Tonträger

Tracklist

1. Collapse (Post-Amerika) 
2. Long Forgotten Sons 
3. Re-Education (Through Labor)
4. The Dirt Whispered
5. Kotov Syndrome
6. From Heads Unworthy 
7. The Strength To Go On
8. Audience Of One 
9. Entertainment 
10. Hero Of War
11. Savior
12. Hairline Fracture
13. Whereabouts Unknown 
14. Historia Calamitatum

RISE AGAINST

Appeal To Reason

VÖ: 10.10.2008
Label: Geffen Records
Web:
http://www.riseagainst.com

Zu welchem Zeitpunkt haben wir Rise Against eigentlich so dermaßen lieb gewonnen? Im Grunde war es doch das Jahr 2003, als die Band aus Chicago die Musikwelt mit dem zweifellos spitzenmäßigen Album „Revolutions Per Minute“ bereicherte, was sie schlagartig auf die Einkaufszettel der großen Plattenfirmen katapultierte. Auf einer solchen befindet sich das Quartett nun seit geraumer Zeit, und seit eben solcher konnte es an die einstigen Erfolge nicht mehr anknüpfen. Am ehesten gelang dies noch mit dem gelungenen „Siren Songs Of The Counter Culture“, doch mit „The Sufferer & The Witness“ hagelte es – zumindest unter der alteingesessenen Anhängerschaft – viele enttäuschte Gesichter. Und nun sollen auch noch mit „Appeal To Reason“ neue Wege eingeschlagen werden…

Zu Beginn lässt „Collapse (Post Amerika)“ die erwartungsvoll angespannten Trommelfelle frohlocken, denn Rise Against haben sowohl ein flottes Tempo als auch eingängige Melodien auf Lager, was gerne in Bezug auf den Rest des frischen Langspielers beibehalten werden darf. Doch schon bei der folgenden Nummer namens „Long Forgotten Sons“ lassen sich eindeutige Symptome des „Neue Wege-Virus“ nicht mehr von der Hand weisen: Streng gedrosselt quält sich die Band durch den Pop-lastigen Song, der vor einigen Jahre im Hause Rise Against niemals stattgefunden hätte. Überzeugten Tim McIlrath und seine Mannen seinerzeit noch mit furiosem und melodischem Hardcore, so ist mittlerweile von diesem Genre nicht mehr viel übrig geblieben. Der Hardcore-Faktor ist auf „Appeal To Reason“ ebenso wenig vorhanden wie ein aggressiver Gesang, geblieben sind lediglich die kritischen Texte, ohne die dieses Album ein ziemlich seelenloses Stück Musik wäre. Denn stilistisch liefern die US-Amerikaner eine bis auf wenige Ausnahmen („The Dirt Whispered“, „Savior“) erschreckend schwache Leistung ab.

Ob stark nach Bad Religion klingend („From Heads Unworthy“) oder in bester „Swing Life Away“-Manier („Hero Of War“) – Wenn Rise Against einige Erwartungen erfüllen können, dann die der Rundfunkanstalten, die sich bequem zahlreiche Songs aus der Liste herauspicken können, um sie ihrem Publikum zum auditiven Verzehr vorzuwerfen. Natürlich wird „Appeal To Reason“ als neues Hit-Album gefeiert werden. Wer jedoch über einen höheren Anspruch an die Band, die sich vor einigen Jahren selbst enorm hohe Maßstäbe gesetzt hat, verfügt, verfällt nicht in ausgiebige Feierlaune, sondern überlegt sich mindestens zweimal, ob die Zeit für eine berechtigte Lücke in der Plattensammlung reif sei.

11.10.2008 Jack