Tonträger

Tracklist

1. Alibi of Tyrants
2. Pieces of the Sun
3. Finger Painting (With the Enemy)
4. March Against Me
5. Compulsion of Virus and Fever
6. Formal Obsession
7. Hot Summer's Tragedy
8. Me Gusta La Soledad
9. 2012
10. Guerrilla Carnival
11. Estoy Perdido
12. Kellogg's, Bombs, & Cracker Jacks
13. De Sangre Hermosa

ILL NINO

Enigma

VÖ: 28.03.2008
Label:
Cementshoes Records
Web: www.illnino.com

Fehlendes Selbstbewusstsein kann man Ill Nino nicht vorwerfen. Der Verweis auf Che Guevara zu Beginn des Beipackzettels zumindest macht klar, wie ernst die Band sich selbst und ihre Musik, mit besonderem Augenmerk auf den lateinamerikanischen Kontext, nimmt.

Als ich Ill Nino das erste und letzte Mal live gesehen habe, noch zu Zeiten ihres Debüts war das, hat einer der Gitarristen während der gesamten Show einen Rucksack auf seinem blanken Oberkörper getragen. Die Gitarre, bzw. den Gurt, dann widerum über dem Rucksack. Abgesehen davon, dass diese Kombination unfassbar albern aussah, war die Erklärung noch weitaus lächerlicher: Der Rucksack schütze seinen muckibudenaustrainierten Oberkörper bei seiner extravaganten Performance, Roundkicks waren keine Seltenheit, vor etwaigen Schürfwunden durch den Gitarrengurt.

So zumindest die spätere Erklärung durch nachgewiesen fachkundige Mitarbeiter des damaligen Labels. Ja, klar. Das erscheint logisch. Aber gab es da nicht diese eine amerikanische Erfindung, die uns allen das tägliche Leben so nachhaltig erleichtern sollte? Richtig, das T-Shirt. Und hätte ihm das nicht irgend jemand nahe bringen können?

Wenn Che Guevara, der ja immer und andauernd für alles mögliche herhalten muss, erfahren würde, dass er eben solchen Musikern, bzw. deren Repräsentanten, zumindest mal als grober Vergleich im Umgang mit dem eigenen Schaffen dient, würde er sich wohl mehr als einmal im Grab umdrehen.

Man kann ja generell leider nur bedingt löschen, was man gesehen und erfahren hat. Und deshalb fällt es mir schwer, dieses Album überhaupt nur ein Stück weit ernst zu nehmen. Bei jedem mit Ethno-Trommeln und Akustikgitarren durchzogenem Versatzstück sehe ich den Rucksackgitarristen vor mir, wie er sich, endlos Roundkicks absolvierend, im Kreis dreht.

Dazu kommt, dass die Musik dabei nicht in einem einzigen Moment im Stande ist, diesen Eindruck wegzuwischen und durch sich selbst zu überzeugen. Zwar beherrscht da jeder sein Instrument, auch die Songs sind nach den üblichen, erfolgversprechenden Prinzipien aufgebaut, aber es bleibt einfach nichts kleben. Und das, obwohl Ill Nino mit so einigem um sich werfen. Rectifier-Gitarren kratzen sich durch Percussion Wände, obendrüber wird wahlweise in englisch oder spanisch gesungen und geschrien, bis sich das nächste Joe Satriani Gedächtnis-Solo in den Vordergrund schiebt, welches widerum gern umgehend von einem Weltraum-Synthesizer abgelöst wird.

Das alles reicht jedoch mitnichten, den lächerlichen Eindruck zu korregieren, den die Band damals hinterlassen hat. Vielmehr macht es die Ganze Sache nur noch schlimmer.

Eine Frage bleibt ob der vorliegenden Promo-Copy ohne Booklet allerdings noch offen. Ich hätte gern gewusst, ob sich der Rucksackmann auch auf den Bandfotos mit seinem Oberkörper-Protektor präsentiert. Das wäre dann wohl mein ganz persönliches, kleines Ill Nino-Sahnehäubchen gewesen.

30.03.2008 Tobi