Tonträger

Tracklist

1. A jingle for the product 
2. Contemplate this on the tree of woe 
3. Parishiltonisametaphor 
4. Gainesville 
5. Ode to the north american snake oil distributor 
6. Minimum wage is a gateway drug 
7. The classical arrangement 
8. Americas premiere faith based initiative 
9. The art of whore 
10. Fruity pebbles 
11. A pyre laid for image and frame 
12. Like eye contact in an elevator 
13. Clown cars on cinder blocks 

DILLINGER FOUR

Civil War

VÖ: 10.10.2008
Label: Fat Wreck Chords
Web: http://www.angelfire.com/mn/dillingerfour/

Wäre dieses Album ein Kind, dann würde es sechs Lenze zählen und sich im Kindergarten befinden. Füllt man diesen Nachwuchs nun ab und verpasst eine flotte Büx, kommen unter dem Strich Dillinger Four heraus. Eine solch krude Rechnung stellen die Promotionsstrategen aus dem Hause Fat Wreck Chords auf die Beine, um den (wirklich) lang erwarteten Nachfolger von „Situationist Comedy“ gebührend zu erläutern.

Bekannter Maßen sagen Kinder und Betrunkene stets die Wahrheit. Da „C I V I L W A R“ den einleitenden Ausführungen zufolge beide Gruppen miteinander kombiniert, müssen die insgesamt 13 Songs einfach nur Tacheles reden. Für eine derartige Vorgehensweise war der Vierer aus Minneapolis hinlänglich bekannt, und dies hat sich auch nach einem halben Dutzend Jahren Abstinenz nicht geändert. Dillinger Four machen erneut keinen Hehl aus ihrer kritischen Stellung zu den politischen und sozialen Machenschaften in ihrer Heimat, achten dabei allerdings darauf, nicht alles verbal in Grund um Boden zu stampfen, sondern das Ergreifen der Initiative anzuregen, wie beispielsweise in „Americaspremierefaithbasedinitiative“: „If we're right, we gotta fight / Yeah we can't afford to give it away / 'Cause in the worst of times, the battle cries / Just got lost in the fray (hey! hey! hey!) / Fall back, get it on track / Yeah forget all mistakes of the past / You know it's gotten so bad / The time is now to say it“.

Mitmachen ist angesagt, und das fällt auch angesichts der musikalischen Qualitäten dieses Albums keineswegs schwer. Die Songs sind einfach konzipiert: Punkrock der Marke Anti-Flag macht hier die Runde, gelegentlich in rapiderem Tempo („A Jingle For The Product“, „The Art Of Whore“), ansonsten im moderaten Poppunk-Stil („Contemplate This On The Tree Of Woe“, „Minimum Wage Is A Gateway Drug“). Trotz erhobenem Zeigefinger sorgen Dillinger Four quasi zu jedem Zeitpunkt für eine positive Stimmung, die Bands wie Screeching Weasel oder Nerf Herder in der Vergangenheit perfektioniert haben.

Um wirklich als Meilenstein bezeichnet werden zu dürfen, fehlen diesem Album zwar die musikalisch außergewöhnlichen Momente, dennoch macht das angeschossene Kind in seinen neuen Beinkleidern eine richtig gute Figur. Verbleiben wir mit einem Warnhinweis an alle mit einer absoluten Naivität beschlagenen Leser: Solltet ihr ein sechsjähriges Kind haben, verzichtet bitte auf das Verabreichen von Alkohol, denn es werden anschließend sicher keine Dillinger Four dabei herauskommen. Kauft ihm oder ihr lieber eine schicke Hose und euch dazu dieses nicht minder schicke Album. 

01.11.2008 Jack