Interview

DIE NACKTE WAHRHEIT

TIME AGAIN
15.02.2008, Hamburg

Freunden des Streetpunks sollte diese Band mit Sicherheit geläufig sein: Time Again arbeiten hart an ihrer kleinen Erfolgsstory, die sie bereits in europäische Gefilde geführt hat. Und genau in diesen wird das Quartett auch im Frühjahr wieder unterwegs sein. Im Gepäck befinden sich 14 nagelneue Songs, zusammengefasst zu dem Album „Darker Days“, das erneut auf dem Epitaph-Ableger Hellcat Records veröffentlicht wird. Das will schon etwas heißen, weswegen wir mit Frontmann Daniel Dirt Kontakt aufgenommen haben, um ein wenig mehr über die Geschicke der Punks aus Los Angeles ans Licht zu bringen.

Daniel, euer Album „Darker Days“ steht in den Startlöchern. Werden diejenigen, die auf den Vorgänger „The Stories Are True“ abgefahren sind, auch automatisch den neuen Longplayer gut finden?
Daniel: Ich denke, dass wir mit dem neuen Album einen weiteren Schritt in unserer Entwicklung gemacht haben. Prinzipiell gehen unsere neuen Songs in die selbe Richtung mit dem Unterschied, dass wir mit unserer Arbeit dieses Mal noch zufriedener sind. Es lief einfach alles wie am Schnürchen. Mir bedeutet dieses Album eine Menge, denn die Songs sind sehr persönlich. Ich hoffe, dass die Leute es genauso mögen wie wir es genossen haben, es herzustellen.

Was ein wenig verwunderlich erscheint ist die Tatsache, dass weder Lars Frederiksen noch Tim Armstrong eines eurer beiden Alben produziert haben. Gibt es dafür Gründe?
Daniel: Ursprünglich hatten wir mit Tim Armstrong als Produzent geplant, doch schlussendlich befand er sich mit Rancid auf Tour als wir die Aufnahmen terminlich unter Dach und Fach gebracht hatten. Also haben wir uns mit unserem Freund Mike Green zusammengetan, der seine Sache ausgezeichnet gemacht hat.

Lars Frederiksen sagte einst über euch die folgenden Worte: „This is what punk is. This is a band that’s gonna be around for a long time.“ Was macht eure Musik so essentiell in Bezug auf den Punkrock? Und wie sicher seid ihr euch, noch lange als Band Bestand zu haben?
Daniel:
Ich habe keine Ahnung, was unsere Musik so bedeutungsvoll für den Punkrock macht. So weit denken wir nicht über unser Schaffen nach. Selbstverständlich ist es unser Anliegen, so lange wie möglich als Band zu bestehen. Hoffentlich hat Lars Recht.

Auf eurem ersten Album findet man Titel wie „Junkies“, „Broken Bodies“, „Fallen Nation“ und „Criminals“. Klingt nach einer recht negativen Auffassung von eurem gesellschaftlichen Umfeld.
Daniel:
Diesen Eindruck muss ich entkräften. Wir möchten mit unseren Songs einen Beitrag zu einer positiven gesellschaftlichen Entwicklung leisten, indem wir in unseren Texten die nackte Wahrheit aussprechen. Auf diese Weise möchten wir zu einem anderen, besseren Verhalten der Menschen anregen.

Auf der anderen Seite liefert euer neues Album Songtitel wie „Soon It Will Be“, „Lucky“ und „Movin’ On“. Wird der positiven Entwicklung so Ausdruck verliehen?
Daniel:
Ha, „Lucky“ handelt eigentlich von einem Typen, den ich im Gefängnis kennen gelernt habe. Der Song beschreibt diese Erfahrungen und die Lehren, die ich aus dieser Zeit gezogen habe. Folglich ist er nicht wirklich positiv. Ich denke, dass unsere Musik weder positiv noch negativ ist, zumindest versuche ich nicht, sie derart zu kategorisieren. Ich möchte sie nicht überanalysieren, mir ist es wesentlich wichtiger, wie sie auf unsere Fans wirkt und was sie für sie bedeutet.

Es ist unschwer zu erkennen, dass eure Musik nach einem großen Rancid-Einfluss klingt. Wie viel Absicht steckt dahinter?
Daniel:
Natürlich haben Rancid uns maßgeblich beeinflusst. Ich kenne Tim seit vielen, vielen Jahren, und mittlerweile haben wir fast ein brüderliches Verhältnis. Wir haben an so vielen Songs gemeinsam gebastelt, beispielsweise für The Transplants oder für sein Soloalbum. Im Gegenzug hat er mir immer bei unseren Songs geholfen. Ich kann sagen, dass ich alles, was ich über das Schreiben von Songs weiß, von Tim gelernt habe. Da liegt es auf der Hand, dass bei den Ergebnissen die Handschrift des Lehrmeisters zu erkennen ist.

Mit Iros, Tattoos und den entsprechenden Klamotten verfügt ihr über das passende Punkrock-Outfit. Denkst du, dass solche Faktoren notwendig sind, um die Glaubwürdigkeit zu steigern?
Daniel:
Darüber denke ich nicht groß nach. Ich bin der Auffassung, dass die Menschen das tragen sollen, was sie mögen. Ich stehe auf Tattoos, also habe ich mir welche stechen lassen. Und wenn ich einen Bikini tragen möchte, dann ziehe ich mir einfach einen an.

Zum Abschluss: Was hältst du von der europäischen – speziell der deutschen – Punkrock-Szene?
Daniel:
Ich mag sie sehr! Ich finde, dass die Fans in Europa leidenschaftlicher als überall sonst sind. Das finde ich klasse.

Vielen Dank für die Antworten und viel Erfolg auf der bevorstehenden Tour.

INTERVIEW:
Jack

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