Interview

WIR KLINGEN WIE WIR

AT THE FAREWELL PARTY
15.09.2009, Hamburg

Über 150 Konzerte in allen 16 Bundesländern, 47.000 Freunde auf der eigenen Myspace-Präsenz, dauerhafte Top10-Plazierungen in den Poppunk-Charts der soeben erwähnten Online-Plattform – At The Farewell Party scheinen sich deutlich auf dem Vormarsch zu befinden. Eine Bestätigung gab es, als die fünf Hessen im Jahr 2008 in den Bandpool der Popakademie Mannheim aufgenommen wurden, über die bereits Bands wie Revolverheld zu großem Ruhm gelangten. Fehlt im Grunde nur noch ein Debütalbum, welches es nun in Form von „Infinity Is Miles Away“ gibt, und ein paar Hintergrundinformationen, mit denen uns Gitarrist Benny Lampret versorgt.

Euer Bandname lässt erahnen, dass euch Abschiedspartys keineswegs unbekannt sind. Ist dem so?
Benny: Ich denke, jeder hat schon mal auf irgendeine Art und Weise Abschied nehmen müssen.
Mit unserem Bandnamen hat das aber sehr wenig zu tun. Das war eher ein Zufallsgriff ins Wörterbuch, wir dachten aber sofort, dass der Name irgendwie passt.

Mit welcher Absicht habt ihr damals angefangen, gemeinsam Musik zu machen?
Benny:
Wir haben damals alle schon in anderen Bands gespielt, bevor wir zueinander gefunden haben. Es ging uns allen damals ziemlich gleich, jeder von uns war recht unzufrieden mit seinen derzeitigen Band, wir alle hatten das selbe Ziel: Endlich ein neues Projekt mit dem man etwas „reißen“ kann, wo alle an einem Strang ziehen und jeder bereit ist alles zu geben, eben „richtig“ Musik zu machen.

Auf eurem Debütalbum „Infinity Is Miles Away“ widmet ihr euch hörbar dem emotionalen Poppunk und erinnert damit oftmals an ehemalige No Idea Records-Bands wie Fallout Boy oder Panic! At The Disco. Besteht darin euer maßgeblicher Einfluss?
Benny:
Nein, eigentlich nicht. Es fließen bei uns sehr viele verschiedene Einflüsse mit ein, jeder von uns fünf hat da ganz andere Vorlieben. Ein paar Alben von Fallout Boy stehen zwar auch in unseren CD Regalen, aber letztendlich machen wir die Musik, auf die wir Bock haben und manchmal auch Songs, die ganz und gar untypisch für Pop Punk sind, wie zum Beispiel bei „To The Top“ und „Final Nights“. Unser Ziel ist jedenfalls, so zu klingen wie ATFP, und das tun wir auch.

Stellt es nicht heutzutage eine Gefahr dar, eine solche musikalische Richtung einzuschlagen? Schließlich keimt oftmals der Vorwurf auf, man würde als Newcomer, der dem entsprechenden Genre entspringt, lediglich den Versuch starten, auf einen aktuellen Erfolgzug aufzuspringen.
Benny:
Oh ja, solche Vorwürfe mussten wir uns schon oft anhören, aber wir sind ganz sicher nicht auf irgendeinen Zug aufgesprungen. Das, was du auf der Platte hörst, sind zu 100% wir, das ist At The Farewell Party. Das ist die Musik, die uns antreibt. Wir wollen nicht klingen wie diese oder jene Band, und uns nicht an einen kurzzeitigen Erfolg anlehnen, wir wollen nachhaltig Musik schaffen und das machen, was uns einfach Spaß macht. Mal sehen was das nächste Album bringt.

Beim Hören der Songs fällt auf, dass ihr stilistisch durchaus variantenreich zu Werke geht. Spiegelt dies euren vielseitigen Musikgeschmack wieder?
Benny:
Oftmals hören Freunde von uns, wenn sie in das Album hineinhören, ganz andere Parallelen zu anderen Bands heraus, als wir selbst. Das ist interessant zu beobachten. Also ja, unseren Musikgeschmack würde ich schon als recht vielseitig beschreiben, aber wenn wir viele verschiedene Elemente in unseren Songs verarbeiten, geschieht das wohl eher aus dem Unterbewusstsein heraus.

Ein Blick auf eure Texte offenbart Zeilen wie „I think I’m gonna die alone“, „My body’s falling down and seems to crash“ und „I’m so cold, can you turn on the light“, die keineswegs nach einem sonnigen Gemüt klingen. Welche Gefühle haben euch beim Schreiben eurer Songs hauptsächlich inspiriert?
Benny:
Haha. Da hast du dir ja die ‚bösesten’ Zeilen herausgesucht. Nein, das Leben besteht nicht immer nur aus Sonnenschein und das hat jeder von uns schon erfahren dürfen. Aber wir wollen mit unseren Texten auf nicht etwa sagen: „Seht her, uns geht es ja so schlecht“, sondern berichten, weitergeben und zum Nachdenken inspirieren. Und dabei hat uns einfach das Leben an sich inspiriert und was inspiriert schon mehr als das Leben selbst?

„Infinity Is Miles Away“ klingt von der Produktion her absolut erstklassig. Wie einfach ist es für eine junge Band, im Jahr 2009 einen derartigen Sound auf ein Debütalbum zu bekommen?
Benny:
Danke! Das haben wir alles unserem Produzenten Andi Kunze zu verdanken. Er saß monatelang hinter den Reglern und hat geschuftet wie ein Irrer, um auf das Ergebnis zu kommen, das da bei dir gerade aus den Boxen kommt. Das Schwierige dabei ist, jemandem mit „Know-how“ zu finden, der genauso an dich und die Sache glaubt wie du selbst.

Laut Bandinfo habt ihr bereits in allen 16 Bundesländern auf der Bühne gestanden. Konntet ihr gravierende Unterschiede feststellen, beispielsweise was die Stimmung oder die Akzeptanz seitens des Publikums betrifft?
Benny: Im Norden, Westen und Süden sind wir bis jetzt immer auf Akzeptanz und positive Stimmung gestoßen. Klar, gab es auch Leute, die unsere Musik nicht mögen, aber das ist okay und völlig normal. Ich mag auch nicht alles! Im Osten Deutschlands wollen wir noch öfter spielen, das haben wir auch bei der Release Tour berücksichtigt und freuen uns schon sehr, neue Städte und ihr Publikum zu entdecken.

Wenn ihr euch eine Band wünschen dürftet, für die ihr den Anheizer spielen sollt, welche wäre dies – und aus welchen Gründen?
Benny:
Momentan ganz klar Green Day, weil sie einfach die größte Band in einem sehr ähnlichen Genre sind und wir natürlich auch sehr gerne mal vor 30.000 Leuten in einer Arena spielen würden.

Nicht umher komme ich um die eine oder andere Frage zum Thema Internet: Mittlerweile habt ihr knapp 47.000 Freude auf eurer Myspace-Präsenz, worauf im Rahmen der Albuminfo natürlich verwiesen wird. Hinzu kommen rund 500 tägliche Aufrufe eurer Songs und Dauerplatzierungen in den Myspace-Indie-Charts. Ist eine Myspace-Seite mittlerweile für jede Band überlebenswichtig?
Benny:
Myspace ist noch die populärste Musik-Community im Netz. Es ist für Bands nach wie vor die beste und günstigste Art sich zu präsentieren und gerade deshalb auch sehr wichtig. Aber ‚überlebenswichtig’ ist vor allem der Glaube an sich selbst!

Eine beliebte Frage, die die Gemüter spaltet: Wie sehr hilft es euch als aufstrebender Band, dass es mittlerweile zu einem multimedialen Volkssport geworden ist, komplette Alben kostenlos herunterladen zu können?
Benny:
Meinst du legal oder illegal? Ich denke auf beide Weisen hilft es. Hauptsache, die Musik und der Bandname werden weitergetragen, wenn man noch am Anfang ist. Klar tut es der Bandkasse ein bisschen mehr weh, wenn die Songs nicht kostenpflichtig heruntergeladen werden, aber wenn der Effekt derselbe bleibt, nämlich dass umso mehr Leute zu den Shows kommen, bringt es einen in der Hinsicht wieder weiter! Übrigens: Für Sparfüchse und Liebhaber von iPod und MP3-Player bieten wir das Album via Downloadkarte für einen sehr viel günstigeren Preis an. Das ist günstiger als illegal!

Nun steht vorerst eine ausgedehnte Deutschland-Tour auf dem Programm. Gibt es bereits Anfragen – beispielsweise in Bezug auf Auftritte oder Veröffentlichung eures Albums – von jenseits der deutschen Grenze? Die Japaner haben sich in den letzten Jahren für Rockmusik als sehr begeisterte Hörerschaft erwiesen…
Benny:
Die Anzahl der Downloads unserer Single „Fire!Fire!“ via iTunes sagen da nichts anderes. Auch in Japan scheinen wir schon erste Fans gefunden zu haben. Das Album wird ab dem 19.Oktober weltweit erhältlich sein. Für nächstes Jahr sind auch schon erste Shows in Österreich, in der Schweiz und Luxemburg geplant. Darüber hinaus schauen wir mal wohin der Wind uns treibt.


Vielen Dank für die Beantwortung meiner Fragen. Und vielleicht sieht man sich bei dem einen oder anderen Auftritt in nächster Zeit!
Benny: Wir danken dir! Und wir würden uns sehr freuen, dich und alle Leser bei unseren Shows begrüßen zu dürfen. Bis bald!

INTERVIEW: Jack

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