Tonträger

Tracklist

1. False Medication     
2. Mine Me I     
3. (Feel it) Day By Day
4. The Good Part
5. Its Always A Fuse To Live At Full Blast
6. Shshshame
7. Speedluv
8. U Sound
9. The Mentalist
10. Swinging Exit Pleasure
11. Pas de Tristesse
12. So Long Goodbye

BLACKMAIL

Tempo Tempo

VÖ: 28.03.2008
Label: City Slang
Web: www.blackmail-music.com

Schon seit einigen Wochen wirft „Tempo, Tempo“ seine Schatten voraus. Anzeigen, Sampler-Plazierungen, Video-Snippets und Audio-Streams kündigen den neuen Release der Koblenzer mal wieder auf breiter Front an.

Mediale Aufmerksamkeit war und ist den Kritikerlieblingen ohnehin stets sicher. Hinzu kommt, dass sich ihr Label City Slang bestens darauf versteht, seinen Künstlern die nötige Aufmerksamkeit zu Teil werden zu lassen. Das konnte man unlängst bei den Veröffentlichungen von Get Well Soon oder natürlich Nada Surf beobachten.

Blackmail haben sich diese Aufmerksamkeit unter anderem auch durch Stetigkeit erarbeitet. Mit „Tempo, Tempo“ veröffentlicht die Band bereits ihr sechstes Studioalbum. Dazu kommen diverse weitere Veröffentlichungen, darunter Film-Soundtracks und Album-Remixes. Eine Präsenz, die es in dieser Form selten gibt, zumindest in der deutschen Indie-Landschaft.

Die vielzähligen Vorankündigungen haben dann auch tatsächlich ihren Job getan. Nach den ersten Eindrücken, dem Opener „False Medication“, der zum Download bereit gestellt wurde, sowie der Samplerplazierung „Day by Day“ konnte man auf Großes hoffen.

Beide Songs zeichnen sich durch greifbare Gesangslinien und erstklassige Hooks aus, kombinieren spröde Sperrigkeit mit oppulenten Arrangements und Instrumentierungen, bleiben dabei doch aber stets ehrliche Rocksongs. Und der dem blubox-Sound entlehnte – mittlerweile jedoch eigenständige – gleichermaßen ehrliche, warme wie druckvolle Sound ist bei Ebelhäuser-Produktionen zwar obligatorisch, aber dabei immer wieder eine willkommene Abwechslung zu dem sonst vorherrschenden Einheitsklangbild.

Die Hoffnung, dass Blackmail es dieses Mal schaffen auf gesamter Albumlänge zu überzeugen, wurde also einmal mehr genährt. Erfüllung gefunden hat sie jedoch wieder nicht. „Tempo, Tempo“ ist ein Wechselspiel zwischen spannend und großartig auf der einen, belanglos und bisweilen langatmig auf der anderen Seite. Neben den bereits genannten Songs sind es vor allen Dingen „It’s always a Fuse to live at full Blast“ und „Speedluv“, die restlos überzeugen können. Dazwischen tauchen allerdings immer wieder Stücke auf, die sowohl was das Songwriting als auch den Gesang angeht, nicht aus der Belanglos-Ecke herausfinden wollen. Weit weg von schlecht zwar, aber eben auch von relevant.

Insgesamt macht „Tempo, Tempo“ den Eindruck, dass den großartigen Songs und Momenten, wie zum Beispiel das mit Chören arrangierte, ausladende Ende von „Swinging Exit Pleasures“, eine Reihe von funktionierenden aber unspektakulären Indie-Rocksongs zur Seite gestellt wurden. Und vielleicht entsteht deshalb nur schwerlich ein dichter Gesamteindruck dieses Albums, wie man ihn in Perfektion zum Beispiel von …Trail Of Dead’s „Worlds Apart“ kennt. Dabei wären Blackmail ja vielleicht sogar in der Lage, eine derartige Stimmung zu erzeugen. Besonders die vermehrt eingesetzten Backing Vocals von Kurt Ebelhäuser, gemeinsam mit der Instrumentierung – von Streichern bis Akkordeon ist einiges dabei – lassen dies vermuten.

Eine gesicherte Erkenntnis abseits von Vermutungen: „Tempo, Tempo“ bietet neben einer Reihe von großartigen Songs eine Vielzahl von versteckten Kleinigkeiten, die das Album stetig wachsen lassen. Und kann so sicher auch auf den monumentalen Gesamteindruck verzichten, um einfach nur ein gutes Indie-Rock Album zu sein.

27.03.2008 Tobi