Tonträger

Tracklist

1. Eat your Lies
2. Jimmy's day
3. Miracle
4. Emily
5. The shadow
6. Wake up
7. Sunset drive
8. Modern Messiah
9. Not enough
10. Memories
11. Showdown
12. Notorious

ONE FINE DAY

One Fine Day

VÖ: 20.03.2009
Label: Ferryhouse Productions
Web: www.onefineday.de

In der Musikwelt gibt es einige stilistische Chamäleons. Ein brandaktuelles Beispiel stellt „Pop-Schnuckelchen“ Jeanette Biedermann dar, die so ziemlich jede Musik macht, die derzeit angesagt ist. Von der kleinen Rockröhre zur Discomusik-Biene, und wenn irgendwann einmal der Todesmetall schwer im Kommen ist, dann wird sie diesen wahrscheinlich auch in ihr Repertoire aufnehmen. Nein, solche Vergleiche haben One Fine Day sicher nicht verdient, auch wenn sie sich von Album zu Album äußerst adaptierfreudig zeigen. Auf „Faster Than The World“ regierte noch der glattgebügelte Emorock, der Nachfolger „Damn Right“ überzeugte hingegen durch ein ruppigeres Gemüt und bemerkenswerte Ohrwurm-Refrains, und nun gibt es das selbstbetitelte Album, das wiederum eine andere Richtung einschlägt.

Den Unkenrufen, das das neue Werk diverser als alle vorigen Veröffentlichungen sei, folgen jetzt konkrete Fakten: One Fine Day sind anno 2009 stilistisch nicht mehr so einfach zu greifen. Von einer bodenständigen Poppunk-Basis aus schwärmt der Fünfer aus dem hohen Norden Deutschlands in zahlreiche Richtungen aus. Ob der Background-Gesang an die alte Metal-Schule erinnert („Modern Messiah“), schleppende Refrains einen James Bond-Streifen prima einleiten könnten („Not Enough“) oder einige Nummern schlichtweg an alte Zeiten erinnern (Showdown“, „Wake Up“) – One Fine Day bemühen sich wie nie zuvor, der Monotonie zu entkommen, was ihnen durchaus auch gelingt. Bereits mit dem eröffnenden „Eat Your Lies“ fahren die mittlerweile gestandenen Herren sowohl in Bezug auf Songstrukturen als auch in punkto Instrumentierung einige Geschütze auf, die im Laufe der folgenden elf Nummern keineswegs abgebaut werden. Hier ein Gitarrensolo, dort ein Keyboard, hier eine Frauenstimme (Pinboys-Organ Anne Kalstrup ist erneut mit von der Partie), dort vielstimmige Chöre machen die Hamburger jederzeit unberechenbar, und es ist ihnen zugute zu halten, dass diese Vielseitigkeit nicht wie über das Knie gebrochen wirkt, sondern in der Tat professionell und schlüssig. Dass eine derartige Vorgehensweise den Erfolg mit sich bringt, können beispielsweise Fall Out Boy, von denen sich One Fine Day gar nicht so weit weg befinden, und My Chemical Romance bestätigen. Doch leider ist Sänger Marten Pulmer weder ein Gerard Way noch ein Patrick Stump, sondern ein Stimmtalent, das auf dem geradlinigeren „Damn Right“ seine beste Figur machte, umzingelt von der stilistischen Vielfalt jedoch hörbar an seine Grenzen stößt. Dankenswerter Weise erhält er regelmäßig Unterstützung von seinen Mitstreitern.

Alt-Bundeskanzler Konrad Adenauer äußerte einst: „Was kümmert mich mein Geschwätz von gestern.“ Bezug nehmend auf dieses Statement können One Fine Day nur festhalten: „Was kümmert uns unser Stil des vorigen Songs.“ Aus diesem Grund sollte den 47 Minuten im Vorwege ein aufmerksames und prüfendes Gehör geschenkt werden, denn Linientreue kann man dem Quintett mit Sicherheit nicht vorwerfen. Jeanette Biedermann übrigens auch nicht…

11.03.2009 Jack