Tonträger

Tracklist

1. Invaders Must Die
2. Omen
3. Thunder
4. Colours
5. Take Me To The Hospital 
6. Warriors Dance 
7. Run With The Wolves 
8. Omen (reprise) 
9. World's On Fire
10. Piranha 
11. Stand Up

THE PRODIGY

Invaders Must Die

VÖ: 20.02.2009
Label: Vertigo
Web: http://www.theprodigy.com/

Ende 1992 waren die Eltern der damaligen Generation noch wenig beunruhigt. Das Video zur ersten erfolgreichen Single „Out Of Space“ von The Prodigy flimmert über einen Kanal, der damals noch alle Eigenschaften eines Musikkanals aufwies. MTV spielte das 100 Pfund – Video, in denen die Herren um den musikalischen Kopf der Band, Liam Howlett, noch wie die netten Jungs aus der Nachbarschaft aussahen. Einzig die seltsame Kombination aus Gasmasken, Gummistiefeln und die blütenweißen forensischen Anzüge in Verbindung mit dem „Tanz“ von Keith Flint sorgte für erste Sorgenfalten. Auch „No Good“ konnte visuell nicht richtig schocken, aber die Klänge fügten sich zu einem der besten Songs im Jahre 1994. Getoppt wurde die Single durch „Vodoo People“ noch im gleichen Jahr. So langsam dämmert den ersten Zusehern, dass sich hier etwas Großes anbahnt. „Poison“ spielte wieder im dunklen Untergrund von London und so langsam zeigte auch Maxim Reality, dass der nette Junge von nebenan passé ist. „Firestarter“ sorgt dann endlich für das Entsetzen, wofür die Band gearbeitet hatte. Keith Flint als Mischung aus Krusty dem Clown und Spud aus Trainspotting. In „Breathe“ gibt es dann im wahrsten Sinne vom bunten Teller, Flint als Weihnachtsbaum und Maxim Reality als Voodoo Priester in einem Traum aus Schwarz. Danach folgte mit „Smack My Bitch Up“ eines der Videos, dass MTV nur ab 23Uhr spielen durfte, um der eh schon verdorbene Brut nicht noch weiter Flausen in den Kopf zu setzen. Das Ende bescherte allerdings weder MTV, sondern die Band selbst. Es dauerte fünf Jahre bis 2002 „Baby´s Got A Temper“ auf den Markt kam und kläglich versagte. Gemessen an den vorherigen Auskopplungen gab es hier kein Potential mehr, dass die Massen animieren konnten. Fortan gingen die Bandmitglieder eigene Wege, um sich selbst zu verwirklichen, Erfahrungen zu sammeln, aber auch kräftig Lehrgeld zu zahlen.

Geschmeidige siebe Jahre widmeten sich die Jungs ihren Soloprojekten oder werkelten ein wenig an The Prodigy herum, was natürlich weder der Plattenfirma noch den Fans gefielt. Erst mit „Invaders Must Die“ konzentrierten sich alle Mitglieder wieder auf die Band und verhelfen ihr so zu einem kleinen Comeback. Haben sie in der Vergangenheit aufgrund ihrer bandinternen Querelen den Chemical Brothers das Feld überlassen, so werden sie das Jahr 2009 nicht kampflos hergeben.

Als erste Maßnahme verschenkten sie den gleichnamigen Opener „Invaders Must Die“ als kostenlosen Download. Bezahlt hätte auch kein Fan der vergangenen Tage. Es ist keiner der Technopunk vs. Rock´n´Roll – Kracher, die Anfang der 90er Jahr für Furore sorgten, aber ein Zeichen, auf das die Fans gewartete haben. Für „Omen“ wühlen die Jungs noch mal die alten Synthies Marke „Out Of Space“ hervor und weil diese schon früher mächtig Eindruck gemacht haben, dürfen sie für „Take Me To The Hospital“ noch mal an den Start gehen. Auch „Warrior´s Dance“ erfreut nicht nur die DJs, die liebend gern Songs mit 90er – Damenstimmen aufs Parkett schleudern, sondern auch alle Festivalbesucher, die hierzu mächtig Staub aufwirbeln werden. Zeitweise werden Erinnerungen an „Something Good“ von den Utah Saints wach, welche allerdings noch mit gezogener Handbremse durch die Landschaft cruisen. „Invaders Must Die“ macht dagegen so gut wie keine Gefangenen. Elf Songs lang feiern The Prodigy die eigene Rückkehr auf die Bühnen der Welt mit ihren Freunden Angel Dust, Speed,  Diamorphin, Cyklizin, Codein, Temazepam, Nitrazepam, Phenobarbital, Amylnitrit, Dextropropoxyphen, Methadon, Nalbuphin, Pethidin, Pentazocin, Buprenorphin, Dextromoramid und Clomethiazol, die auch schon dem oben erwähnten Spud zu wundschönen Momenten verholfen haben.

Keiner hat es erwartet, aber alle freuen sich. Einige Wenige werden sich fragen, wo denn bitte schön die Weiterentwicklung ist. Es gibt keine. Das ist die erfreuliche Nachricht, denn das haben The Prodigy jahrelang durchlebt und mussten feststellen, dass ihnen Weiterentwicklung und zu viel Egoismus nur schadet. In diesem Sinne, No Good (Start the Dance).

06.03.2009 Tim