Tonträger

JOHN JOSEPH

The Evolution of a Cro-Magnon (Buch)

VÖ: 23.12.2007
Publisher: Punkhouse
Web: www.punkhouse.org

„John Joseph macht einem Angst“, sagt Regisseur Morgan Spurlock ('Super Size Me') über seinen alten Kumpel. Stimmt. Beim Anblick des tätowierten Muskelmannes würden wahrscheinlich so einige spontan die Straßenseite wechseln. Wer den ehemaligen CRO-MAGS Sänger jemals kennen gelernt hat, weiß jedoch, dass er mit einem freundlichen und ausgeglichenen Charakter geschlagen ist, fernab steroider Idiotie.

Das war nicht immer so. Weshalb John in der nun endlich erschienen Autobiographie „The evolution of a Cro-Magnon“ erzählt, wie er zu dem Menschen geworden ist, der er heute ist. Seit mehr als einem Jahr wurde der Veröffentlichungstermin immer wieder verschoben. Nicht ohne Grund, denn schon nach den ersten Seiten spürt man, dass in diesem Werk des Autors ganzes Herzblut steckt. „Dieses Buch ist wie eine Therapie für mich“, merkt er früh an, als er von dem Kapitel erzählt, das bis heute die tiefsten Spuren hinterlassen hat: Pflegefamilien, die ihn und seine Geschwister jahrelang geistig und körperlich misshandeln.

Verzweifelt entschließt sich John zur Flucht in die härteste aller Schulen. Der Straßenakademie. Mitreißend und humorvoll unterhält er mit all dem, was er überlebt und hinter sich gelassen hat. Ein Leben auf den Straßen New Yorks, geprägt von Kriminalität und Drogen, in dem der vierzehnjährige Sohn eines irischen Boxers schnell lernt, dass es für ihn nur ums Überleben geht. CRO-MAGS Songs wie „Survival of the streets“ oder „Street justice“ lesen sich in der Retrospektive demnach als Reflexion des eigenen Schicksals, weit weg von der einseitigen Rezeption eines viel kritisierten Machogehabes. Ihr Autor, der seinen Segen schließlich in Musik, Yoga und Spiritualität findet, wusste stets, wovon er erzählt.

Zugegeben klingt das von außen ein wenig nach amerikanischer Altersläuterung. Doch Gott bzw. Krishna sei Dank pathetisch wird diese Lektüre nie. Schnell kann man sich auf den direkten Schreibstil des Erzählers einlassen, der fern davon ist, ein intellektueller Avantgardist zu sein - dafür benutzt er das Wort "fuck" einfach zu häufig. Der aber einen mehr als interessanten Insidereinblick in die Anfänge der New Yorker HC-Szene bietet sowie, und da hat er vielen seiner Kollegen aus Big Apple einiges Voraus, sich trotz widerer Sozialisationsumstände zu einer Persönlichkeit entwickelt hat, die an das gute im Menschen glaubt.

13.03.2008 Bodo