Tonträger

Tracklist

1.  The Riverbank
2.  London Is The Reason
3.  Leeches
4.  Black Eyes
5.  I Dread The Night
6.  Death Voices
7.  The Vulture (Acts I & II)
8.  The Riverbed
9.  The Great Forgiver
10. Graves
11. Queensberry Rules
12.  Misery
13.  Crucifucks

GALLOWS

Grey Britain

VÖ: 01.05.2009
Label: Warner Music
Web: http://www.gallows.co.uk/

95 seconds of silence. Das Album verschwindet im Player und man erwartet, dass die Gallows einen wie eine Herde dieser schönen, aber mächtigen Tiere überrennt. Zertrampeln, zermalmen und die leere Hülle beiseite schieben in Erwartung des nächsten unschuldigen Opfers. Zum Erstaunen des Zuhörers startet „Grey Britain“ mit einer Geräuschkulisse, die dem des alten Edgar Wallace – Klassikers „Der Hund von Blackwoodcastle“ sehr nahe kommt.

Wir schreiben die Minute 1:49 bevor Schlachter Frank Carter zum Tanz bittet. Goldkelchengleich verkündet er die Rückkehr der Gallows auf das internationale Parkett. „Grey Britain is burning down … the Queen is dead and so is the crown” brüllt Carter voller Hass ins Mikrophon. Der desolate Zustand seines Landes, nein, des gesamten Königreichs bringt ihn derart in Rage, dass man gar vom Aufstand der Arbeiterklasse sprechen könnte. War der textliche Tiefgang auf „Orchestra Of Wolves“ noch überschaubar, so bietet „Grey Britain“ jede Menge politische Statements über die sozialen Zustände, über ein ignorantes Miteinander, über den Schmutz und die Kriminalität. Kurz: über alles und jeden im Reich der Briten. Dass die Jungs einen millionenschweren Deal mit Warner abgeschlossen haben und sich gleich mal GGGarth Richardson (Rage Against the Machine, Rise Against) als Produzenten gegönnt haben, verschweigen wir an dieser Stelle. Andernfalls wäre die Authentizität dieses doch hervorragenden Albums in Gefahr.

Nicht nur aufgrund der neuen lyrischen Ausrichtung, sondern wegen des noch kompromissloseren Sounds könnte „Grey Britain“ jetzt für den lang ersehnten Durchbruch sorgen.

„Grey Britain“ steht für eine gnadenlose Tour de force aus ungezügelten Gitarren, krachendem Schlagzeug und einem völlig enthemmt kreischenden Carter halten Gallows über 50 Minuten lang einer gescheiterten Gesellschaft den Spiegel vor. Hieß es noch vor Jahren „Refused are fucking dead“ gilt dies nun für das gesamte Königreich. „The Union Jack has bled away, it’s black and white, and it's fucking grey." Kaum ein Sänger kann sich derart schön auskotzen, dass es Musikgrößten wie Madball oder Sick Of It All warm ums Herz wird. Das hysterische Quieken eines sterbenden Schweins am Ende von „Misery“ setzt dem Konzeptalbum der Gallows noch die Krone auf. Dass es sich hierbei nicht etwa um eine Liveaufnahme aus dem Schlachthof handelt, musste Herr Carter vor der versammelten Presse zugeben.

Trotz hysterischen Schweinen aus der Dose ist es amtlich. „Grey Britain“ wird sich zu einem der besten Hardcore – Alben des Jahres 2009 mausern. Wer bisher dachte, die Tommys hätten nur Indie-Bands am Start, dem sei „Grey Britain“ ans Herz gelegt. Neben musikalischen Gewaltexzessen bieten die Gallows dem Hörer gar klassische Klänge wie im schönen Stück „Crucifucks“, der den ausgelaugten Hörer sanft in den Schlaf wiegt.

20.05.2009 Tim