Tonträger

Tracklist

1. This Is
2. Williams' Blood
3. Corporate Cannibal
4. I'm Crying (Mother's Tears)
5. Well Well Well
6. Hurricane
7. Love You To Life
8. Sunset Sunrise
9. Devil In My Life

GRACE JONES

Hurricane

VÖ: 07.11.2008
Label: Wall Of Sound
Web: http://www.theworldofgracejones.com/

Das Exzessmonster ist zurück, und das nach 19 Jahren Funkstille. Was ist alles in dieser Zeitspanne passiert, der kalte Krieg fand sein Ende, Deutschland vereinigte sich, im Irak gab es zwischenzeitlich zwei Kriege, Frankreich zündete Atombomben zu Testzwecken,  Lady Di verunglückte, das World Trade Center stürzte ein, unzählige Musikgenres tauchten auf und verschwanden wieder, Handys wurden massentauglich, und das Internet hat die Welt vernetzt.

Einiges ist also geschehen in der Abwesenheit von Grace Jones, und auf einmal taucht sie dann auf, und noch immer funktioniert das Kunstprodukt hervorragend. Es ist fast so, als hätten ihr die fast zwei Jahrzehnte Abstinenz nichts anhaben können. Dabei ist das Gute, dass die 1948 in Jamaika geborene Schauspielerin, Modell und Sängerin nicht einfach ihren alten Sound reproduziert, sie hat sich die neue Zeit zunutze gemacht. Denn „Hurricane" ist auf der Höhe der Zeit und klingt nicht im Ansatz altmodisch, obwohl auch heute noch unverkennbar Grace Jones.

Sie ist noch immer so unnahbar und setzt sich selber in Szene, so passen auch ihre ersten Worte auf Album Nummer Acht: „This is my Voice, my Weapon of Choice" sagt sie. Man fühlt sich in die Vergangenheit versetzt, und Vieles erinnert auch an Früher. Ihre alten Weggefährten und Dauerproduzenten Sly & Robbie haben einigen Songs ihre unverkennbaren Dub-Beats verpasst, aber auch Brian Eno, Tricky und Tony Allen haben auf diesem Album mitgewirkt. Trotzdem ist nur Grace Jones präsent, denn kaum ein Mensch auf diesem Planeten hat so eine akustische und visuelle Ausstrahlung wie sie. Deshalb funktioniert ihr Comeback so wunderbar, und deswegen hat der erste Vorbote „Corporate Cannibal" die ganze Blogwelt in Atem gehalten, dieser unnahbare und gefährliche Sound, der größtenteils aus bedrohlichem TripHop besteht und in dem Grace Jones in ihrem Sprechgesang zum „Corporate Cannibal" wird. Dazu das Video, in dem ihr Gesicht zerfließt sie und zum beängstigenden Mutanten aus Mensch, Insekt und Roboter wird.

Auf dem Album ist dieses auch das Herzstück, aber trotzdem ist es genau die Verbindung aus Musik und Bild, die Grace Jones so beeindruckend macht. Trotzdem funktioniert ihre Musik auch ohne Bilder, Songs wie „Devil In My Life" beweisen es. Schließlich glaubt man ihr, dass sie einen Teufel in sich trägt. Der Song ist theatralisch in Szene gesetzt, mit Orchestersound, Gospel und der unterkühlten Gesangsästhetik von Grace Jones. Aber auch das Titellied passt zu ihr, tiefe Dub-Sounds rollen ganz tief an einem vorbei, die Bedrohlichkeit sitzt einem im Nacken, und Grace Jones singt mit einem beeindruckenden Timbre, dass Shirley Bassey hier vor Neid kreidebleich wird. Ein wirklich gelungenes Comeback, das wirklich an der Zeit war, bei all den austauschbaren Persönlichkeiten in der heutigen Zeit.  

01.12.2008 Hauke