Tonträger

Tracklist

1. Adding insult to injury
2. To hell with honesty!
3. The devil and the see
4. A bolt from the blue
5. Virtues
6. Far from eye, far from heart
7. Overcome the veil
8. Counterparts
9. The end of all things
10. Affection & anguish

DISTANCE IN EMBRACE

To Hell With Honesty!

VÖ: 15.05.2009
Label: Horror Business Records
Web: http://distanceinembrace.com/

Distance In Embrace – Das Quartett aus Minden trägt ein gewisses Paradoxon bereits in ihrem Bandnamen. Bei einer Umarmung die Distanz zu wahren ist sicherlich so einfach realisierbar wie Bohlens Ex-Herzdame Naddel abzukaufen, sie sei nüchtern und intelligent. Aber schließlich kursiert das geflügelte Wort, Gegensätze zögen sich an, was auf „To Hell With Honesty“ mehr als deutlich zum Tragen kommt.

Es gibt Gruppen, die benötigen ein komplettes Album, um ihre Vielseitigkeit vorzutragen. Distance In Embrace gelingt dies schon beim Opener „Adding Insult To Injury“, der binnen fünf Minuten und zehn Sekunden mit einem unglaublichen Facettenreichtum aufwartet. Paaren sich zu Beginn der Nummer verspielte Gitarren in Stile von Thrice zu Zeiten von „The Illusion Of Safety“ mit einem flotten Rhythmus und aggressiven Gesangseinlagen, so sehen sich die Ohren plötzlich mit ruhigen, atmosphärischen Klängen konfrontiert, ehe erneut zum wütenden Sturm geblasen wird. So ist es der jungen Formation von der Weser zugute zu halten, dass sie ihre Musik zu keinem Zeitpunkt berechenbar gestalten. Kaum haben sich die Gehörgänge auch Melancholie eingestellt, gibt es eine gepflegte Abreibung, die mitunter auch im Eiltempo durchgeführt wird („Virtues“). Und verfügt ein Refrain einmal über astreine Harmonien („The Devil And The Sea“), dann bolzen Distance In Embrace eine Riff-Dampframme aus den Instrumenten. Facettenreichtum über alles!

Das Problem an „To Hell With Honesty“ ist, dass die Komplexität dem Album mit zunehmender Dauer seine Frische nimmt. Ab einem gewissen Punkt, der sich im hinteren Drittel der 39 Minuten Spieldauer befindet, schleicht sich ein leichtes Unbehagen ein: Es drängt sich der Eindruck auf, dass die metallische Mischung aus Screamo und Post-Hardcore nicht mehr so zünden möchte, wie sie es noch zu Beginn des Albums tat. Tatsächlich gelingt es der Band nicht, gen Ende noch einmal frische Akzente zu setzen, was diese Veröffentlichung von einer hohen Bewertung distanziert. Als Entschädigung gibt es dafür eine DVD. Richtig, Distance In Embrace – man bedenke ihren Status als aufstrebende, ambitionierte Kapelle – garnieren ihr insgesamt drittes Studiowerk mit einer professionellen Zusammenstellung von Live-Aufnahmen, Tour-Dokumentationen und Blicken hinter die Kulissen des gemeinsamen Musizierens. Das verdient Respekt und schafft Aufmerksamkeit, die sich die umarmenden Distanzierer trotz kleiner Durchhänger verdient haben.

10.08.2009 Jack