Tonträger

Tracklist

1. A failure is taking over
2. Invalid reason!
3. Silent road
4. With betrayal to blackout
5. Muerto de cansancio
6. Christmas in prison
7. In the end we're all blunted
8. Phantom lights
9. Trial & error
10. The worlds sexiest simplification

SOEY

Rush Hour In Phantom City

VÖ: 10.06.2008
Label: Laserlife Records
Web: http://www.myspace.com/soey

Ist es etwa ein böses Omen, wenn das Informationsblatt zu dem entsprechenden Album darum bittet, den Songs mehrere Male Gehör zu schenken, um der Band eine – Zitat – „faire Chance“ zu geben? Welchem Rezensenten kann es in einem solchen Fall verdacht werden, mit einer gewissen Skepsis im Hinterstübchen an eine Veröffentlichung heranzugehen? Geht es während der während der Hauptgeschäftszeit in Phantomstadt wirklich so stressig zur Sache, dass man sich erst an die Anstrengungen gewöhnen muss?

Was eindeutig für SOEY steht, ist ihre Herkunft: Die vier jungen Männer stammen aus Österreich, was meines Erachtens als eine Art musikalisches Gütesiegel aufgefasst werden kann. Und in der Tat ist die Band in der Lage, mit „Rush Hour In Phantom City“ diesem Qualitätskriterium zu entsprechen. Zwar gehen SOEY prinzipiell nicht ganz so geradlinig ans Werk wie zahlreiche Kollegen aus dem Neustadtpunk-Netzwerk, dennoch muss an dieser Stelle die eingangs anberaumte Alarmstufe kräftig nach unten korrigiert werden. Mit Sicherheit präsentiert sich die halbe Stunde Musik als durchaus abwechslungsreich bis anspruchsvoll, dennoch gelingt es dem österreichischen Punkrock-Nachwuchs, zu keinem Zeitpunkt überfordernd zu klingen.

Auf „Rush Hour In Phantom City“ tendieren SOEY stark zu den späteren Propagandhi, es mischt sich demzufolge rasanter Uptempo-Punkrock mit ruhigen Bremsmanövern. Vergleichsweise komplexe Passagen wie beispielsweise in „In The End We’re All Blunted“ erhöhen zwischenzeitlich den Anspruch, der sich im Übrigen bei den Songtexten durch die Bank weg in hohem Maße wieder findet. Dementsprechend gestaltet sich das Hörvergnügen in diesem Falle auch ein wenig anders: Nicht eingängige, leicht greifbare Melodien und massenkompatible Songstrukturen machen hier die Runde, es ist die Forderung nach einem hohen Maß an Aufmerksamkeit. Dass jene sicherlich den einen oder anderen zart besaiteten Hörer abschrecken oder eventuell sogar verprellen wird, ist nicht ausgeschlossen, der große Vorteil von „Rush Hour In Phantom City“ liegt jedoch in der Nachhaltigkeit. Denn während kurzfristige Chartstürmer zumeist relativ schnell ihrer Austauschbarkeit Tribut zollen müssen, bleiben Bands wie SOEY aufgrund ihrer stilistischen Widerhaken auf Dauer hängen. Es sei denn, sie bekommen von vornherein nicht die Chance, die sie verdient haben…

01.09.2008 Jack