Interview

ST. PAULI SUPPORTER

ALEXISONFIRE
14.11.2009, Hamburg, Docks

Die Eastpak Antidote Tour legte einen Stopp in der schönen Hansestadt ein. Eine ihrer Headliner stammen aus dem schönen Kanada und ist eine der großen Post-Hardcore Bands unserer Zeit. Daher schnappten wir uns Wade McNeil, um über seine Zugehörigkeit zu Alexisonfire sowie dem neuen Album "Young Cardinals" zu reden.

Ihr seid gerade auf der Eastpak Antidote Tour. Wie läuft’s bislang?
Wayde: Super! Es ist zwar eine sehr lange und anstrengende Tour, aber wir hatten die Möglichkeit in Orten zu spielen, in denen wir vorher noch nicht waren, das war toll. Ja, alles in allem eine tolle Tour! Weißt du, wir haben in Europa so ziemlich die offenherzigsten und meist aufgeschlossenen Leute auf den Konzerten erlebt. Es sind sehr unterschiedliche Bands auf dieser Tour, aber alle haben  von den Fans die Anerkennung bekommen, die sie verdienen.

Sind denn die Fans in Europa anders als beispielsweise in Amerika oder Kanada?
Wayde: Ich denke es gibt viele Dinge die die Menschen, egal wo sie zu Shows gehen vereinen. In Europa ist mir aber besonders aufgefallen, dass die Leute schon lange vorher draußen warten und trinken oder einfach schon reingehen in den Club, sich hinsetzen und sich einfach entspannt mit dir unterhalten wollen. In Amerika geht es manchmal mehr nach dem Prinzip „Rein:Raus“.

Wie versteht ihr euch mit den anderen Bands auf der Tour? Haben sich da auch richtige Freundschaften entwickelt?
Wayde: Ja wir verstehen uns super mit den anderen Jungs! Wir hängen viel zusammen rum. Das ist nicht immer so.

Was sind denn eure Erfahrungen mit Deutschland und natürlich speziell mit Hamburg?
Wayde: Wir hatten einige tolle Shows im Molotow hier, das ist echt ein geiler Laden für unsere Shows. Wir finden es toll, dass man hier richtig sehen kann, wie die Stadt nachts zum Leben erwacht, sie sieht nachts sogar besser aus (lacht). Wir haben eine Menge tolle Leute kennengelernt, ein paar Leute haben mich mal mit zu einem St.Pauli-Spiel genommen, das war cool!

Wie fühlt es sich denn an, vom kleinen Molotow ab ins große Docks?
Wayde: Es ist ein super Gefühl, echt. Es ist ein stetiges Wachstum zu erkennen. Aber mal ehrlich gesagt, kann bei solchen großen Bühnen schon ein bisschen was an Atmosphäre verloren gehen. Ich liebe einfach das Molotow. Wenn ich mal an alle Shows in Deutschland denke, ist dies definitiv der geilste Laden.

Lass uns über euer neues Album „Old Crows: Young Cardinals“ reden. Was hat es mit dem Titel auf sich?
Wayde: Wir haben einen Song namens „Young Cardinals“ geschrieben. Er handelt textlich von allen Dingen die Menschen beschäftigen. Politik, Religion oder Liebe. Alle Dinge mit denen sich die Menschen herumschlagen müssen. Der letzte Song unseres Albums heißt „Old Crows“. Wir hatten noch keinen Titel und dachten, beide Titel zusammen das passt super, gerade weil beide Songs alles abdecken was man über die Menschen und ihre Probleme sagen kann.

Du hast bereits beschrieben, dass ihr euch auch mit Themen wie Politik und Religion auseinandersetzt. Würdest du sagen, dass Alexisonfire eine politische Band ist?
Wayde: Ich denke das kann man so nicht sagen. Klar haben wir eine bestimmte Grundhaltung die wir einnehmen, aber die Denkweisen zu bestimmten Themen gehen in der Band doch auseinander. Das heißt jedoch nicht, dass wir zu gewissen Themen einen Standpunkt vertreten.

Ihr tourt ja sehr viel. In einem anderen Interview habt ihr gesagt, ihr habt das meiste Material zu eurem neuen Album „on the road“ geschrieben. Stimmt das?
Wayde: Ja das stimmt. Man hat einfach sehr viel Zeit zwischen den Shows und da bekommt man die eine oder andere Idee für einen Song. Wir nehmen diese Ideen und sprechen darüber. Aber richtig umgesetzt werden die Songs dann im Studio

Habt ihr denn eine bestimmte Marschroute, wie ihr an die Songs herangeht oder macht ihr das richtig schön Old-School und jammt zusammen?
Wayde: Es gibt keine bestimmte Marschroute. Wir haben uns aber dieses Mal ein bisschen mehr Zeit zugestanden. Wir sitzen eigentlich zusammen und führen die Ideen zu ende. Dieses Mal wollten wir aber nicht einfach losrennen und ins Studio gehen, sondern ganz ruhig mit mehr Zeit im Rücken, alles so umsetzen wie wir das hundertprozentig wollten.

Willst du damit sagen, es wäre bei vergangenen Alben noch besser geworden, wenn ihr mehr Zeit gehabt hättet?
Wayde:
Neee so würde ich das nicht sagen. Klar, kann man Dinge überdenken, dass man das eine oder andere live anders macht. Aber ich möchte keinen einzelnen Song ändern.

Wie unterscheidet sich denn euer neues Album, von den vergangenen Werken?
Wayde: Wir versuchen immer ein Stück voran zu kommen, aber gleichzeitig unsere musikalischen Wurzeln nicht zu verlieren. Wir lieben Songs, bei denen Leute mitsingen können. Der größte Unterschied ist wohl, dass wir uns am meisten gesanglich verändert haben, besonders George. Wir harmonisieren mehr, so als würden wir wirklich zusammen singen. Das macht eine Menge aus. Dallas schreit diesmal sogar mehr als George. Wir wollten Songs, die noch ein bisschen mehr abrocken, die aber einfach rauer sind und nach vorne gehen.

Ihr scheint sehr sehr glücklich mit „Old Crows:Young Cardinals“ zu sein. Würdest du euer neues Album als das beste bezeichnen?
Wayde:
Ja, auf jeden Fall. Man kann nie hundertprozentig zufrieden sein. Aber wenn man sich nicht herausfordert, dann leidet die Musik. Ich bin sehr stolz auf dieses Album.

Ihr habt ja euren bestimmten Sound, der sehr gut erkennbar ist. Aber gleichzeitig seid ihr sehr innovativ. Woher kommt all die Inspiration?
Wayde: Ich denke, das kommt einfach von den Bands, die wir am meisten lieben. Alle Bands verändern sich. Die sind auch einfach am interessantesten. Jedoch sollte man ganz krasse Sachen lieber lassen (lacht). Mir haben manche Bands das Herz gebrochen (lacht).

Die Reviews zu eurer neuen Platte waren sehr positiv. Wie geht ihr im Allgemeinen mit Interviews um? Macht ihr euch darüber Gedanken oder denkt ihr einfach: „Scheiß drauf“?
Wayde: Ich denke, du musst beim Musik machen egoistisch machen. Klar erinnert man sich mehr an die schlechten Reviews, aber wir tun alles um das nicht zu sehr an uns heran zu lassen. Ich gebe zumindest mein bestes (lacht).

Gab es denn eine Review, die euch mal richtig angepisst hat?
Wayde: Klar, besonders die, die die Musik gar nicht richtig behandeln. Weißt du, die Leute können uns gerne hassen, aber dann bitte für unsere Musik und nicht für irgendetwas anderes.

Was sind eure Pläne für das nächste Jahr?
Wayde: Erst mal Urlaub! Im Februar geht es nach Australien und danach mit Billy Talent durch Kanada. Im April kommt dann die USA dran. In Europa werden wir dann ein paar Festivalshows spielen. Und wir werden eine kleine EP herausbringen mit zwei sehr ruppigen Songs drauf.

Wir sind gespannt! Vielen Dank für das Gespräch!

INTERVIEW: Martin

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