Tonträger

Tracklist

1. Good And Ready
2. The Bright Lights of America
3. Vices
4. The Modern Rome Burning
5. If You Wanna Steal
6. No Warning
7. Spit In The Face
8. We Are The Lost
9. Go West
10. The Smartest Bomb
11. Shadow Of The Dead     
12. The Ink and The Quill (Be Afraid)

ANTI FLAG

The Bright Lights of America

VÖ: 28.03.2008
Label:
Rough Trade
Web:
www.anti-flag.com

Wenn aufstrebende Punkrockcombos mit einem Majorlabel gemeinsame Sache machen, hat dies zumeist zwei Konsequenzen: Die alt eingesessenen Fans konstatieren den totalen Ausverkauf, während der musizierende Protagonist an sich vehement beteuern muss, dass seine Nachricht mit diesem Schritt möglichst zahlreichen Empfängern zugänglich gemacht werden soll. So war es immer, und so wird es auch immer bleiben. Auch Anti-Flag sahen sich jenen Vorwürfen ausgesetzt. Doch anstatt sich in oberflächlichen Vorteilsbekundungen zu üben, macht der Vierer aus Pittsburgh einfach dort weiter, wo er seit Beginn des gemeinsamen Schaffens anfing. Nicht nur auf lyrische Weise gibt man sich äußerst kritisch und legt den Finger in klaffende Wunden der Gesellschaft, auch in punkto Aktivismus verfolgt die Band ein beispielhaftes Engagement für eine Vielzahl an Organisation wie PETA oder Amnesty International.

Nach „For Blood And Empire“ werden nun „The Bright Lights Of America“ eingeführt, um dem sozial Unverträglichen auf diesem Planten den Kampf anzusagen – selbstverständlich untermauert mit der passenden Musik. Diese erweckt auf dem neuesten Longplayer jedoch vorerst einen recht seltsamen Eindruck, kennen wir Anti-Flag doch als Künstler, deren Sound ebenso klar und scharf ist wie ihre Statements. Dem haben Justin Sane und Konsorten jetzt abgeschworen, indem sie ihre insgesamt zwölf Song plus Bonustrack dem legendären Tony Visconti anvertrauten, einem Produzenten, der sich unter anderem Kollaborationen mit David Bowie, T-Rex, Thin Lizzy und den Boomtown Rats auf die Fahnen schreiben darf. Visconti, der bereits bei der Gründung Anti-Flags im Jahre 1989 stolze 45 Lenze zählte, verlieh dem Album alles andere als einen spektakulären Bombast-Sound. Es war die richtige Wahl, denn so klingen die stark mitsingbaren Nummern überaus authentisch.

Was das Songwriting betrifft, so geben sich Anti-Flag vielseitiger denn je, wofür sie sich im Falle von „The Bright Lights Of America“ amtliche 52 Minuten Zeit nehmen. Lediglich das flotte „Spit In The Face“ erinnert an die alten Zeiten, ansonsten wird in moderatem Tempo gerockt. Auch wenn sich die Band aktuell teilweise verzweifelt („If You Wanna Steal“, „We Are The Lost“) bis vertrackt („No Warning“) darstellt, schwenkt sie in schöner Regelmäßigkeit zu extrem einpeitschenden Passagen um und gibt somit den Händen Anlass, sich zu einer Faust zu ballen, und Armen einige gute Gründe, diese in die Höhe zu transportieren. Instrumentale Unterstützung gibt es gelegentlich von Keyboards, Streichern und Bläsern, ohne jedoch in eine Art Opus auszuarten. „The Bright Lights Of America“ verbindet den klassischen Anti-Flag-Sound mit ausgelassenen Arrangements und neuen Elementen, langjährige Fans werden dennoch in keiner Weise verprellt. Außerdem ist es bemerkenswert, dass die Punkrocker es erneut schaffen, ein Album zu veröffentlichen, das sich nicht an einem oder zwei Hits aufhängen lässt. Um es sportlich zu formulieren: Der Star ist die Mannschaft – ein durchaus wirksames und Erfolg versprechendes Rezept.

01.05.2008 Jack