation.

Wie sagte schon unser Torwart Titan aus München: „Eier, wir brauchen Eier.“ Diese haben die Mannen um Ian Watkins wieder aus dem Schrank geholt nachdem sie mit dem letzten Album eher das morgendliche Radiopublikum auf dem Amt glücklich gemacht haben. „If It Wasn´t For Hate, We´d Be Dead By Now“ läutet “The Betrayed” geschmeidig ein. "Dstryr/Dstryr" dagegen könnte auch einen der hinteren Platz auf einem Rage Against The Machine – Album belegen. Hier gibt es wie in den früheren Tagen vom bunten Teller bevor es zur eigentlichen Hymne des Albums geht’s. „Where We Belong“ zieht alle Register, die es gibt, um auf jedem Festival und Konzert zur Mitgröhlhymne schlechthin zu werden. Aber auch „It´s Not The End Of The World, But I Can See It From Here“ geht nicht spurlos am Hörer vorbei. Mehrstimmig präsentieren sich die Lostprophets mit Gitarrensolis, die selbst Muse nicht zu billig wären. „Streets Of Nowhere“ ist dann schon fast eher der Indiekracher auf the „The Betrayed“. Hier darf das Tanzbein geschwungen werden, wenn man denn hinterher kommt. Auch der Stop in Astro – City lohnt sich. Hier gibt es 3:02 Minuten „The Fake Sound Of Progress“.

Man kann (will) es kaum glauben, aber Lostprophets sind wieder eine Alternative für die Freunde der etwas härteren Gangart mit Melodie. Die zwei Jahre und das bisschen Kleingeld haben sich gelohnt.

06.02.2010 Tim