Tonträger

Tracklist

1. We Called It America
2. The Quitter
3. First Call 
4. My Orphan Year
5. Blasphemy (The Victimless Crime)
6. Creeping Out Sara
7. Eddie, Bruce and Paul
8. Best God In Show
9. Suits and Ladders
10. The Agony of Victory
11. I Am an Alcoholic
12. One Million Coasters

NOFX

Coaster

VÖ: 24.04.2009
Label: Fatwreck
Web:
http://www.nofx.com

Der gute, alte Silberling hat ausgedient: Mit ihrem neuen Album tragen NOFX die kleinen, schillernden Scheibchen zwar nicht komplett zu Grabe, dafür messen sie ihnen eine neue Funktion bei. Fortan wird die rotierende Position im Abspielgerät in eine entspannte Rolle zwischen Tischplatte und Trinkgefäß eingetauscht. Treffend dazu nennen die vier Punkrock-Veteranen das frische Werk „Coaster“, also Bierdeckel.

Wer NOFX kennt, der weiß, dass Fat Mike und Konsorten wahre Meister in Sachen Sarkasmus und Understatement sind. Natürlich kloppen sie angesichts dieser Veröffentlichung nicht massiv auf die Tonne, sondern zeigen sich vielmehr besorgt um den einwandfreien Zustand des Tisches. Ach ja, ganz nebenbei befinden sich auch noch zwölf Songs drauf.

Traut man sich tatsächlich an die aktuellen Früchte des NOFX’schen Schaffensdranges heran, dann erlebt man keinerlei Überraschungen. Die Kalifornier spielen sich locker und souverän durch die Nummern, die „Coaster“ zwar abwechslungsreich wirken lassen, das bekannte Spektrum der Band jedoch zu keinem Zeitpunkt sprengen. Nach wie vor produziert das Quartett bodenständige Midtempo-Songs („We Called It America“, „The Agony Of Victory“, „The Quitter“), furiose Vollgas-Kracher („One Million Coasters“, Eddie, Bruce And Paul“, „My Orphan Year“) und gemütliche Ska-Nummern („Best God In Show“). Auch von Trompeteneinsätzen oder Bass-Einleitungen haben sich NOFX nicht verabschiedet, ebenso wenig mangelt es an Songtexten, die sich klassischer Weise erneut irgendwo zwischen Tagebuch und erhobenem Zeigefinger befinden. So besingt Fat Mike zum Beispiel in „My Orphan Year“ das Jahr 2006 als das Jahr, in dem er sich bedauerlicher Weise von seinen Eltern für immer verabschieden musste, in „Creeping Out Sara“ berichtet er von einem Treffen mit Sara von der kanadischen Indieband Tegan & Sara, die er auf einem Musikfestival in Deutschland nach bewusstseinserweiternden Substanzen fragte und sich damit ihren Unmut zuzog. Und wo der alte Hase gerade beim Thema ist, leistet er in „I Am An Alcoholic“ mit den Worten „Can’t Stop Taking Drugs“ einen klaren Offenbarungseid. Askese scheint im Hause NOFX auf der Liste der Fremdwörter zu stehen, in bester Gesellschaft zu dem Begriff Enttäuschung. Denn „Coaster“ ist alles andere als ein misslungenes Album, teilweise vielleicht ein wenig zu abgeklärt, aber in der Hauptsache eine hörenswerte halbe Stunde Musik. Zudem existieren Veröffentlichungen, die als Unterlegscheiben für Gläser eine wesentlich bessere Figur machen als als Tonträger.

01.05.2009 Jack